https://www.faz.net/-gv6-6vt60

Immobilienfonds : Londoner Prestigebauten stehen zum Verkauf

Bestlage: Die Zentrale der Deutschen Bank in der Londoner City Bild: Getty Images

Damit sie ihre Anleger ausbezahlen können, müssen viele Anbieter großer offener Immobilienfonds bedeutende Objekte veräußern.

          3 Min.

          Mehrere der renommiertesten Londoner Bürogebäude kommen unter den Hammer, weil sich deutsche Immobilienfonds von einigen Anlagen trennen müssen, um liquide zu bleiben. Die Immobilienagentur Knight Frank berichtet, dass beispielsweise ein gewaltiges Teilportfolio des Vermögensverwalters Kanam auf den Markt kommt. Dabei handelt es sich um Prestigebauten in der Londoner City, die zum Grundinvest-Fonds gehören.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die vier Projekte umfassen die Zentrale der Deutschen Bank im Herzen des Londoner Finanzdistrikts - ein mehrstöckiges großflächiges Bürogebäude mit gigantischen Handelssälen (Winchester House) -, die Zentrale der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die bei Gründung der Bank so spektakulär und luxuriös von dem dann gefeuerten Vorstandsvorsitzenden Jacques Attali ausgestattet wurde. Außerdem die Zentrale des Finanznachrichtendienstes Thomson Reuters im Herzen des neuen Bankenviertels Canary Wharf, an dessen Fassade die Leuchtbänder aktueller Aktienkurse entlanglaufen, und schließlich ein Bürogebäude in Holborn, im Zentrum der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches.

          Verkauf zu Beginn des kommenden Jahres

          Der Grundinvest-Fonds von Kanam wurde wie viele offene Immobilienfonds infolge der Verwerfungen durch die Finanzkrise geschlossen. Die rechtliche Zweijahresfrist, innerhalb welcher er geschlossen bleiben darf, endet am 7. Mai des kommenden Jahres. Dann muss der Fonds Anleger auszahlen, die Anteile zurückgeben wollen. Um dafür die nötige Liquidität zu haben, hat der Fonds bereits Ende August damit begonnen, Verkaufsmöglichkeiten für seine Londoner Investitionen ausfindig zu machen. Dem Vernehmen nach bewegt sich der Wert der vier Projekte zwischen 1 und 1,2 Milliarden Euro.

          Ein Sprecher äußerte sich zuversichtlich, dass der Verkauf zu Beginn des kommenden Jahres klappt. Und auch, dass ein ordentlicher Erlös erzielt wird. „Wir wollen auf keinen Fall unter Preis verkaufen.“ Dass gerade die Londoner Objekte verkauft werden sollen, hängt dem Vernehmen nach mit ihrer Größe zusammen, die in einem schrumpfenden Fonds noch zunehmen würde. Zudem gebe es für diese Immobilien im aktuellen Umfeld noch eine gute Nachfrage unter Investoren auf der ganzen Welt. Der über 52 Immobilien verfügende Kanam Grundinvest ist aber nicht der einzige offene Immobilienfonds mit Problemen.

          DWS will Dachfonds auflösen

          Der zum Vermögensverwalter SEB Asset Management gehörende SEB Immoinvest wolle sich von 14 Gebäuden in Belgien, Frankreich, Italien und den Niederlanden trennen. Außerdem plane er, seine Fünfzig-Prozent-Beteiligung am Potsdamer Platz in Berlin abzustoßen. Dort ist unter anderem das Grand Hyatt Berlin Hotel beherbergt. Der zur Credit Suisse gehörende CS Euroreal, der wie der SEB Immoinvest rund 6 Milliarden Euro schwer ist, bleibt ebenfalls weiter geschlossen. Zuletzt wurde damit gerechnet, dass er bereits zu Beginn dieser Woche wieder geöffnet werden könnte. Am Montag kam dann die Nachricht, dass das nicht der Fall ist.

          Zudem gab die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft DWS am Montagabend bekannt, ihren Dachfonds DB Immoflex auflösen zu wollen. Die Fondsgesellschaft wolle ihren Kunden unter Einhaltung einer Frist von sechs Monaten zum 16. November des kommenden Jahres kündigen. Bis Mai 2014 soll der Dachfonds dann aufgelöst sein. Die während des Prozesses jeweils verfügbaren freien Mittel sollen bis zu zweimal pro Jahr an die Anleger ausgeschüttet werden. Der DB Immoflex ist an insgesamt neun offenen Immobilienfonds beteiligt, die allesamt geschlossen sind; fünf werden bereits abgewickelt. Jeweils etwas mehr als 13 Prozent des Fondsvermögens machen Beteiligungen am SEB Immoinvest und am CS Euroreal aus.

          Generell ereignen sich die notwendig gewordenen Verkäufe der offenen Immobilienfonds gerade in einem ungünstigen Umfeld. Zwar kommen eher wenige neue Büroflächen auf den Markt, weil die Banken wegen der Finanzkrise ihre Kapitalbasis stärken müssen und darum ihre Ausleihungen drosseln. Schon im vergangenen Jahr waren es weitgehend deutsche Hypothekenbanken, die als Geldgeber für neue Immobilienprojekte und Immobilienkäufe übrig waren, weil sie mit Immobilien besicherte Pfandbriefe am Markt begeben können - ein Markt, der sich relativ schnell belebte. Aber auch die Immobiliennachfrage ist krisenbedingt flau. Freilich sind zumal die von Kanam jetzt angebotenen Objekte langjährig vermietet.

          Auf dem Londoner Immobilienmarkt waren deutsche Fonds jahrelang die mit Abstand größten Käufer. Im Jahr 2009, also selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, sammelten sie in der City das dritte Jahr in Folge so viele Bürogebäude ein wie niemand sonst. Adressen wie die Deka und IVG gehörten über Jahre zu den bedeutendsten Käufern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

          Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.