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Insiderhandel : Ackermann ist nicht alleine

  • Aktualisiert am

Geschenk zum Valentinstag: Josef Ackermann Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Vor wenigen Tagen machte die Meldung die Runde, daß Deutsche-Bank-Manager Millionen durch den Verkauf von Aktien erlöst haben. Kein Einzelfall bei den Dax-Unternehmen, wie FAZ.NET-Recherchen zeigen. Vom Wissen um Insidergeschäfte können Anleger profitieren.

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          Josef Ackermann hat sich am Valentinstag ein schönes Geschenk gegönnt - er verkaufte 67.711 Deutsche-Bank-Aktien zum Kurs von 87,27 Euro. Daraus ergab sich ein zu versteuernder Gewinn von rund einer Million Euro. Anshu Jain, Chef des Bereichs „Global Markets“ strich im Februar netto sogar gut 14 Millionen Euro ein, Michael Cohrs, Chef des Bereichs „Global Banking“ 8,9 Millionen Euro.

          Diese Meldung - das war zu erwarten gewesen - schaffte es wieder ziemlich weit nach oben in die Schlagzeilen. Die Deutsche-Bank-Manager, so der unausgesprochene Vorwurf, kassieren heimlich Millionen, während immer mehr Arbeitsplätze verlorengehen. Sie kassieren Millionen, das stimmt. Doch heimlich tun sie das nicht.

          Auch andere Manager handeln kräftig mit Aktien

          Seit Juli 2002 müssen Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige melden, wenn sie Aktien des eigenen Unternehmens gekauft oder verkauft haben. Solche Eigengeschäfte („Directors' Dealings“) haben die Unternehmen nach Paragraph 15a Wertpapierhandelsgesetz im Internet zu publizieren.

          Erlöste 14 Millionen Euro: Anshu Jain
          Erlöste 14 Millionen Euro: Anshu Jain : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          FAZ.NET hat sich auf den Internetseiten der Dax-30-Unternehmen umgeschaut. Die Recherche zeigt: Die Manager der Deutschen Bank sind nicht die einzigen, die in beachtlichem Umfang mit Aktien ihres Arbeitgebers handeln. Und: Die Unternehmen machen es den Anlegern nicht immer ganz einfach, die gewünschten Informationen schnell zu finden.

          Mehr als eine Beschäftigung für kalte Winterabende

          Doch die Suche sollte sich lohnen, schließlich können die Aktionäre vom Wissen, wie die Insider handeln, profitieren. Denn wenn die Manager ihre Aktien, die sie meist im Rahmen von Aktienoptionsprogrammen zugeteilt bekommen, gleich wieder verkaufen, könnte die Vermutung naheliegen, daß sie dem Kurs keine großen Sprünge mehr zutrauen. Darum ist der Blick auf Insidergeschäfte mehr als eine Beschäftigung für kalte Winterabende. Gerade bei kleineren Unternehmen kann es ein wichtiges Signal sein, wenn der Chef, der oft ein großes Aktienpaket hält, die eigenen Papiere verkauft.

          Allerdings darf man nicht vergessen, daß Aktienoptionen ein Gehaltsbestandteil sind. Und man kann den Managern nicht verübeln, daß sie gerne Bargeld statt „Naturalien“ sehen. Empörung ist schon deshalb nicht angebracht, weil die Aktionäre die entsprechenden Programme vorher auf der Hauptversammlung abgesegnet haben. Auch andersherum kann der Anleger profitieren: Wer Aktien kauft, sobald die Insider eingestiegen sind, erwirtschaftet oft eine überdurchschnittliche Rendite. Das hat eine Studie gezeigt, die 2004 veröffentlicht wurde (siehe auch: Investieren wie die Insider).

          Bei Metro sucht der Aktionär vergebens

          Auf den meisten Websites ist der Punkt „Directors' Dealings“ oder „Meldepflichtige Wertpapiergeschäfte“ auf den Investor-Relations-Seiten zu finden, oft als Unterpunkt bei „Corporate Governance“. Bei manchen Internetauftritten müssen die Informationen auch unter „Konzerninformationen“ oder „Unternehmen“ gesucht werden, weil die Corporate-Governance-Themen nicht auf den IR-Seiten verlinkt sind.

          Bei Metro sucht der Aktionär übrigens vergebens. Und tatsächlich, die Rubrik gibt es nicht, wie die Metro-Pressestelle gegenüber FAZ.NET einräumt. Das habe aber einen einfachen Grund: Meldepflichtige Wertpapiergeschäfte gebe es bei Metro bisher nicht. Schade nur, daß für diese Information ein Anruf bei der Pressestelle nötig ist. Die Rubrik könne aber „jederzeit freigeschaltet werden“, wenn es nötig sein sollte.

          BASF: Kaufen statt verkaufen

          Auf der Adidas-Liste sticht Aufsichtsrat Christian Tourres hervor, der im Dezember Aktien im Wert von 6,4 Millionen Euro verkaufte, ohne daß in der Presse eine neue Neiddebatte entbrannt wäre. Bei der Allianz findet sich nur ein Verkauf: Aufsichtsrat Sultan Salam veräußerte am 25. November 102 Aktien im Wert von 12.522,54 Euro.

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