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Im Gespräch: Hans Neuendorf, Artnet-Vorstand : „Warhol ist eine sehr spekulative Anlage“

  • Aktualisiert am

Hans Neuendorf Bild: F.A.Z.

Hans Neuendorf ist Großaktionär und Vorstandsvorsitzender von Artnet. Die Aktiengesellschaft betreibt einen virtuellen Marktplatz, der Kunst und Informationen über Kunst anbietet.

          5 Min.

          Herr Neuendorf, die Not der Anleger ist groß. Flüchten die jetzt aus Aktien und Anleihen in die Kunst?

          In so turbulenten Phasen wie diesen fließt immer Vermögen in die Kunst. Das hatten wir schon in den neunziger Jahren, als in Japan Aktien und Immobilienpreise verrückt gespielt haben. Und auch jetzt verlagert sich etliches Geld in die Kunst.

          Dann kann es nicht lange dauern, bis der Kunstmarkt überhitzt ist.

          Richtig. Da der Kunstmarkt in Relation zu anderen relativ klein ist, hat das zuströmende Geld enorme Preissteigerungen zur Folge.

          Fürchten Sie einen Absturz der Preise?

          Die Gefahr ist gegeben, ganz klar. Besonders dadurch, dass jetzt viele Branchenfremde investieren. Diese Nichtkenner nehmen nur die bekanntesten Namen, die werden dann disproportional hoch bewertet, was die Gefahr eines Absturzes verschärft -, alles zu Lasten der anderen Künstler übrigens, die nicht von der Welle erfasst werden: Denen geht es nicht besonders gut in diesen Zeiten.

          Welches war das teuerste Objekt, das Sie je in einer Online-Auktion versteigert haben?

          „Flowers“ von Andy Warhol, dafür hat ein privater amerikanischer Sammler vor wenigen Wochen 1,3 Millionen Dollar bezahlt.

          Große Namen ziehen immer.

          Ja. Warhol steht seit Jahren hoch im Kurs, da ist eine extrem starke Spekulation im Gange. Der Warhol-Markt war schon mal sehr stark, ist dann zwischenzeitlich runter, so dass Leute gesagt haben: Da muss man aussteigen. Jetzt ist Warhol wieder verschärft hoch, eine sehr spekulative Anlage.

          Sie haben schon 1964, als Erster in Deutschland, Warhol ausgestellt. Bewegt sich die Kunst über die Jahrzehnte in ähnlichen Zyklen wie die Konjunktur?

          Ja, auch in der Kunst gibt es Moden, nicht anders als an der Börse. Im Herbst werden wir einen Index für zeitgenössische Kunst starten, den C50, daran lassen sich diese Zyklen verfolgen,

          Wie funktioniert dieser Kunst-Index?

          Ähnlich wie der Dow oder der Dax, nur dass wir statt der meist gehandelten Aktien die wichtigsten Künstler erfassen, da führen wir alle Auktionspreise der vergangenen 25 Jahre zusammen.

          Wie viel kassiert Ihre Online-Börse an jedem Gemälde?

          Normalerweise zahlt der Einlieferer 10 Prozent und der Käufer 15 Prozent. Rabatte sind je nach Wert der Kunstgegenstände - ähnlich wie bei konventionellen Auktionen - ganz normal.

          Die etablierten Auktionshäuser verlangen 30 bis 50 Prozent.

          Wir berechnen nur ungefähr die Hälfte, das geht, weil wir sehr viel geringere Kosten haben. Kein Transport, keine Versicherung, keine Ausstellung, kein Katalog.

          Verglichen mit den Traditionshäusern, haben Sie sehr viel günstigere Ware im Angebot: Wie schwierig ist es, an exquisite Stücke zu kommen?

          Bisher ist es schwierig, weil wir uns als Online-Börse in der Breite noch nicht durchgesetzt haben. Der Warhol hat jedoch gezeigt: Sobald der Name prominent ist, werden auch in der Internetauktion hohe Preise bezahlt. Und ich bin fest überzeugt: Irgendwann wird der gesamte Kunsthandel im Internet landen.

          Eine kühne These, wie kommen Sie dazu?

          Das Internet ist nun mal so viel schneller und so viel günstiger, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das Publikum die konventionellen Auktionen noch lange mitmacht.

          Noch liegen Sie weit abgeschlagen hinter Sotheby's und Christie's, Konzernen mit Milliardenumsätzen.

          Ach, wissen Sie, die großen Auktionshäuser haben 250 Jahre gebraucht, bis sie diese Größe erreicht haben. Wenn Sie mir ein Zehntel davon genehmigen, werden wir es schaffen, das Feld zu erobern.

          Was ist Ihr Anspruch an die Kunst? Bekommt im Internet jeder Hobbykleckser seine Chance?

          Nein. Wir beschränken uns auf anerkannte Künstler. Mit Hobbykunst haben wir nichts zu tun, sind aber offener in dem, was wir akzeptieren. Da wir nicht die Kosten haben wie herkömmliche Auktionshäuser, bieten wir auch weniger populäre und somit riskantere Werke an, nicht nur die super bekannten Namen. Die Großen beschränken sich auf sichere Sachen, den Rest lehnen sie von vornherein ab.

          Wie lange stellen Sie die Kunstwerke ins Netz?

          Fünf bis zehn Tage, die Besucher unserer Seite erwarten ständig wechselnde und immer neue attraktive Angebote.

          Und wenn sich bis dahin kein Abnehmer findet?

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