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Im Gespräch: James Dilworth, Allianz Global Investors Deutschland : „Man sollte nie mehr abbeißen, als man schlucken kann“

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James Dilworth Bild: Klein, Nora

Seit gut einem Jahr leitet der Amerikaner die Fondsgesellschaft der Allianz in Deutschland. Zuvor arbeitete er bei den Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs. Erstmals spricht er darüber, was er anders machen will.

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          Herr Dilworth, seit gut einem Jahr leiten Sie Allianz Global Investors Deutschland. Bereuen Sie es manchmal, diese Aufgabe übernommen zu haben?

          Nein, überhaupt nicht. Warum sollte ich?

          Nun, Sie mussten Stellen abbauen, Fonds schließen und Marktanteile verteidigen. Für Expansion war da wenig Raum.

          Stellen haben wir, seitdem ich hier bin, nicht abgebaut, weil die Integration von Cominvest da schon zum größten Teil abgeschlossen war. Aber es ist richtig, dass ich mit Allianz Global Investors wachsen will, und das werden wir auch tun. Wir wollen unsere Produkte und die Qualität, die wir bieten, besser an den Markt bringen.

          Wo sehen Sie Expansionschancen? Die Branche befindet sich ja eher in der Defensive.

          Das kommt darauf an, wie man Wachstum definiert. Wir werden in absehbarer Zeit mit Sicherheit weniger Fondsneuauflagen sehen. Man kann allerdings auch mit bestehenden Produkten wachsen, und das ist unsere Strategie, Wachstum durch exzellente Anlageergebnisse zu schaffen.

          Sie wollen die Zahl der Fonds halbieren.

          Genau, von etwa 500 auf rund 250 Fonds. Es kann sogar noch weniger werden.

          Noch weniger?

          Ja, schauen Sie mal: Brauchen wir als Fondsgesellschaft wirklich 250 Fonds? Wir hatten durch den Zusammenschluss mit Cominvest viele Überschneidungen gehabt. Wir wollen lieber ein paar Fonds weniger haben, aber dafür bessere. Wir halten uns an die Devise: Weniger ist mehr.

          Allianz Global Investors gehört einem Versicherungskonzern und kann auf keinen hausinternen Bankvertrieb zurückgreifen. Wie gleichen Sie diesen Nachteil aus?

          Es gibt in Deutschland einen Platz für einen Vermögensverwalter, der keinem großen Bankenverbund angehört. Die anderen Banken sehen uns nicht als Teil der Konkurrenz, sondern als die einzige große Fondsgesellschaft in Deutschland, die unabhängig von einer Bank ist. Das ist ein Vorteil.

          Sie haben einen Vertriebspartner in Form der Commerzbank, mit der Ihre Konkurrenten auch gerne ins Geschäft kommen. Zu welchen Preiszugeständnissen sind Sie bereit, um diesen Vertriebskanal offenzuhalten?

          Es geht weniger um den Preis als um Performance. Wenn wir die bringen, werden wir auch bei der Commerzbank erfolgreich sein. Wenn wir nur mittelmäßige Produkte anbieten, gehören wir zu Recht nicht dazu.

          Der Anlageerfolg war in der Vergangenheit ein Schwachpunkt bei Allianz Global Investors. Oft waren Ihre Fonds im Mittelfeld und zu selten vorne dabei.

          Unsere Rentenfonds hatten eine starke Zeit, dann eine schwache und jetzt wieder eine starke. Man kann leider nicht immer ganz oben stehen. Auch im Aktienbereich sehen wir eine Erholung. Gerade jetzt, nach der Finanzkrise, bieten die Aktienmärkte gute Chancen für aktives Fondsmanagement. Das haben unsere Portfolio-Manager bei RCM gut ausgenutzt.

          Allianz Global Investors hat mit der Übernahme von Cominvest ein Experiment gewagt. Erstmals in Deutschland kaufte eine große Fondsgesellschaft eine andere große. Welche Lehre ziehen Sie daraus?

          Man sollte nie mehr abbeißen, als man schlucken kann. Cominvest hatte genau die richtige Größe für uns. Im Großen und Ganzen ist die Integration gut über die Bühne gegangen. Das sieht man daran, dass die meisten Kunden geblieben sind. Die Cominvest hatte im Vertrieb und im Portfolio-Management gute Mitarbeiter. Ihre Integration hat sehr gut geklappt. Die meisten Cominvest-Leute sind bei uns geblieben und haben neue Möglichkeiten bekommen. Ich hätte eine andere Reaktion erwartet.

          Sind Sie an weiteren Fondsgesellschaften in Deutschland interessiert?

          Nein. Wir sind froh, dass wir die Cominvest erfolgreich integriert haben.

          Andere Konkurrenten wie Blackrock haben stattdessen ihre Produktpalette erweitert und beispielsweise ETF-Anbieter gekauft. Käme das für Sie in Frage?

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