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Im Gespräch: William Black : „Geithner hat als Regulierer versagt“

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William Black, Wirtschafts- und Juraprofessor - ehemaliger Regulator Bild: Privat

Über Regulierung wird viel geredet aber wenig getan, erklärt Bill Black, Professor und ehemaliger Regulierer. Die großen amerikanischen Finanzunternehmen seien „tickende Zeitbomben“, die geradezu zu riskantem Verhalten ermuntert würden.

          Die Börsianer sind optimistisch und kaufen in der Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung die Aktien nach oben. Das habe jedoch wenig mit der Realwirtschaft zu tun, erklärt Bill Black, Wirtschafts- und Juraprofessor und ehemaliger Regulierer.

          Er hält die großen amerikanischen Finanzunternehmen für „Zombiebanken“ und „tickende Zeitbomben“, die nicht nur nicht richtig reguliert, sondern geradezu zu riskantem Verhalten ermuntert würden.

          Wenn man regulatorisch vorankommen wolle, müsse man den Basel-Prozess ändern, der in jetziger Form nicht nur ineffektiv sondern sogar destruktiv sei. Um zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen, müsste man die theokratischen Ökonomen ersetzen, die bisher das Sagen hätten.

          Es wird viel über zarte Pflänzchen und das Ende der Rezession geredet. Die Aktienkurse steigen stark, allen voran die der Finanzwerte. Glauben Sie daran?

          Die Kursentwicklung an den Börsen hat wenig mit der realen Wirtschaft zu tun. Diese ist schwach, wohin man auch schaut. In Spanien etwa ist die Arbeitslosigkeit unglaublich hoch und in den Vereinigten Staaten wird sie noch weitere vier, fünf Monate zunehmen. Ich fürchte, wir werden dem „japanischen Szenario“ von Rezession zu Rezession folgen, da wir die fundamentalen Probleme im Form der Zombie-Banken nicht angehen. Die großen amerikanischen Banken sind so gut wie tot.

          Was meinen Sie mit „japanischem Szenario“?

          In Japan, der zweitgrößten Wirtschaftsnation weltweit, platzte im Jahr 1990 eine Doppelblase am Aktien- und am Immobilienmarkt. Der Nikkei liegt heute noch bei rund 25 Prozent des Spitzenwertes, den er vor 20 Jahren einmal erreicht hatte. Stellen Sie sich vor, der Dow Jones verlöre drei Viertel seines Wertes und bliebe 20 Jahre auf diesem Niveau. Das wäre schrecklich. Aber es ist möglich. In Japan versteckten sie die Verluste der Banken und machten lauter optimistische Statements - kommt Ihnen das nicht bekannt vor?

          Viele erklären, die heutige Lage sei mit damals nicht vergleichbar, da es frühe, massive fiskalische und monetäre Stimuli gegeben habe.

          Die Stimuli sind gut, mehr davon wären noch besser. Es gab sie aber auch in Japan, ebenso wie die Nullzinspolitik. Das ist ein Instrument, das den großen Banken zwar zu garantierten Einkommen verhilft, aber es bringt der breiten Wirtschaft nichts. Aus diesem Grund bin ich nicht optimistisch in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung.

          Einige Banken zahlten die Hilfsg elder zurück, selbst die Citigroup scheint darüber nachzudenken. Sind sie so schnell wieder so stark geworden?

          Überhaupt nicht. Die Citigroup gehört mit Sicherheit in die Kategorie „Zombie-Bank“. Allerdings änderten wir die Buchungsnormen. So sind die Banken nicht mehr gezwungen, ihre Verluste anzugeben. Sie sehen nun zwar optisch profitabel aus und sie können die Staatsgelder zurückgeben. Ihre fundamentale Lage jedoch bleibt schwach.

          Anleger können den Zahlen also nicht trauen?

          Nein, mit Sicherheit nicht. Sobald die Anleger feststellen, dass die Zahlen gefälscht sind, werden sie das Vertrauen erneut verlieren. Dann werden sie höhere Risikoprämien verlangen, die Kurse werden nach unten gehen.

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