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Im Gespräch: Peter Perkins, BCA Research : „Aktien und Unternehmensanleihen sind reizvoll“

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Sie sind grundsätzlich positiv für risikoaffine Vermögenswerte wie Aktien, Unternehmensanleihen und Rohstoffe, da die FED offensichtlich alles tun wird, um das Wachstum wieder zu beleben. Entscheidend ist jedoch nicht das Ziel, sondern die Frage, ob es auch erreicht wird. Und das muss sich erst noch zeigen.

Aktien dürften Kursgewinne kaum halten können, bevor sich die Lage an den Kreditmärkten nicht normalisiert hat, indem sich beispielsweise die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen zurückbilden. Trostlose Konjunktur- und Unternehmensdaten werden wahrscheinlich noch mehrere Monate belastend wirken und die Renditen von Staatsanleihen tief halten. Die Entwicklung des Euros im Verhältnis zum Dollar wird davon abhängen, ob die Europäische Zentralbank (EZB) der amerikanischen folgen und den Leitzins senken wird. Im Moment rechnet der Markt damit, dass die EZB zögert. Das treibt die europäische Währung nach oben. Sollte sie jedoch unsere Erwartung erfüllen und den Refinanzierungssatz bis Mitte des kommenden Jahres auf ein Prozent senken, dürfte der Euro in die Defensive geraten.

Wie sollte man sich als Anleger taktisch verhalten?

Das hängt grundsätzlich vom Risikoappetit und den Zielen ab, die man verfolgt. Wägt man Risiken gegen die möglichen Erträge ab, so werden Aktien und Unternehmensanleihen für uns immer reizvoller, während Staatsanleihen unattraktiv aussehen. Kurzfristig sollten sich jedoch wohl die meisten Anleger noch vorsichtig verhalten. Wir wagen zwar die Prognose, dass sich die Kombination zwischen geld- und fiskalpolitischen Impulsen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres positiv auswirken wird. Kurzfristig sehen wir jedoch noch zu wenige bestätigende Anzeichen dafür, dass unsere Vorhersage auch richtig sein wird.

Tatsächlich gibt es immer noch beachtliche Risiken, dass die systemischen Probleme noch einmal intensiver werden und das Wachstum deutlicher dämpfen, als man bisher erwartet. Wir warten darauf, dass die voraus laufenden Indikatoren nach oben drehen, dass sich der amerikanische Häusermarkt stabilisiert und dass die Banken den Unternehmen und privaten Haushalten wieder mehr Kredite vergeben, bevor wir aggressivere Anlageformen wählen. Je länger der Anlagehorizont jedoch ist, desto positiver sind in unseren Augen die Erwartungen.

Wie sieht in Ihren Augen das ideale Wirtschafts- und Finanzsystem aus?

Eine Definition ist schwierig, da beide sehr komplex sind und weil sich beide dynamisch verändern können sollten. Auf der einen Seite brauchen wir ein Finanzsystem, das Banken, Unternehmen, Konsumenten und Anlegern die Möglichkeit gibt, Risiken eingehen oder absichern zu können - einschließlich anspruchsvoller Finanzprodukte wie den Derivaten oder den strukturierten Produkten. Auf der anderen Seite müssen Regeln dafür sorgen, dass einzelne Marktteilnehmer aufgrund willkürlichen Verhaltens oder falscher politischer Anreize nicht das gesamte System gefährden können.

Ich denke, die Zentralbanken werden künftig stärker auf das Kredit- und Geldmengenwachstum - analog zur Europäischen Zentralbank - achten, als in der Vergangenheit, in der viele nur auf die Entwicklung der Konsumentenpreise fixiert waren. Auch die internationalen Verflechtungen dürften genauer betrachtet werden. Das massive Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten ist aufgrund der destabilisierenden Gefahren genauso unhaltbar, wie es Chinas massive Überschüsse, die unterbewertete Währung sowie die künstlich tief gehaltenen Kapitalkosten sind. Die Fähigkeit der Politiker, die institutionellen Rahmenbedingungen richtig zu setzen, wird darüber entscheiden, wie gut das Wachstum in den kommenden Jahren ausfallen kann.

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