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Passive Anlagestrategien : Indexfonds sind nicht ganz so einfach

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Flatterhaft: Im Rückblick ist klar, welchen Markt man hätte kaufen sollen. Doch die richtigen Indexfonds für die Zukunft müssen nicht die alten sein. Bild: Marc-Steffen Unger

Oft wird empfohlen, mit ETFs in den gesamten Kapitalmarkt zu investieren. Denn Fondsmanager schlagen mit ihrer Wertpapierauswahl selten den Markt und kosten viel. Doch mit dieser Denkweise springen Anleger zu kurz.

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          Wir schreiben das Jahr 2014, und die meisten Renten- und Aktienindizes erreichten dieses Jahr Höchststände. Es ist kein Zufall, dass gerade in solchen Zeiten an allen Ecken des Finanzmarkts die Überlegenheit passiver Anlagestrategien postuliert wird. „Gebt den Anlegern die Marktrenditen, mehr kann Vermögensverwaltung ohnehin nicht bieten“, lautet die Botschaft. Aber Vorsicht – zum Teil dieselben Experten riefen 2009 das Ende von marktnahen Strategien aus. „Der Anleger verträgt keine Marktrisiken. Er braucht aktives Management zur Risikobegrenzung“, hieß es nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. So unterschiedlich die Aussagen damals und heute scheinen mögen, unter dem Strich wird immer dasselbe gerufen: „Lasst uns so investieren, wie es die letzten Jahre optimal gewesen wäre.“ 2009 kam man zu extrem konservativen Strategien mit laufender Verlustbegrenzung, 2014 kommt man zu einem passiven Aktien-/Rentendepot. Weder hat man dazugelernt noch die Entscheidungsfindung geändert.

          Unabhängig von aktuellen Moden und trotz der jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten spricht dennoch viel für passive Anlagestrategien, und es lohnt sich, diese genauer zu betrachten. Unter einer passiven Anlagestrategie versteht man im Allgemeinen das Investieren in den Markt, ohne aktives Eingreifen eines Managers, also ohne dass jemand aufgrund von Überlegungen oder Prognosen spezifische Anlageentscheidungen fällt. In der Regel werden solche Strategien über Indexfonds (ETF) umgesetzt und im Privatkundenbereich von Honorarberatern und Verbraucherschützern empfohlen.

          Was ist der Markt eigentlich?

          Aber, was ist der Markt eigentlich? Geht man zu 10 verschiedenen Beratern, die sich auf passives Investieren spezialisiert haben, und fragt nach einem ausgewogenem Marktportfolio, so müsste man entsprechend zehnmal den selben Anlagevorschlag bekommen. Der Markt ist der Markt, und man wollte ja gerade nicht von Managemententscheidungen abhängig sein. In der Realität bekommt man aber 10 verschiedene Anlagevorschläge, und die meisten davon sind auch noch relativ schlecht. Beispiel Aktienmarkt. Einige empfehlen einfach einen MSCI World ETF zu kaufen. Andere sagen, dass dort nur 15 Prozent in Euro investiert sind, was aufgrund des Währungsrisikos für den deutschen Anleger ungeeignet ist. Als Lösung wird die Beimischung eines Dax 30 ETF oder Euro Stoxx 50 ETF vorgeschlagen. Andere bemängeln, dass der MSCI World die Schwellenländer nicht enthält und mischen einen MSCI Emerging Markets ETF bei. Die Quoten sind dabei recht abenteuerlich. Wieder anderen Beratern fällt auf, dass der MSCI World keine kleinen Unternehmen berücksichtigt, obwohl diese in Summe einen wesentlichen Teil der weltweiten Wirtschaftsdynamik verantworten. Also muss ein MSCI World Small Cap ETF beigemischt werden.

          Man entfernt sich noch weiter von unserem Ausgangspunkt MSCI World, wenn man die Indexkonstruktion an sich kritisch hinterfragt. Der MSCI World interpretiert den Markt vereinfacht gesprochen so, dass er die teuersten Unternehmen immer am höchsten gewichtet. 1990 war damit Japan sehr hoch gewichtet, 2001 die Branche Technologie/Telekommunikation und 2007 die Branche Finanzen. Mit dieser Marktinterpretation läuft man zwangsläufig mit voller Wucht in jede Blase. Um dieses Problem zu vermeiden, bietet es sich an, auf Indexkonzepte zurückzugreifen, die nicht über Marktkapitalisierung sondern über fundamentale Kennzahlen gesteuert werden.

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