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Im Gespräch: Sean Corrigan : „Der G-20-Gipfel wird nichts bringen“

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Sean Corrigan, CIO von Diapason Commodities Bild:

Die Führer der 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte haben sich in London versammelt, um „globale Lösungen für globale Probleme“ zu finden. Kann daraus mehr werden als eine symbolische Geste? Sean Corrigan, Chefstratege von Diapason Commodities, ist skeptisch.

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          Die Führer der 20 führenden Wirtschaftsmächte haben sich in London versammelt, um „globale Lösungen für globale Probleme“ zu finden, wie es heißt. Kann daraus mehr werden als eine symbolische Geste?

          Sean Corrigan, Chefstratege von Diapason Commodities, ist skeptisch. Kann wirklich jemand erwarten, dass mehr als eine wachsweich formulierte Verlautbarung herauskommen kann, auf deren Basis die Akteure heimkehren und tun können, was sie sowieso zu tun beabsichtigten, fragt er provozierend?

          Es könne nicht sinnvoll sein, ein zerbrochenes System wiederbeleben zu wollen, erklärt er weiter. Die Diskussionen über Regulierung und Steueroasen seien im Kern Ablenkungsmanöver. Es gehe nur darum, Sündenböcke für eigenes Versagen zu finden. Zu viele Staaten hätten sich zudem vom Idealbild als Diener seiner Einwohner entfernt. Längst sei das Gegenteil der Fall: Die Arbeitsnehmer seien zum Lehnsgut des Großen Kollektivs verkommen.

          Die Finanz- und Rohstoffmärkte scheinen einen Boden auszubilden. Was machen Sie daraus, würden Sie jetzt kaufen?

          In den letzten Monaten des Jahres 2008 haben sich die Rohstoffpreise im Verhältnis zum Welthandelsvolumen stärker unterentwickelt, als sie im Rahmen der extremen Preissteigerungen bis zum Juli des vergangenen Jahres nach oben „übergeschossen“ waren. Seitdem haben sie sich im Kern seitwärts entwickelt. Die erste große Preisbewegung wird jedoch dann kommen, wenn die Stimmung umschlägt in Sorgen über die mittelfristigen Konsequenzen der enormen monetären und fiskalischen Überreizung für den realen Wert des Geldes.

          Es klar, dass jeder nach guten Gründen sucht, die für Aktien sprechen. Zum Beispiel Bedenken, die offizielle Wirtschafts- und Finanzpolitik könnte den Wert von festverzinslichen Wertpapieren belasten. Ähnlich wie bei Rohstoffen lässt sich der Kauf im Moment jedoch nur mit der Vorwegnahme von klaren Signalen erklären, die auf eine Verbesserung der realwirtschaftlichen Aktivitäten hinweisen könnten.

          Die Führer der 20 führenden Wirtschaftsmächte haben sich in London versammelt, um „globale Lösungen für globale Probleme“ zu finden, wie es heißt. Kann daraus mehr werden als ein symbolische Geste?

          Es ist schwer, nicht zynisch zu werden. Denn die ganze Übung dürfte vor allem aufgrund einfacher, innenpolitischer Gründe durchgeführt werden. Das gilt speziell für den übereifrigen Herrn Brown. Kann wirklich jemand erwarten, dass mehr als eine wachsweich formulierte Verlautbarung herauskommen kann, auf deren Basis die Akteure heimkehren und tun können, was sie sowieso zu tun beabsichtigten?

          Kann es sinnvoll sein, ein zerbrochenes System wiederbeleben zu wollen, das im Kern das Resultat leicht verfügbaren Geldes, Gier, Verschuldung, Preisblasen, Überkonsums, asymmetrischer Anreizsysteme, manipulierter Wechselkurse, fehlgeleiteter Regulatoren und verschlafener Politiker war?

          Nicht wirklich. Niemand will der schrecklichen Wahrheit ins Auge sehen, dass sowohl unsere monetären Systeme als auch ihre Interaktionen mit den populistischen Staatsgebilden die Ursachen für unsere gegenwärtigen Leiden sind. Es ist kaum möglich, redliche Geschäfte zu tätigen und eine anständige Politik zu machen, wenn beide ihre Verbindlichkeiten mit unlauteren Geldern bezahlen können.

          Die Krise könne gelöst werden mit tiefen Zinsen, unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen und der Ausgabe Kredit finanzierte öffentlicher Gelder, erklären viele Ökonomen. Kaufen Sie solche Argumente?

          Selbst wir Anhänger der Österreichischen Schule, die wir oft als „Liquidatoren“ verhöhnt werden, sehen wenig Sinn in einer destruktiven, vom Finanzbereich angeführten Deflationsspirale. Allerdings ist es in unseren Augen gefährlicher Unsinn, die Bewahrung des Bankensystems mit der Rettung der größten, der bestechlichsten und der unverantwortlichsten Banken gleichzusetzen und die Folgen des Überkonsums sowie der Überschuldung mit mehr von demselben kurieren zu wollen.

          Solche Ansätze mögen zur Lösung einer Liquiditätskrise beitragen können. Haben wir es jedoch nicht mit einer Bonitätskrise zu tun?

          Ja, so ist es. Banken, die nur einen kleinen Teil der Einlagen als Reserve halten, sind inhärent insolvent.

          Führen Versuche, die Restrukturierung von Schulden zu vermeiden, indem man Billionen an öffentlichen Mitteln ausgibt, nicht dazu, dass sich der wirtschaftliche Abschwung verlängert?

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