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Infrastruktur : Konjunkturprogramme wecken Interesse

Bild: F.A.Z.

Umfangreiche Konjunkturprogramme versprechen erhebliche Investitionen in Infrastruktur. Da bietet es sich an, auf Zertifikate zu setzen, die von Investitionen in die Verkehrs- und Energieversorgungsinfrastruktur profitieren. Einige haben dabei überdurchschnittlichen Erfolg.

          Wer kennt das nicht? Schlaglöcher in den Straßen, Brücken, die längst hätten saniert werden müssen, und marode Schulen. Nicht nur in Deutschland gilt die Infrastruktur als sanierungsbedürftig. Neben öffentlichen Gebäuden, Straßen und Brücken sehen Experten zudem im Schienennetz und in den Leitungssystemen für Strom, Gas und Wasser einen ungeheuren Investitionsbedarf in Industrieländern. 500 Milliarden Euro, so schätzt die Weltbank, dürften künftig jährlich in die Infrastruktur investiert werden. Für die Vereinigten Staaten sieht die American Society of Civil Engineers einen Investitionsbedarf von 1,6 Billionen Dollar, um die Infrastruktur des Landes auf ein „akzeptables Niveau“ zu bringen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Glauben Anleger, dass diese Investitionen tatsächlich erfolgen, so bieten sich mit Zertifikaten einige Gelegenheiten, auf Körbe von Aktiengesellschaften zu setzen, die besonders von Investitionen in die Verkehrs- und Energieversorgungsinfrastruktur profitieren. Die meisten Produkte wurden eigentlich aufgelegt, weil in Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien und Russland, aber auch in Osteuropa innerhalb des wirtschaftlichen Aufholprozesses zwangsläufig auch erhebliche Mittel in den Aufbau der Infrastruktur investiert werden dürften.

          Amerika nur auf Platz 15 in der Welt

          Das Thema hat nun aber einen neuen Schub bekommen, nachdem zahlreiche Industrieländer sich zur Abmilderung der Wirtschaftskrise umfangreicher Konjunkturprogramme bedienen wollen. Bei den Überlegungen, wie das Geld verwendet werden soll, wurde meist die Infrastruktur zuvorderst als Investitionsziel genannt. Die Geldanlage in Zertifikaten rund um das Thema Infrastruktur erzielte im vergangenen Jahr überdurchschnittliche Erfolge. Die meisten Produkte hielten sich besser als der Gesamtmarkt, verbuchten aber dennoch überwiegend Verluste. Für das neue Jahr gilt es für die Anleger abzuwägen, ob die positiven Wirkungen der Konjunkturprogramme die negativen Auswirkungen der allgemein abgeflauten Weltwirtschaft übertreffen werden und damit tatsächlich die Aktienkurse von Bauunternehmen und anderen Profiteuren von Infrastrukturinvestitionen steigen werden.

          An die Spitze der Konjunkturförderer hat sich die amerikanische Regierung gesetzt. Präsident Barack Obama hat bereits angekündigt, zwei Millionen Arbeitsplätze alleine dadurch schaffen zu wollen, dass bröckelnde Straßen, Schulen und Brücken repariert werden. Weitere fünf Millionen Arbeitsplätze erhofft sich Obama durch Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien. Binnen zehn Jahren sollen die Vereinigten Staaten so von den Ölimporten aus dem Nahen Osten unabhängig werden. Außerdem hält es Obama für inakzeptabel, dass Amerika bei der Verbreitung von Breitbandanschlüssen für schnelle Internetverbindungen nur auf Platz 15 in der Welt liegt. Den Umfang seiner Konjunkturmaßnahmen schätzen Experten auf Werte zwischen 500 Milliarden und einer Billion Dollar.

          Auf Regionen spezialisierte Infrastrukturindizes

          Eine gute Abdeckung des amerikanischen Marktes erhalten Anleger mit dem Zertifikat auf den S&P Construction & Engineering Index (Isin DE000AA1FM45) der Royal Bank of Scotland/ABN Amro. Der Index spiegelt die Wertentwicklung der Aktien von zehn der größten amerikanischen Unternehmen, die im Bereich Infrastruktur tätig sind. Die Dividenden der Gesellschaften entgehen dem Anleger. Schwergewicht im Index ist Fluor, eine der größten amerikanischen Baugesellschaften. Gut 20 Prozent Indexgewicht weist mit der Jacobs Engineering Group ein Unternehmen auf, das in zahlreichen Infrastrukturbereichen tätig ist. Auf Platz drei folgt mit Quanta Services eine Gesellschaft, die vor allem im Bereich der Energieinfrastruktur tätig ist. Das Zertifikat notiert mit aktuell knapp 100 Euro nahe seinem Ausgabepreis von Anfang Dezember. Das Papier ist nicht währungsgesichert, der Anleger kann also je nach der Entwicklung des Dollar zusätzlich zur Wertentwicklung der Aktien im Index noch Währungsgewinne erzielen oder aber muss Währungsverluste hinnehmen.

          Deutlich breiter aufgestellt ist der UBS Global Infrastructure Net Total Return Index. Unter den größten Werten im Index befinden sich die japanischen Eisenbahngesellschaften East Japan Railway, Central Japan Railway und West Japan Railway. Zweitgrößtes Gewicht hat der französische Konzern Vinci, weltgrößtes Unternehmen für Baudienstleistungen. Anleger können an der Indexentwicklung über ein Zertifikat der UBS partizipieren (Isin CH0026296969). Da es sich um einen Total Return Index handelt, kommen dem Anleger die von den Aktiengesellschaften gezahlten Dividenden zugute. Im vergangenen Jahr hat der Index rund ein Viertel verloren. Langfristig hat er sich jedoch besser geschlagen als der Weltaktienindex MSCI.

          Darüber hinaus gibt es zahlreiche auf bestimmte Regionen spezialisierte Infrastrukturindizes und jeweils einige Zertifikate darauf, zum Beispiel auf den Cece-Infrastrukturindex für Osteuropa, den Dax Global Asia Infrastructure and Transport für Asien und den Stoxx 600 Construction & Materials für Westeuropa.

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