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Im Gespräch: Sam Zell : „Der amerikanische Apartmentmarkt ist stark“

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Wie würden Sie das finanzielle Umfeld beschreiben? Sind bald wieder Transaktionen mit hohem Fremdkapitalanteil zu erwarten?

Ich fürchte, der so genannte „Heilungsprozess“ wird langsam und schwierig werden. Statt zu Transaktionen wird es wohl zunehmend zu Verwässerungen kommen. Institutionelle Anleger kaufen sich in Qualitätsimmobilien ein, deren Besitzer sich finanziell übernommen haben, übernehmen die Mehrheit am Kapital, zahlen die Banken aus und bringen so das Verhältnis zwischen Wert und Verbindlichkeiten wieder in Balance.

Im amerikanischen Bankensektor kam es zu einer Konzentration. Hat das Einfluss auf Geschäftsleute wie Sie?

Ja, denn das reduziert per Definition den Wettbewerb macht die Finanzierung von Transaktionen künftig zur Herausforderung.

Spüren Sie das?

Wir haben es in den vergangenen eineinhalb Jahren gespürt. Allerdings fühlt sich die Lage heute besser an als vor einem Jahr und wir befinden uns auf dem Pfad der Besserung.

Wie beurteilen Sie die Lage der Banken?

Die Institute waren zu stark verschuldet, die Stabilisierungsmaßnahmen der Zentralbank und des Finanzministeriums waren sehr positiv und wirken stabilisierend und ich glaube nicht, dass schon alle Verluste offen gelegt wurden. Auf der anderen Seite scheinen sie nach und nach ans Tageslicht zu kommen, während hohe Zinsspreads gleichzeitig zu einer Rekapitalisierung des Bankensystems führen.

Sind sie genauso wirtschaftsoptimistisch, wie es die Finanzmärkte sind?

Ich bin nicht sicher, ob die Märkte wirklich zu optimistisch sind, wie Sie zu unterstellen scheinen. Die Anleger gingen vor einem Jahr von einer wirtschaftlichen Depression aus. Da die immer unwahrscheinlicher wird, kehren sie zurück zur Normalität. Ich denke, die Börsen sind im Moment weder besonders teuer noch besonders günstig bewertet. Die Weltwirtschaft dürfte sich weiter erholen, nachdem sich vor allem die Schwellenländer besser geschlagen haben als anzunehmen war. Hier in den Vereinigten Staaten sorgen allerdings politische Entscheidung für eine gewisse Unsicherheit. Es gibt zu viele Diskussionen über grundlegende Änderungen, im Krankenversicherungssystem und in der Energieversorgung beispielsweise. Vielleicht sollten wir einfach eine Auszeit nehmen, um sich wirtschaftlich weiter zu erholen, bevor solche Projekte in Angriff genommen werden.

Wir haben unterdurchschnittliches Lohnwachstum, 18 Millionen Beschäftigungslose, stark verschuldete Konsumenten und rasant zunehmende Verbindlichkeiten im Öffentlichen Sektor Amerikas. Ist Wachstum auf dieser Basis nicht unmöglich?

Wetten gegen Amerika haben sich noch nie gelohnt. Ich denke, die Welt unterschätzt die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Vereinigten Staaten, sich wirtschaftlich zu erholen. Ich möchte nur daran erinnern, dass wir in den 90er Jahren sogar ein ausgeglichenes Budget hatten. Das Umfeld verändert sich stark. Die amerikanische Wirtschaft ist flexibler, sich daran anzupassen als es viele europäische Staaten sind.

Was fürchten Sie mehr: Inflation oder Deflation?

Die verschiedenen Stimulierungsmaßnahmen wirken in meinen Augen inflationär. Letztlich hängt die Inflationsentwicklung aber von der Geldumlaufgeschwindigkeit ab, die bisher gering war. Sie wird jedoch mit dem Wachstum zunehmen.

Wie verhalten Sie sich als Anleger, kaufen Sie Aktien, Anleihen, Rohstoffe?

Wir kaufen im Binnenmarkt vor allem Problemkredite, statt Aktien. Im Ausland investieren wir in den Schwellenländern, vor allem in Brasilien. Ich denke, wir sind der größte ausländische Immobilieninvestor in Brasilien. Ich bin sehr optimistisch für das Land. Es hat einen Linken zum Präsidenten gewählt - wir mögen das -, es kann sich selbst versorgen, es hat eine gut ausgebildete Führungsschicht und Größe. Brasilien kann sich besser entwickeln als alle anderen so genannten Bric-Staaten.

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