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Im Gespräch: Tim Haaf, Pimco : "10 Prozent mit Brasilien"

  • Aktualisiert am

Bild: Pimco

Fondsmanager Tim Haaf ist Spezialist für Anleihen aus Schwellenländern bei Anlagegesellschaft Pimco. Er setzt auf Südamerika und Russland. Die Zinsen sind höher als in Asien.

          2 Min.

          Herr Haaf, welche Schwellenländer finden Sie derzeit für Anleihekäufe interessant?

          Wir mögen Länder wie Brasilien, Mexiko und Russland, obwohl sie teilweise weniger Rendite bieten als Anleihen aus den Euro-Peripheriestaaten.

          Warum sind die drei attraktiv?

          Aufgrund der guten Wirtschaftsdaten. Das heißt: hohes Wirtschaftswachstum, solide Staatsfinanzen und großer Binnenmarkt. Und bei Anleihen in lokaler Währung bietet Brasilien noch ein Extra: eines der höchsten Realzinsniveaus auf der Welt. Eine zehnjährige Anleihe in der Landeswährung Real wirft 10,5 Prozent Nominalrendite ab bei einer Inflation von derzeit 7,3 Prozent.

          Wie kommt das?

          Die Zentralbank ist sehr konservativ. Sie hat ein strenges Inflationsziel und hält daher die Zinsen hoch. Vielleicht sogar höher als nötig, um sich Glaubwürdigkeit im Ausland zu erarbeiten. Daher gibt es in Brasilien Zinssenkungsphantasie, was positiv für Anleihen ist. Allerdings hat die Landeswährung Real nicht mehr so große Aufwertungschancen.

          Am Aktienmarkt ist Asien immer der Favorit. Bei Ihnen nicht. Warum?

          Zum einen kann man als Ausländer in den lokalen Anleihemärkten Chinas und Indiens nur schwer investieren. Zum anderen sind die Renditen in anderen Teilen Asiens, etwa in Malaysia oder Thailand, deutlich niedriger als in Lateinamerika. Und Länder wie Südkorea sind schon fast keine Schwellenländer mehr. Attraktiv sind diese Staaten bei Anleihen in lokaler Währung noch, wenn die Währungen aufwerten können.

          Und Osteuropa spielt außer Russland gar keine Rolle?

          Wir sehen die enge wirtschaftliche Verflechtung zu Westeuropa als Nachteil. Wenn die Konjunktur dort einbricht, leidet auch Osteuropa. Allenfalls Polen könnte noch über die Aufwertung des Zloty interessant sein. Die Haushaltslage ist aber schlechter als in Asien. Die eigentliche Erfolgsgeschichte der Region könnte die Türkei sein.

          Warum?

          Sie hat einen großen Binnenmarkt, und ist weniger anfällig für die Entwicklung im Ausland. Die Bevölkerung ist jung, die Industriebasis gut.

          Und was ist das Problem?

          Das hohe Leistungsbilanzdefizit und die Zentralbank. Sie hat sich noch keine hohe Glaubwürdigkeit erarbeitet. Sie gibt keine klaren Signale, ob sie die Zinsen mittelfristig senken oder erhöhen will. Das mögen Anleihekäufer gar nicht.

          Welche Länder haben denn die größten Sprünge in den vergangenen Jahren gemacht?

          Sehr gut entwickelt haben sich Peru und Kolumbien, auch die Philippinen. Sie sind berechenbarer und stabiler geworden und haben ihre Finanzen verbessert.

          Welche Branchen bevorzugen Sie bei Unternehmensanleihen?

          Der Sektor befindet sich noch in der Entwicklung. Meist gibt es Anleihen von Banken und Öl- und Gasfirmen. Oft sind sie staatsnah und daher sicherer. Nehmen Sie nur Gasprom in Russland. Die Energieunternehmen sind mir derzeit lieber als die Banken. Solange der Ölpreis nicht deutlich fällt, sind sie in sehr guter Form. Die Banken sind international vernetzt. Sie könnten eher von der weltweiten Schuldenkrise betroffen werden. Anleihen kaufe ich von ihnen nur dann, wenn das Land ein hohes Wachstum hat. Dann sind auch Banken besser geschützt.

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