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Internationaler Finanzmarkt : Neue Spielregeln für die Marktakteure

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Während Präsident Obama mit Tim Geithner eine neue Finanzaufsicht entwirft, denken die Währungshüter über einen geldpolitischen Kurswechsel nach. Noch ist unklar, wie die „Exit-Strategie“ aussehen soll - die Angst vor einer Inflation ist aber gering.

          Die Pläne für eine Neuordnung der amerikanischen Finanzmarktaufsicht liegen erst ein paar Tage auf dem Tisch. Doch schon jetzt ist klar, dass die Umsetzung des von Präsident Barack Obama und Finanzminister Tim Geithner entworfenen Reformvorhabens kein Spaziergang wird. Der Kongress in Washington erkennt zwar die Notwendigkeit eines Umbaus der Aufsicht über Banken und andere Marktakteure und auch eine Ausweitung auf besonders risikoträchtige Finanzprodukte an. Aber einiges in dem Entwurf, insbesondere die Rolle der Notenbank Federal Reserve (Fed) als „systemischer Regulator“ mit einer Verantwortlichkeit für die Stabilität des gesamten Finanzsystems, stößt vielfach auf Unbehagen.

          Wie sieht die „Exit-Strategie“ aus?

          Jene Marktakteure, die ihren Blick auch einmal über das Tagesgeschehen hinaus richten, verfolgen die Debatte in Washington mit großer Aufmerksamkeit - zumal die Reform in Amerika, das haben Reaktionen aus anderen Hauptstädten gezeigt, durchaus Vorbildcharakter für ähnliche Bemühungen rund um den Globus haben könnte. Über den möglichen Konflikt einer Fed, die sowohl Hüterin der Finanzstabilität als auch eines preisstabilen Dollar wäre, wird in verschiedenen Anhörungen im Kongress noch einiges zu hören sein.

          Die Reformen von Obama und Geithner könnten rund um den Globus als Vorbild dienen

          Für den Augenblick haben die amerikanischen Währungshüter um ihren Vorsitzenden Ben Bernanke alle Hände voll zu tun mit der Bewältigung der Finanzkrise. Am Dienstag und Mittwoch trifft sich der Offenmarktausschuss der Fed zu seinen geldpolitischen Beratungen.

          Im Mittelpunkt des Interesses der Marktakteure steht dabei nicht so sehr der Leitzins; der Zielzins für Tagesgeld dürfte noch geraume Zeit in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent bleiben. Von weitaus größerer Bedeutung wird sein, ob der geldpolitische Rat in seiner schriftlichen Stellungnahme die Hoffnungen auf ein Ende der Rezession weiter schürt und womöglich schon ein Signal sendet, dass zumindest ein Teil der zur Stabilisierung von Finanzmärkten und Wirtschaft ausgegebenen Liquidität langsam wieder eingesammelt wird.

          Über die unausweichliche „Exit-Strategie“ - die Rückkehr zu einem normalen geldpolitischen Kurs - zerbrechen sich nicht nur die Notenbanker, sondern auch Bankvolkswirte an Wall Street und anderswo seit einigen Wochen die Köpfe.

          Hoffnungsschimmer oder nur Angst vor der Inflation?

          Das gilt nicht zuletzt mit Blick auf ein Ende der direkten Käufe langfristiger amerikanischer Staatsanleihen durch die Fed. Fest steht, dass sich die Renditen am Kapitalmarkt in den zurückliegenden Wochen erheblich erhöht haben und der Zinsunterschied zwischen den kurz- und den langfristigen Schuldverschreibungen größer geworden ist. Die maßgebliche Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wirft derzeit 3,79 Prozent ab, gut einen Prozentpunkt mehr als vor zwei Monaten.

          Allerdings gehen die Meinungen in der Ursachenforschung auseinander: Ist die Entwicklung allein den aufkeimenden Hoffnungen auf ein Ende der Krise zuzuschreiben, oder haben die Währungshüter durch die Monetarisierung der Staatsschulden Inflationsängste und die Furcht vor einer Herabstufung der amerikanischen Bonität geschürt.

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