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Indexfonds : Synthetische ETF sind nicht besser

Bild: Bengt Fosshag

Indexfonds, die anstatt alle Werte in einem Index zu kaufen, lieber über Derivate dessen Abbildung nachbilden, wurden bisher als überlegen verkauft. Eine Studie zeigt: sie bieten keinen Vorteil.

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          Synthetische Indexfonds bilden einen Aktienindex nicht besser ab als Fonds, die alle Einzeltitel des Index kaufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Finanzierung der Humboldt-Universität Berlin von Christian Meinhardt, Sigrid Müller und Stefan Schöne. Demnach gibt es keinen statistisch messbaren Unterschied in der Güte der Indexnachbildung.

          Die überwältigende Mehrzahl der ETF sind synthetisch. Voll investiert sind die wenigsten.
          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Autoren der Studie haben alle an der Frankfurter Börse gehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF), für die relevante und vergleichbare Daten vorlagen, in die Erhebung einbezogen. Insgesamt gingen 68 Aktien-Indexfonds mit voll replizierender Abbildung des Index in die Untersuchung ein und 218 synthetische Aktien-ETF, die sich die Indexabbildung durch einen Swap-Partner zusichern lassen und oft keinen einzigen der Indexwerte direkt kaufen.

          Kein Argument für Synthetiks

          “Die angeblich bessere Indexnachbildung durch synthetische ETF lässt sich empirisch nicht belegen“, sagt Sigrid Müller, Leiterin des Instituts für Finanzierung an der Humboldt-Universität. Die voll replizierende Abbildung mit dem Kauf aller Einzeltitel eines Index galt bislang als zu aufwändig und deshalb teuer, insbesondere weil der ETF-Anbieter bei jeder Änderung der Indexzusammensetzung und der Gewichtung der einzelnen Aktien im Index zahlreiche Aktienkäufe und Verkäufe vornehmen muss.

          In Deutschland bevorzugten - anders als etwa in den Vereinigten Staaten - daher die meisten Indexfondsanbieter die synthetische Abbildung. Hieran gab es jedoch immer wieder Kritik wegen der Swap-Risiken. Fällt der Swap-Partner aus, hat der Anleger zwar Zugriff auf ein Aktien-Portfolio, verliert aber den Swap-Anteil. Dieser liegt allerdings in der Regel weit unter 5 Prozent des Fondsvolumens.

          Vier bis fünf große Emittenten dominieren den Markt, allen voran die Deutsche Bank.

          Angesichts des gleichwohl höheren Risikos der synthetischen ETF durch den möglichen Ausfall von Swap-Partnern verbliebe nach dem Ergebnis der Studie kein überzeugendes Argument mehr für synthetische ETF im Aktienbereich.

          Im Bereich der Anleihe-ETF kommt die Erhebung allerdings zu dem Ergebnis, dass synthetische ETF statistisch messbar besser abschneiden. Grundsätzlich bilden jedoch offenbar beide Varianten die Indizes nicht wirklich gut ab: „Die Abweichung bei der Indexnachbildung ist jeweils groß“, sagt Müller und führt dies unter anderem auf die Managementgebühren zurück.

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