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Immobilienkrise in Amerika : Fannie Mae und Freddie Mac: Schadensbilanz

  • -Aktualisiert am

Die Aktienhändler an der Wall Street verzweifeln: Die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddy Mac hängen schwer in der Krise Bild: AFP

Die amerikanische Regierung startet möglicherweise ein Rettungsaktion für die beiden angeschlagenen Hypothekenfinanzierer. Darüberhinaus bleibt eine andere Frage. Welche Verluste haben die Marktteilnehmer bislang erlitten? Zeit für eine Bestandsaufnahme.

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          Spekulationen über eine staatliche Rettungsaktion von Fannie Mae und Freddie Mac werden immer lauter, darunter Marktgerüchte über eine spontane Rekapitalisierung der beiden staatlich geförderten Hypothekenfinanzierer durch das amerikanische Finanzministerium über das verlängerte Labor-Day-Wochenende, was das Ministerium allerdings dementierte.Mit Blick auf eine mögliche Rettung der krisengeschüttelten Institute scheint es angebracht, eine Bilanz der bisherigen Schäden zu ziehen.

          Die Verluste für Inhaber von Stammaktien der beiden Hypothekenbanken sind relativ leicht zu beziffern: Seit Jahresbeginn haben die Aktien von Fannie und Freddie knapp 85 Prozent an Wert verloren, wobei rund 100 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung vernichtet wurden. Die Verluste für Inhaber von Vorzugsaktien der beiden Institute, für die weiterhin stattliche Dividenden ausgeschüttet werden, sind dagegen schwieriger zu ermitteln.

          Beide Banken haben mehrere Serien von Vorzugsaktien mit unterschiedlichen Ausgabekursen, Emissionsvolumina und Dividendensätzen ausgegeben. So belief sich beispielsweise der Ausgabekurs der von Freddie Mac 2007 emittierten Vorzugsaktien auf 25 Dollar, während frühere Serien für 50 Dollar ausgegeben wurden. Die Anzahl der ausgegebenen Vorzugsaktien und die aktuellen Kursnotierungen dieser Aktien variieren.

          Hohe Verluste auch bei den Vorzugsaktien

          Auch bei Vorzugsaktien sind deutliche Verluste zu verzeichnen. Freddie Macs jüngste Serie von Vorzugsaktien (Ausgabedatum 29. November 2007, Ausgabekurs 25 Dollar) schloss am 27. August bei 12,87 Dollar, was einem Verlust von 2,91 Milliarden Dollar für diejenigen entspricht, die diese Anteile zum Ausgabekurs erworben haben.

          Letzten Endes hängen die von Aktionären erlittenen Verluste jedoch davon ab, wie das Finanzministerium im Falle einer Rekapitalisierung der Institute mit dem Eigenkapital der Unternehmen verfahren wird. Bei Vorzugsaktien preist der Markt das Risiko einer wie auch immer gearteten staatlichen Intervention ein, wobei einige Anteile mit nurmehr 50 Cent je Dollar gehandelt werden, während sie Ende Juni noch mit 92 Cent je Dollar bewertet wurden, berichtet Sam Caldwell, Analyst für Regionalbanken beim Investmenthaus Keefe, Bruyette & Woods.

          Vor allem Kleinanleger sind betroffen

          Von den Kursverlusten der Stammaktien beider Institute sind vor allem Kleinanleger betroffen, während Regionalbanken, Versicherungsunternehmen und andere Finanzinstitute stark unter den Wertverlusten bei Vorzugsaktien gelitten haben, und jene, deren Kapital zu wesentlichen Teilen in diesen Papieren gebunden ist, können es sich natürlich nicht leisten, dass ihre Bestände im Zuge einer staatlichen Rettungsaktion von heute auf morgen wertlos werden.

          Nach einem von Caldwell am 25. August veröffentlichten Bericht sind Vorzugsaktien von Fannie und Freddie in den Vermögensbeständen der beiden Regionalbanken Gateway Financial Holdings und Midwest Banc Holdings mit mindestens 32 Prozent vertreten, während der Anteil bei einer Reihe anderer Institute fünf Prozent oder mehr ausmacht.

          Caldwell geht zwar davon aus, dass Großbanken nur begrenzt Vorzugsaktien der beiden Hypothekenfinanzierer halten, er ermittelte jedoch 38 Banken mit Beständen von insgesamt 1,3 Milliarden Dollar, aber auch 81 weitere Kreditinstitute, die nach eigenen Angaben keinerlei Vorzugsaktien besäßen.
          Der 30. September könnte der Tag der Abrechnung von Verlusten aus Vorzugsaktien beider Kreditinstitute sein, denn an diesem Tag müssen Unternehmen die Vermögensgegenstände in ihren Bilanzen zu aktuellen Marktpreisen bewerten.

          Manche Regionalbanken reagieren schon

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