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Im Gespräch: Thomas Peterffy, CEO Interactive Brokers : „Weitere Kursturbulenzen sind wahrscheinlich“

  • Aktualisiert am

Thomas Peterffy, CEO Interactive Brokers Bild: Privat

Der Flash-Crash im Mai sorgte für Schlagzeilen. Die Wiederholung aber sei möglich, erklärt Thomas Peterffy von Interactive Brokers. Die Finanzmärkte seien fragmentiert und illiquide, die kurzsichtige Gier der Makler ruiniere den Handel.

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          Der so genannte Flash-Crash an der amerikanischen Börse im Mai sorgte für Schlagzeilen. Eine Wiederholung ist jedoch möglich, erklärt Thomas Peterffy, Vorstandssprecher von Interactive Brokers. Die Finanzmärkte seien zu fragmentiert und die öffentlichen Börsen zu illiquide geworden, um mit plötzlichen Auftragswellen fertig zu werden.

          Die kurzsichtige Gier der Makler ruiniere den Handel. Wertpapierepreise spiegelten nicht das wahre Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wider. Die Anleger würden verdeckt zur Kasse gebeten, erklärt er weiter.

          Ist es möglich, dass ein einzelner Börsenauftrag den Kursabsturz der amerikanischen Börse im Mai ausgelöst hat?

          Das behaupten zumindest die amerikanische Börsenaufsichtsbehörden SEC und CFTC. Unglücklicherweise jedoch war er nicht die eigentliche Ursache.

          Was meinen sie damit?

          Der eigentliche Coup war nicht die Tatsache, dass der Markt um bis zu neun Prozent fiel und sich danach schnell erholte. Das Kernproblem war, dass die Kurse einzelner Aktien und börsengehandelter Fonds zwischenzeitlich um 60, 80, 90 oder gar fast 100 Prozent auf bis zu einen Cent fielen.

          Wie sind so extreme Preisbewegungen und so tiefe Kurse möglich?

          Die Aufträge kamen von Privatkunden, die normalerweise von großen Banken entgegengenommen und mit Gewinn mit dem eigenen Handelsbuch verrechnet werden (Internalisierung). Diese Internalisierer jedoch wurden mit Verkaufsaufträgen dermaßen überflutet, dass sie diese schließlich an die Börse weiterleiteten.

          Wie würden Sie einen Markt beschreiben, in dem so etwas möglich ist - kann man ihm als Anleger trauen?

          Viele Börsenaufträge gehen an Internalisierer, da die für die Vermittlung zahlen. Sie machen Gewinne, indem sie die Gegenseite zu diesen Aufträgen einnehmen und dabei eine Marge herausnehmen. Sie argumentieren, sie böten ihren Kunden dieselben Kurse, zu welchen sie die Wertpapiere auch an den offiziellen Börsen handeln könnten. Das aber ist falsch.

          Wie können Sie das wissen?

          Wir von Interactive Brokers haben die Kurse, mit welchen die Aufträge unserer Kunden, die wir an die Börsen leiten, ausgeführt werden mit jenen vergleichen lassen, die von der Industrie gemeldet werden. Eine unabhängige Beratungsfirma hat dabei herausgefunden, dass die von uns abgerechneten Kurse in den Vereinigten Staaten 28 Cents und in Europa sogar erstaunliche 2,8 Euro besser waren, als der jeweils abgerechnete Durchschnittskurs. Das heißt, Kunden können an der Börse einen besseren Preis erhalten als wenn ihre Aufträge innerhalb der Kundschaft eines großen Finanzunternehmens gegeneinander gestellt werden.

          Wie ist das möglich?

          In Europa senden die kleineren Banken die Wertpapieraufträge ihrer Kunden an die großen Banken. Diese sammeln sie und deklarieren sie schließlich um zu größeren Blockgeschäften. Und gemäß der Regeln europäischer Börsen können Sie diese irgendwo zwischen Tageshoch und -tief abrechnen.

          Das klingt seltsam ...

          .. das ist es. Aber es ist legal und zum Nachteil der Kunden.

          Wieso gehen die nicht auf die Barrikaden?

          Wahrscheinlich weil die absoluten Beträge relativ klein sind.

          .. aber nicht für institutionelle Anleger, die viel und mit großen Summen handeln..

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