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Im Gespräch: William Poole : „Amerikanische Staatsanleihen sind überbewertet“

  • Aktualisiert am

Bill Poole, ehemaliger CEO der St. Louis Fed Bild: Privat

Auf der Suche nach Sicherheit trieben Anleger in den vergangenen Wochen die Kurse von Staatsanleihen stark nach oben. Das kann böse enden, erklärt William Poole, ehemaliger Präsident der Notenbank Federal Reserve of St. Louis.

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          Auf der Suche nach Sicherheit trieben die Anleger in den vergangenen Wochen die Kurse von Staatsanleihen stark nach oben. Das kann jedoch böse enden, erklärt William Poole. Er ist der ehemalige Präsident der Notenbank Federal Reserve of St. Louis und arbeitet nun unter anderem als Berater für Merk Investments in Kalifornien.

          Die Renditen seien zu stark gefallen. Früher oder später werde es zu einem Kursrückschlag kommen, erläutert er weiter. Die amerikanische Zentralbank arbeite mit der geldpolitischen Brechstange. Aufgrund einer üppigen Geldversorgung sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Wirtschaft ihren Boden gefunden habe. Die Börse habe im November wahrscheinlich ihr Tief gesehen, dagegen könne der Dollar weiter abwerten, denkt er.

          Die amerikanische Zentralbank senkt aggressiv die Zinsen und kündigt weitere „geldpolitische Lockerungsübungen“ an. Sind solche Maßnahmen gerechtfertigt?

          Ich denke schon. Aber lassen Sie mich die Entwicklung kommentieren. Es war abzusehen, dass sich die amerikanische Zentralbank FED auf das Null-Zinsniveau zu bewegen würde. Das einzige überraschende Element war ihre Geschwindigkeit. Künftig dürfte sie die Märkte damit kaum noch beeindrucken können.

          Welche Möglichkeiten bleiben ihr nun noch, die Geldpolitik zu beeinflussen?

          Sie hat noch drei oder eventuell vier Parameter, die sie verändern kann. Erstens kann sie den Märkte mitteilen, sie werde den Leitzins für längere Zeit auf dem tiefen Niveau halten. Das hat sie getan.

          Die zweite, bisher nicht gewählte Variante wäre die so genannte „quantitative Lockerung“, indem sie spezifische Ziele für die Bankreserven, die Dimension der Zentralbankbilanz oder das Geldmengenwachstum definiert hätte. In dieser Beziehung blieb die FED jedoch vage.

          Die dritte Variante wäre der Versuch, die Renditen länger laufender Staatsanleihen auf ein gewisses Niveau zu bringen. Da die FED vage Andeutungen darüber machte, scheint zumindest der Markt davon auszugehen, dass dem so sein wird.

          Tatsächlich sind die Renditen in den vergangenen Tagen deutlich gefallen!

          Ja, aber ich denke, das wird böse enden. Die Rendite für Treasuries mit einer Laufzeit von zehn Jahren ist aufgrund der Äußerungen der FED zuletzt auf 2,07 Prozent gefallen. Damit liegt sie jedoch weit unter jenem Zinsniveau, welches langfristig tragbar ist. Letztlich wird das langfristig nachhaltige Zinsniveau durch den Ertrag von physischem Kapital bestimmt. Geht man von einer durchschnittlichen Inflationsrate von eineinhalb Prozent in den kommenden Jahren aus - was in meinen Augen eher optimistisch ist, so müsste die Nominalrendite zehnjähriger Treasuries zwischen vier und fünf Prozent liegen. Anleger, die solche Papiere auf dem aktuellen Niveau kaufen, dürften unglücklich werden können, da sie mit substanziellen Kursverlusten rechnen müssen.

          Bleibt die vierte Variante, geldpolitisch aktiv zu werden.

          Als vierte Möglichkeit könnte die amerikanische Zentralbank versuchen, die Renditeabstände zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen zu beeinflussen, indem sie die Papiere privater Emittenten erwirbt. So mächtig die FED auch sein mag - ich bezweifle, ob sie damit langfristig Erfolg haben würde. Denn dieser Markt ist selbst für die Bilanz der Zentralbank zu groß, um in ihn entscheidend beeinflussen zu können.

          Was tut die amerikanische Zentralbank tatsächlich?

          Die FED dehnt die dem Finanzsystem zur Verfügung stehenden Reserven aus, indem sie Vermögenswerte im Markt kauft. Seit Mitte September schafft sie auf diese Weise frisches Geld - und das lässt ihre Bilanz explodieren. Die Reserven haben seit September von 100 auf etwa 700 Milliarden Dollar zugenommen.

          Was bedeutet das?

          Es ist genau diese Explosion der aggregierten Reserven, die nach meiner Ansicht einen massiven monetären Impuls mit sich bringt - und nicht die Intervention in einzelnen Märkten oder die Nutzung der viel zitierten Instrumente. Tatsächlich zeigen sich die Effekte bei monetären Kenngrößen wie MZM (Money of Zero Maturity) und M2 schon.

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