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Im Interview: Nouriel Roubini : „Die Kreditkrise ist noch lange nicht vorbei“

  • Aktualisiert am
Nouriel Roubini, New York University
          6 Min.

          Mit deutlichen Kursgewinnen haben am Donnerstag an der Wall Street die Aktien des „Immobilienkomplexes“ auf einen Plan der amerikanischen Regierung reagiert, die Folgen der Krise zumindest für die Kreditnehmer zu mildern.

          Allerdings sollte man diese Entwicklung nicht überbewerten, so Professor Nouriel Roubini, Professor of Economics an der Stern School at New York University und Chairman von Roubini Global Economics (siehe auch: Nouriel Roubini). Er prognostizierte eine rezessive Entwicklung mit deflationären Folgen in den kommenden Monaten.

          Die Wall Street boomt seit ein paar Tagen. Würden Sie jetzt Aktien kaufen?

          Nein, denn ich denke, dass die amerikanische Wirtschaft in den kommenden Monaten in eine Rezession geraten wird. In diesem Umfeld werden die Unternehmensgewinne zurückgehen, da die Preise fallen und die Margen unter Druck geraten. Folglich dürfte es an den Börsen zu Kursverlusten kommen. Gegenwärtig lassen sich die Marktteilnehmer jedoch kurzfristig noch von Zinserwartungen inspirieren.

          Steht denn eine Rezession an? Die hereinkommenden Daten werden von den Märkten doch in der Tendenz positiv interpretiert!

          Positiv? Welche?

          Der ADP Employment Change zum Beispiel, der mit einem Plus von 189.000 Stellen im November erstaunlich stark ausgefallen zu sein scheint.

          Arbeitsmarktdaten sind nachlaufende Indikatoren, warten wir die Revision dieses Datums erst einmal ab. Fakt ist, dass die kritische Interpretation der jüngsten Makrodaten - schwaches Konsumentenvertrauen, Hausverkäufe, Beige Book, der Rückgang beim Auftragseingang für dauerhafte Konsumgüter, Produktionsberichte der regionalen Zentralbankfilialen, die Arbeitslosenzahlen, fallende Hauspreise, zunehmende Kreditausfälle und die sich vertiefende Rezession im Häusermarkt - darauf hindeuten, dass das Wachstum im vierten Quartal des laufenden Jahres nahe bei Null liegen wird, nach einem Wachstum von revidierten 4,9 Prozent im dritten Quartal.

          Wird die amerikanische Zentralbank (Fed) deswegen die Leitzinsen weiter senken?

          Ja. Denn Personen wie der Fed-Gouverneur Donald Kohn haben deutlich signalisiert, dass sie angesichts der anhaltenden Liquiditäts- und Kreditkrise die Zinsen im Dezember, Januar und wenn nötig noch zu weiteren Zeitpunkten senken wird. Das wird allerdings nicht viel bringen, da eine Rezession ohnehin so gut wie unvermeidlich ist.

          Sind Zinssenkungen moralisch überhaupt vertretbar? Immerhin lassen sie doch die Vermutung aufkommen, die amerikanische Zentralbank eile Spekulanten und Banken in voreilendem Gehorsam zu Hilfe, nachdem die das Kreditspiel in blindem Vertrauen auf ihre fehlerhaften Risiko- und Bewertungsmodelle exzessiv ausreizten, bis die Musik schließlich doch stoppte?

          Man kann es einen Bernanke-Put nennen, sofern man daran glaubt, dass die amerikanische Zentralbank mit Zinssenkungen eine finanzielle Kernschmelze vermeiden will. Man kann es auch als moralisches Vabanque-Spiel bezeichnen, wenn man unterstellt, die Fed wolle Anlegern aus der Patsche helfen, obwohl sie auf diese Weise das Entstehen weiterer Vermögenspreisblasen riskiert. Ich jedoch denke, die Fed hat vor allem die konjunkturelle Entwicklung im Blick. Allerdings wird sie eine harte Landung nicht vermeiden können, mit den bekannten Folgen für die Wall Street.

          Wird sich die Weltwirtschaft davon abkoppeln können?

          Die so genannten „Abkoppelungstheorien“ setzen voraus, dass die amerikanische Konjunktur sanft landen wird. Allerdings behauptet kaum jemand, andere Wirtschaftsräume könnten sich robust entwickeln, falls es in den Vereinigten Staaten zu einer Rezession kommt. Aufgrund der Handelsverflechtungen, der Verflechtung der Finanzmärkte über Wechselkurse und nicht zuletzt auch aufgrund der Stimmungen wird eine Rezession in Amerika dazu führen, dass sich das globale Wachstum deutlich abschwächen wird.

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