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Vermögensverwaltung : Infrastrukturanlagen: Ein Becher, aber kein Wein

Dem Hauptstadtflughafen hätte ein privater Investor vielleicht gut getan Bild: dpa

Infrastrukturanlagen fristen trotz hohem Interesse ein Schattendasein. Zu viel Anlagevolumen, zu hoher Bedarf an Rechtssicherheit sind die Hinderungsgründe für ein breites Angebot an Beteiligungsmöglichkeiten.

          Eigentlich müssten die Kapitalanlagen in Infrastruktur wie Verkehrswege sehr stark zunehmen, denn Anbieter wie Nachfrager besitzen grundsätzlich ein großes Interesse an Marktlösungen. Typische Betreiber von Infrastruktur wir Verkehrswegen und Energie- oder Datennetzen sind häufig Staaten, aber viele Staaten haben hohe Schulden. Die Privatisierung von Infrastruktur füllte die Kassen und entlastete die Staaten von der Bürde künftiger Investitionen.

          Auf der anderen Seite suchen Großanleger wie Versicherungen, Versorgungswerke, Pensionskassen und Family Offices händeringend zuverlässige langfristige Kapitalanlagen, deren Rendite über jener für Staatsanleihen aus Ländern mit einer sehr guten Bonität liegt. Zehnjährige Bundesanleihen bringen derzeit 1,59 Prozent und dreißigjährige Bundespapiere 2,47 Prozent.

          Und dennoch spielt Infrastruktur als Anlageklasse bisher nur eine unbedeutende Rolle. So wurden in den Jahren 2008 bis 2013 in der Welt von Beteiligungsunternehmen („Private Equity“) immerhin 5449 Fonds im Volumen von rund 1,4 Billionen Dollar aufgelegt. Im gleichen Zeitraum erblickten aber nur 278 Infrastrukturfonds im Volumen von 175 Milliarden Dollar das Licht der Welt. „Dem einen fehlt der Wein, dem anderen der Becher“, zitiert die Beratungsunternehmen Mackewicz & Partner den Dichter Stefan Zweig, um zu verdeutlichen, dass Anbieter und Nachfrage von Infrastruktur immer noch recht selten zusammenkommen.

          Dafür gibt es Gründe. Nur sehr große Investoren können es sich angesichts des hohen Aufwands und der damit verbundenen Kosten leisten, Anlagen in Infrastruktur selbst zu suchen, zu kalkulieren und zu verwalten. In Deutschland zählt zu diesen Investoren die Allianz, die mittlerweile mehr als 2 Milliarden Euro Fremdkapital in Infrastruktur investiert hat. Innerhalb eines Jahres kamen acht Geschäfte in sieben europäischen Ländern zustande, darunter zuletzt eine Finanzierung eines Autobahnausbaus in Belgien über 433 Millionen Euro.

          Bedarf an Rechtssicherheit hemmt Schwellenländerinvestments

          Viele Anleger können oder wollen nicht selbst Infrastrukturprojekte verwalten und bevorzugen Anlagen in spezialisierten Fonds. Die größten Fonds für Infrastruktur werden von Finanzhäusern in den Vereinigten Staaten aufgelegt; sie investieren überwiegend in Europa und Nordamerika, aber nur wenig in Schwellenländern. Denn neben der erwarteten Rendite zählt für einen sehr langfristig ausgerichteten Anleger auch die Rechtssicherheit. Eine Anlage in einer im Prinzip sehr attraktiven Eisenbahnlinie oder Pipeline bringt keinen Nutzen, wenn das Projekt von einer geldhungrigen Regierung unversehens verstaatlicht oder mit hohen Sondersteuern belegt wird.

          Deshalb werden volumenstarke Fonds, mit denen die Wasser- und Stromversorgung in Afrika oder die Modernisierung des Schienenverkehrs in Indien finanziert wird, auf absehbare Zeit eher die Regel als die Ausnahme bleiben. Die Furcht vor unabsehbar hohen fiskalischen Belastungen ist ein Grund, warum nicht wenige Großanleger auch vor Infrastrukturinvestitionen in den hochverschuldeten Ländern Südeuropa zurückschrecken.

          Insofern erscheint das Potential für Infrastrukturfonds trotz einer potentiell lebhaften Nachfrage begrenzt. „Das Volumen anlagesuchenden Kapitals dürfte das Angebot an indirekten und nicht börsengehandelten Infrastrukturfonds bald übersteigen“, heißt es in der Analyse von Mackewicz & Partner.

          Zu viel Überschneidungen bei Aktienfonds

          Eine Alternative bleiben Aktien von Infrastrukturunternehmen oder spezialisierte Fonds, die solche Aktien bündeln. Das ist ein wachsender, wenn auch bislang kleiner Markt. In den Vereinigten Staaten sind etwa drei Dutzend Fonds - aktive gemanagte ebenso wie börsengehandelte Indexfonds (ETF) - bekannt, die einen solchen Schwerpunkt setzen. Der Finanzdienstleister Morningstar beziffert die in diesen Fonds gebündelten Gelder von Anlegern auf knapp 11 Milliarden Dollar zum Jahresende 2013. Bisher darf man von einem Nischenmarkt sprechen.

          Aber auch diese Produkte stellen Großanleger vor Herausforderungen. Viele solcher Anleger in Deutschland haben traditionell aus Vorsichtsgründen niedrige Aktienquoten und können auch mit Blick auf die von Regulierern vorgeschriebene Unterdeckung mit Eigenkapital solche Anlagen nicht in erheblichem Maße ausdehnen. Außerdem befinden sich in solchen spezialisierten Fonds Aktien unter anderem großer Energieversorger, die ohnehin schon in den Beständen großer Anleger enthalten sein könnten. Das Fazit ist ernüchternd: Kapitalanlagen in Infrastruktur klingen reizvoll, sind aber für viele Anleger nicht leicht zu bewerkstelligen.

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