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Internetkriminalität : Betrug im Online-Banking wird raffinierter

  • -Aktualisiert am

Online-Banking Kunden müssen eine Virenschutzsoftware und Firewall benutzen Bild: AP

Internet-Kriminelle beschaffen sich mit immer trickreicheren Phishing-Methoden die Kontodaten der Bankkunden. Sie entwenden die Informationen mit Hilfe von - meist unsichtbaren - Spionageprogrammen. Das als sicher geltende iTAN-Verfahren ist kein Hindernis mehr.

          Die Betrugsfälle im Online-Banking häufen sich. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes sind in den ersten zehn Monaten 3100 Phishing-Fälle bekanntgeworden. Der durchschnittliche Schadensbetrag ist auf 4500 Euro gestiegen. Beim Phishing beschaffen sich Internet-Kriminelle die geheimen Kontodaten der Bankkunden und überweisen dann Geld auf die Konten - mehr oder weniger - ahnungsloser Mittelsmänner oder direkt ins Ausland.

          Eigentlich hatte man wegen neuer Sicherheitsstandards einen Rückgang der Betrugsfälle erwartet, doch der sei nicht eingetreten, sagte BKA-Internetfachmann Mirko Manske. Auch die Täter hätten ihre Methoden weiterentwickelt. Das inzwischen von vielen Banken eingesetzte iTAN-Verfahren, das jeder Überweisung eine spezielle Transaktionsnummer zuordnet, sei heute kein Hindernis mehr.

          35 Millionen Online-Konten in Deutschland

          Online-Banking ist in Deutschland weit verbreitet. Nach Angaben der Bundesbank gab es Ende des vergangenen Jahres 35 Millionen Online-Konten in Deutschland. Daher ist der Anteil der bekannten Betrugsfälle an den gesamten Geldtransaktionen im Internet verschwindend gering. Aber die Dunkelziffer sei hoch, und die Tricks der Betrüger würden immer raffinierter, warnte Manske.

          Manche Programme manipulieren inzwischen ordnungsgemäße Überweisungen auf dem Weg zur Bank und leiten das Geld auf die Konten der Ganoven um. Stark im Kommen sind auch persönliche Ansprachen der Nutzer. Diese dafür benötigten Informationen lassen sich heute sehr leicht aus sozialen Netzwerken beschaffen.

          Die meisten Phishing-Betrüger kommen aus Russland

          Das klassische Phishing, bei dem ein Nutzer in einer gefälschten E-Mail aufgefordert wird, sich bei seiner Bank einzuloggen und dabei eine Transaktionsnummer einzugeben, macht nur noch einen kleinen Teil der Betrugsversuche aus. In 90 Prozent der Angriffe werden die Daten mit Hilfe von Spionageprogrammen entwendet, die unbemerkt auf die Rechner der ahnungslosen Computernutzer gespielt werden.

          Meist werden diese Programme beim Herunterladen einer anderen Datei mit übertragen, oder sie verbergen sich hinter einem scheinbar seriösen E-Mail-Anhang. Der Prozentsatz der Phishing-Angriffe an allen bösartigen E-Mails stieg im Oktober gegenüber dem Vormonat um 36,8 Prozentpunkte auf 92,8 Prozent, hat das Sicherheitsunternehmen Messagelabs gemessen. Die meisten Phishing-Betrüger kommen nach Manskes Angaben aus Russland. Auch viele osteuropäische Länder, die Vereinigten Staaten und China gehören zu den Phishing-Hochburgen, hat die Anti-Phishing Working Group, eine Branchenorganisation der IT-Industrie, ermittelt.

          „Goldfischteich“ Internet habe sich in ein „Haifischbecken“ verwandelt

          Der Bundesverband deutscher Banken rät den Online-Bankkunden, einen Virenscanner einzusetzen, der sich vor jeder Internetsitzung aktualisiert. Zudem sollte eine sogenannte Firewall zur Abwehr unerwünschter Zugriffe auf dem Computer vorhanden sein. Passwörter, persönliche Identifikationsnummer (PIN) und Transaktionsnummern (TAN) sollten niemals auf der Festplatte des Computers gespeichert werden.

          Die Wirkung dieser Instrumente ist umstritten. Auch Antivirenprogramme seien oft kein wirksamer Schutz, sagte Manske, da die Spionageprogramme für einen sorgfältig ausgewählten Nutzerkreis maßgeschneidert würden. „Hier ist ein Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern im Gange“, sagte auch der Vizepräsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Michael Hange. Der „Goldfischteich“ Internet habe sich in ein „Haifischbecken“ verwandelt.

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