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Indexfonds beliebt wie nie : ETF-Anbieter ins Depot

Gewaltige 3000 Milliarden Dollar könnten den Indexfonds nach einer Hochrechnung von Blackrock bis zum Jahr 2020 zufließen. Bild: AP

Indexfonds (ETF) sind beliebt wie nie. Wer Aktien der ETF-Gesellschaften kauft, profitiert. Gerade in Amerika scheint der Erfolg der ETF noch längst nicht an sein Ende gekommen zu sein.

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          Kaum etwas in der Welt der Börsen ist so schwierig, wie den Markt zu schlagen. Wer daran zweifelt, muss sich nur einmal anschauen, welch beeindruckende Zahlen in der vergangenen Woche einige Fondsgesellschaften vorlegten, die es mit Hilfe des seltsamen Kürzels ETF (Exchange Traded Funds, zu Deutsch börsengehandelte Indexfonds) zu einer gewissen Berühmtheit gebracht haben. Dabei handelt es sich um Fonds, die die Wertentwicklung eines Börsenindex wie des Dax exakt nachbilden: Steigt der Dax um drei Prozent, gewinnt auch der ETF drei Prozent hinzu. Verliert der Dax drei Prozent, büßt auch der ETF drei Prozent ein. Kein hochbezahlter Fondsmanager macht sich also Gedanken um die Auswahl der richtigen Aktien, stattdessen bilden die ETF stur den Markt ab.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der vergangenen Woche nun wurde bekannt: Den ETF-Gesellschaften, von denen es auf der Welt mittlerweile einige gibt, sind 2016 ungeheuerliche 375 Milliarden Dollar an zusätzlichem Anlagegeld für ETF zugeflossen. Dies ist ein Rekordwert. Gleichzeitig verbirgt sich hinter der beeindruckenden Zahl aber auch eine Entwicklung, die manch klassischem Fondsmanager gar nicht gefallen dürfte: Niemals waren so viele Anleger auf der Welt der Überzeugung, dass es den Managern alter Schule auf Dauer nicht gelingen kann, den Markt zu schlagen. Nun kann man die Sache genauso sehen und trotzdem versuchen, dem Markt doch einmal ein Schnippchen zu schlagen. Und zwar, in dem man sich den größten Anlagetrend unserer Zeit auf intelligente Art und Weise zunutze macht.

          Das ist gar nicht so kompliziert, wie es sich anhört. Denn vom ETF-Boom profitieren selbstredend all jene Fondsgesellschaften, die mit ihren Indexfonds die höchsten Geldsummen einsammeln. Dazu zählt beispielsweise Blackrock, die größte Fondsgesellschaft der Welt, und auch State Street, eine Firma, die hierzulande weitgehend unbekannt ist, in Amerika aber mehr als 500 Milliarden Dollar in ETF verwaltet. Der Clou an der Sache ist nun: Diese Gesellschaften notieren an der Börse, Anleger können also ihre Aktien kaufen und somit direkt vom Siegeszug der ETF profitieren. Skeptiker könnten einwenden, dass ja auch das letztlich nur ein Versuch sei, den Markt zu schlagen. Doch selbst sie werden zugeben, dass es zumindest Charme hat, ausgerechnet mit Aktien von ETF-Gesellschaften eine bessere Wertentwicklung erzielen zu wollen als der Aktienmarkt als Ganzes.

          Schwierig, für neue Anbieter auf dem ETF-Markt Fuß zu fassen

          Es gibt ein paar gute Gründe dafür, dass das in diesem Fall tatsächlich gelingen könnte. Der deutsche Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, eigentlich ein Mann klassischer Prägung, setzt genau darum in seinen Portfolios auf Aktien wie von Blackrock: „Der Boom der ETF wird die nächsten Jahre andauern.“ Gewaltige 3000 Milliarden Dollar könnten den Indexfonds nach einer Hochrechnung von Blackrock bis zum Jahr 2020 zufließen - es wäre im Vergleich zu heute eine Verdopplung. Gerade in Amerika scheint der Erfolg der ETF noch längst nicht an sein Ende gekommen zu sein. Dies hat zum einen damit zu tun, dass ETF-Käufer in den Vereinigten Staaten steuerliche Vorteile erhalten, die Käufern klassischer Fonds nicht gewährt werden. Und zum anderen sind Finanzberater in Amerika seit Neuestem dazu angehalten, ihren Kunden möglichst immer die günstigsten Anlagearten zu empfehlen. Ein klarer Vorteil für ETF, die von den Anlegern deutlich geringere Gebühren verlangen als klassische Fonds.

          Gerade das macht es aber für neue Anbieter so schwierig, jetzt noch auf dem ETF-Markt Fuß zu fassen: Das Geschäft lohnt sich angesichts der niedrigen Gebühren für eine Fondsgesellschaft nur, wenn sie Anlagegelder im großen Stil einsammeln kann. Deswegen dominieren Blackrock und State Street, die beide sehr früh mit dem ETF-Verkauf begannen, heute den Markt, deswegen lohnen sich ihre Aktien. Der dritte wichtige Anbieter, die amerikanische Firma Vanguard, wäre nach diesen Kriterien eigentlich auch einen Blick wert, ist aber leider nicht börsennotiert.

          Wie immer an der Börse ist aber auch der Kauf der Aktien von ETF-Gesellschaften nicht ohne Risiko. In aller Regel leiden diese Aktien nämlich in besonderem Maße, wenn die Börse schwere Zeiten durchmacht - nach einem veritablen Börsencrash wie 2009 beispielsweise. Hinzu kommt, dass selbst Marktführer Blackrock es schwerer haben könnte, wenn sich der Wettbewerb um niedrigere Gebühren unter den größten Anbietern noch verschärft. Deutsche Anleger müssen zudem bedenken, dass die Aktien in Dollar notieren.

          Zu große Sorgen sollte man sich aber nicht machen: Am vergangenen Freitag gab Blackrock die jüngsten Geschäftszahlen bekannt. Gemessen an den Zuflüssen in ETF, war 2016 das bislang beste Jahr in der Geschichte des Unternehmens.

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