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Anlagen : Indexfonds werden populärer

Börse in Frankfurt Bild: dpa

Immer mehr Privatanleger nutzen Indexfonds verstärkt für ihre Altersvorsorge. Doch was genau sind Indexfonds und wieso wird eine weitere Ausweitung des Marktes erwartet?

          Immer mehr Anleger sparen regelmäßig über Sparpläne in Indexfonds (ETFs). „Jeden Monat fließen etwa 30 Millionen Euro allein durch Sparpläne in ETFs“, sagt David Wenicker, Leiter des deutschen Privatkundengeschäfts von iShares, des weltgrößten Indexfondsanbieters. Die Zahl der Sparpläne hat sich seit Ende 2014 von 130.000 bis heute etwa verdoppelt. „Wir sehen einen Wendepunkt im ETF-Markt. Das Wachstum wird jetzt verstärkt von den Privatanlegern getrieben“, sagt Wenicker. Bislang ist der europäische ETF-Markt stark von institutionellen Anlegern wie Versicherern oder Pensionsfonds dominiert. Sie machen etwa 90 Prozent des auf etwa 476 Milliarden Euro gewachsenen europäischen Marktes aus. In Amerika wiederum, dem mit einem Volumen von 2 Billionen Euro führenden Markt für Indexfonds auf der Welt, machen die Privatanleger mittlerweile 60 Prozent des Marktes aus.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Indexfonds sind Fonds, bei denen kein Fondsmanager über die Auswahl von Wertpapieren entscheidet, sondern in denen stur ein Index nachgebildet wird. Sie sind wesentlich günstiger als die klassischen gemanagten Aktienfonds, ihre Zusammensetzung ist transparenter, und sie werden reger gehandelt. Doch bislang leben sie in Deutschland von Selbstentscheidern, also Anlegern, die von sich aus aktiv Anlageentscheidungen treffen und umsetzen. Dieser Markt wächst, auch weil die Illusion einer vor allem kundenorientierten Anlageberatung in den Filialen spätestens seit der Finanzkrise bei immer weniger Kunden besteht.

          „Wir fragen den Kunden nicht, ob wir etwas austauschen dürfen.“

          Direktbanken, die fast ausschließlich von Selbstentscheidern genutzt werden, sind daher ein häufiger Absatzkanal für Indexfonds. „Wir wachsen im Fondsgeschäft fast ausschließlich bei ETFs“, sagt Martin Krebs, bei der ING Diba zuständig für Investmentlösungen für Privatkunden. 2,5 Milliarden Euro haben die ING-Diba-Kunden derzeit in Indexfonds angelegt, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil im Fondsgeschäft erhöhte sich von 24 auf 29 Prozent. Bei den Sparplänen beträgt der ETF-Anteil mittlerweile schon 30 Prozent. 49.000 Sparpläne gibt es auf ETFs, 116.000 auf klassische Fonds. „Ein klassischer Aktienfonds kostet rund 1,5 Prozent jährliche Gebühr, ein ETF oft nur 0,1 Prozent. Diesen Unterschied muss ein aktiver Fondsmanager erst einmal mehr erwirtschaften“, sagt Krebs.

          Das Wachstum der ETF-Branche im Privatanlegerbereich wird aber nicht nur bei den Direktbanken erwartet. „Die Großbanken öffnen sich den Produkten“, sagt Wenicker von der Blackrock-Tochtergesellschaft iShares. Vereinzelt sind mittlerweile ETF-Sparpläne möglich oder können ETFs gekauft werden. Aktiv angeboten werden sie in der Anlageberatung aber weiterhin nicht. Die günstigen Produkte sind im Geschäftsmodell der Filialbanken nicht darstellbar. Sie leben von den Provisionen aus der jährlichen Fondsgebühr und den anfänglichen Ausgabeaufschlägen von nicht selten 5 Prozent. Bei Indexfonds gibt es keine Ausgabeaufschläge und von der geringen jährlichen Gebühr erhält der Bankvertrieb nichts. „Wir setzen auch auf den Druck von unten“, sagt Wenicker. „Je mehr Kunden ETFs aktiv nachfragen, desto mehr werden sich auch die Banken für die Produkte öffnen.“ Auch die Regulierung könnte für die ETFs ein Türöffner werden. Die in Planung befindliche Finanzmarktrichtlinie Mifid II dürfte mehr Verpflichtungen zu offensiven und sichtbaren Angaben von Kosten von Finanzprodukten vorschreiben. Auch eine Einschränkung des in Deutschland üblichen Provisionsmodells ist noch nicht vom Tisch. Die Erfahrungen aus den Niederlanden und Großbritannien, aber auch aus den Vereinigten Staaten zeigen, dass davon günstige Qualitätsprodukte wie ETFs erheblich profitieren.

          Auch die zunehmende Digitalisierung in der Bankenbranche, getrieben von jungen Unternehmen, befördert die Verbreitung von ETFs. So bietet das Unternehmen Scalable eine Vermögensverwaltung mit ETFs an. „Der Kunde muss nur angeben, wie viel er anlegen will und zu welchen Risiken, den Rest machen wir“, sagt Erik Podzuweit, Gründer und Vorstand von Scalable. „Selbstentscheider wollen sich mit den Details ihrer Geldanlage befassen, die meisten anderen wollen das aber nicht.“ Scalable stellt für Kunden ein Portfolio aus 15 ETFs auf große, etablierte Indizes zusammen und mischt sie je nach Risikoneigung und Markteinschätzung. Es finden wöchentliche Anpassungen statt. „Wir fragen den Kunden nicht, ob wir etwas austauschen dürfen. Mit konkreten Wertpapierkennnummern will er gar nichts zu tun haben“, sagt Podzuweit. Knapp ein Prozent kostet die Vermögensverwaltung inklusive Fondsgebühren im Jahr. Wie erfolgreich das Modell ist, wird sich erst gegen Ende des Jahres zeigen, wenn das Angebot ein Jahr am Markt ist.

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