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Im Gespräch: Marc Faber : „Wir stehen am Beginn einer Weltrezession“

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Marc Faber hat unter Pessimisten eine treue Fangemeinde Bild: Bloomberg

Kurzfristig profitieren die Aktienmärkte von der Rettung der amerikanischen Hypothekenfinanzierer. Viele zweifeln jedoch die Nachhaltigkeit der Entwicklung an. So verspürt der renommierte Vermögensverwalter Marc Faber im FAZ.NET-Gespräch derzeit wenig Kauflust: „Es wird künftig günstigere Gelegenheiten für Anleger geben als im Moment.“

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          Die Aktienmärkte profitieren kurzfristig von der Rettung der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Viele zweifeln jedoch die Nachhaltigkeit der Entwicklung an, auch Marc Faber.

          Der bekannte Vermögensverwalter ist bekannt für seine gute „Nase“. Er hat frühzeitig auf den Energie- und Rohstoffboom der vergangenen Jahre sowie auf die inzwischen offensichtlich gewordenen Risiken des kreditgetriebenen Wachstums hingewiesen. In den vergangenen Monaten tippte er rechtzeitig auf die Erholung des Dollars und riet zu Gewinnmitnahmen im Rohstoffbereich.

          Die Börsen nehmen die Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac positiv auf. Betrachten Sie sie auch so positiv?

          Die Börsen waren in den vergangenen Tagen technisch überverkauft. Deswegen ist es eine normale Reaktion, dass sie etwas steigen. Die staatliche Übernahme der so genannten „government sponsored enterprises“ ist eher ein Zeichen, dass die Lage zu verfahren ist, als dass man sehr optimistisch sein könnte. Das Kreditwachstum wird dadurch kaum wieder belebt, denn nach den bisher bekannten Plänen werden die Bilanzsummen der beiden Unternehmen in den kommenden Jahren in der Tendenz reduziert.

          Ich verstehe, dass die Aktien am Montag gestiegen sind und sich vielleicht noch etwas weiter erholen können. Allerdings ist die technische Lage nicht sonderlich positiv: Das Volumen der sich nach oben bewegenden Aktien lag verglichen mit dem Volumen der sich nach unten bewegenden Aktien nur bei 56 Prozent. Die Probleme der schwächer werdenden Weltwirtschaft und der angeschlagenen Anlagemärkte sind jedoch noch nicht behoben.

          Der Dollar hat sich in den vergangenen Wochen rasch und deutlich von seinen Tiefs erholt. Was sind in Ihren Augen die Gründe dafür und wie geht es weiter?

          Grundsätzlich verringert sich das Wachstum der globalen Überschussliquidität, da das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten nicht mehr zunimmt. Auf diese Weise kommt es zu einer relativen Verknappung der Liquidität. Das ist für die Anlagemärkte ungünstig, dagegen ist es günstig für den Dollar. Die amerikanische Währung war in der Zeit besonders schwach, in der das Leistungsbilanzdefizit von zwei auf sieben Prozent de amerikanischen Bruttoinlandsproduktes gestiegen ist, also in den Jahren 2001 bis 2007.

          Zur gleichen Zeit ist ganz klar, dass die amerikanische Wirtschaft zwar schwach ist und wahrscheinlich schrumpft. Allerdings geht in anderen Ländern der Welt das Wachstum noch rascher zurück. Europa befindet sich grundsätzlich in einer Rezession und in den Schwellenländern kann es zu einer gewaltigen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kommen. Aus diesen Gründen werden die Zinsen in diesen Regionen auch zurückgenommen werden. Auch das wird relativ günstig sein für den Dollar.

          Nach der Bewegung von 1,60 auf zuletzt 1,41 Dollar je Euro kann die amerikanische Währung nun etwas nachgeben auf etwa 1,50 Dollar. Danach müssen wir weitersehen. Den höchsten Punkt des Euro haben wir jedoch auf jeden Fall gesehen.

          Ist die konjunkturelle Schwäche in Europa und den Schwellenländern auf die schwache amerikanische Konjunktur zurückzuführen?

          Der amerikanische Konsum belebte in der Vergangenheit die Wirtschaft der exportorientierten Schwellenländer. Diese sorgten ihrerseits für zusätzliche Nachfrage nach Rohstoffen, die die Wirtschaft der Rohstoffstaaten belebte. Aus diesen Gründen stiegen die Exporte Europas und Japans in den Jahren 2002 bis 2007 sehr stark an.

          Nun wächst in den Vereinigten Staaten der Konsum nicht mehr. Aus diesem Grund haben sich die Exportaktivitäten der Schwellenländer sehr stark verlangsamt, zum Teil fallen sie bereits. Deswegen ging auch die Nachfrage nach Rohstoffen zurück und führte in diesem Bereich zu fallenden Preisen. Nun investieren die Rohstoffstaaten weniger, so dass die Exporte Europas und Japans zurückgehen.

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