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Im Gespräch: Richard Gibbs : „Der australische Häusermarkt wird weiter korrigieren“

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Wird die Zentralbank daraufhin den Leitzins weiter erhöhen?

Gerade wurde das Protokoll der jüngsten Sitzung des Zins entscheidenden Gremiums veröffentlicht. Danach scheint sie im Moment „glücklich“ zu sein mit dem aktuellen Leitzins von 7,25 Prozent, da sie mit einer Mäßigung der Preisentwicklung rechnet.

Die Inflationserwartungen jedoch liegen bei 5,9 Prozent!

Die Zentralbank scheint eher das Preissetzungsverhalten in der Wirtschaft sowie die Lohnentwicklung zu beobachten. Sollten die Löhne weiter steigen, wäre das sehr bedenklich.

Rechnen Sie damit?

Nein, denn wir erwarten eine Entspannung am Arbeitsmarkt in den kommenden sechs Monaten. Die Arbeitslosenrate muss nur wenig steigen, um die Arbeitnehmer bei Lohnforderungen vorsichtiger agieren zu lassen.

Die Schwäche des Arbeitsmarkt wird vom Hausbau- und Konsumsektor ausgehen?

Ja. Diese Branchen haben in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer Arbeitsintensität den Arbeitsmarkt beflügelt - und nicht der Rohstoffsektor. Denn dieser ist kapital- und nicht arbeitsintensiv.

Der australische Rohstoffsektor ist aufgrund der Exporte von Öl, Gas, Kohle und Erzen sehr stark. Werden wir auch in diesen Bereichen eine Abkühlung zu erwarten haben?

Bisher gehen wir davon aus, dass die Nachfrage nach Rohstoffen anhalten wird. Denn China wird wirtschaftlich kaum gegen die Wand fahren. Auf der anderen Seite mindern jedoch die deutliche steigenden Kosten und der starke australische Dollar die Ertragsmargen der Unternehmen der Branche. Aus diesem Grund hat sich ihre Stimmung in den vergangenen Monaten eingetrübt.

Wird der australische Dollar so stark bleiben?

Vorerst wohl ja. Blickt man allerdings auf die Bewertung und auf die Entwicklung des Neuseeland-Dollars nach schwächeren Konjunkturdaten, so dürfte eine gewisse Abwertung kaum überraschen.

Steigende Kosten und starker Dollar - wird diese Kombination die Wirtschaft nicht zusätzlich bremsen?

Ja, sicherlich. Aber das Wachstumsprofil Australiens hat sich in den vergangenen Jahren zumindest nach Einschätzung des Notenbankgouverneurs Glenn Stevens geändert. Mit starken Infrastrukturinvestitionen, den Bautätigkeiten außerhalb des Häusermarktes und der starken Exportnachfrage nach Energie und Rohstoffen ähnelt es mehr dem der Schwellenländer, als dem der fortgeschrittenen Industriestaaten.

Das klingt lustig - Australien als ein Schwellenland!

Sicher. Australien befindet sich wahrscheinlich in der Mitte. Der „etablierte“ Teil verbucht die Folgen der Kreditkrise in Form von des fallenden Konsumentenvertrauens et cetera. Der „Schwellenländerteil“ dagegen kann starke, robuste Mittelzuflüsse aufgrund der Nachfrage nach Rohstoffen vereinnahmen - vergleichbar mit den Öl- und Gaseinnahmen im Nahen Osten, Südamerika und Osteuropa.

Nehmen nicht auch die Risiken zu, sollten die Energie- und Rohstoffpreise korrigieren?

Ja, sicherlich.

Wird sich die „Freddi- & Fannie-Krise“ in Asien und Australien bemerkbar machen?

Australische Banken haben unabhängig von der Zentralbank schon mehrfach die Hypothekenzinsen angehoben. Das deutet darauf hin, dass sie weithin unter einem gewissen Druck stehen auf Seite der Finanzierungskosten. Die australische Zentralbank sieht das offiziell zwar etwas entspannter. Grundsätzlich dürften die Ereignisse um Fannie Mae und Freddie Mac jedoch folgen haben, da die Kapitalkosten über alle Märkte hinweg weiter steigen könnten.

Wie würden Sie sich als Anleger gegenwärtig positionieren?

Angesichts der andauernden Unsicherheit tendiere ich zu einer starken Liquiditätshaltung. Ansonsten scheint sich der Rohstoffbereich weiterhin robust zu entwickeln. Grundsätzlich sind auch defensive Werte mit starken Cashflows interessant. Zum Beispiel Telekommunikationswerte. Einzelhandelsunternehmen dagegen würde ich meiden.

Wie steht es mit den Anleihen und mit dem Dollar?

Die Rentenpapiere sind vernünftig bewertet, den australischen Dollar würde ich verkaufen.

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