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Im Gespräch: Fondsmanager Pesarini : „Mit Aktien wird man nicht reich“

  • Aktualisiert am

Luca Pesarini von Ethna Capital Bild: Wonge Bergmann

Luca Pesarini verwaltet den erfolgreichen Mischfonds Ethna Aktiv. Darin sind lediglich acht Prozent Aktien. Alles andere sind Anleihen. Es sei im Moment kaum möglich Aktien zu finden, die auf jeden Fall steigen werden, erklärt er im Gespräch.

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          Luca Pesarini verwaltet den erfolgreichen Mischfonds Ethna Aktiv. Darin sind lediglich acht Prozent Aktien. Alles andere sind Anleihen. Die Stimmung schwanke zwischen Konjunkturhoffnungen und neuen Ängsten.

          In diesem Umfeld traut er sich nicht zu, Aktien zu finden, die auf jeden Fall steigen werden. Er konzentriert sich auf große, dividendenstarke Aktien aus Europa. Dagegen gebe es immer noch Unternehmensanleihen, die zehn Prozent abwürfen, erklärt er weiter.

          Herr Pesarini, Sie haben in Ihrem Fonds nur noch acht Prozent Aktien. Warum sind Sie so skeptisch?

          In der Tat haben wir derzeit wenige Aktien. Normal sind rund 15 Prozent, in guten, stabilen Börsenphasen gehen wir bis auf etwa 25 Prozent hoch. Aber solche Zeiten haben wir derzeit nicht. Die Kurse gehen schon das ganze Jahr rauf und runter, die Stimmung schwankt zwischen Konjunkturhoffnungen und neuen Ängsten. In diesem Umfeld trauen wir uns nicht zu, Aktien zu finden, die auf jeden Fall steigen werden.

          Wie bitte? Das ist doch Ihr Job.

          Die Aktienauswahl ist in diesen unsicheren Zeiten sehr schwer geworden. Früher reichte es, die aussichtsreichste Branche und das passende Land zu identifizieren. Jetzt müssen Sie innerhalb der Branche auch noch auf das richtige Unternehmen setzen. Haben Sie zum Beispiel in Renault angelegt, um von Autoaktien zu profitieren, haben Sie zuletzt viel Geld verloren. Sie hätten Daimler-Aktien kaufen müssen. Aber wer weiß das schon vorher? Wir sind ja auch keine Hellseher. Die anderen Fonds behaupten das zwar gerne, wissen es aber auch nicht besser.

          Wie informieren Sie sich?

          Wir vertrauen vor allem auf Analysen von UBS, Barclays, Deutsche Bank und DZ Bank. Aber die widersprechen sich teilweise auch.

          Was machen Sie also?

          Wir halten die Zahl der Aktien überschaubar und haben nur 16 Unternehmen im Depot. Dann kann man die wenigen Gesellschaften besser beobachten und sich so vertiefter eine Meinung bilden. Auf der Anleihenseite haben wir mehrere hundert Titel. Deren Kurse schwanken nicht so stark, daher kann man viel mehr Papiere halten.

          Welche Aktien kaufen Sie?

          Wir konzentrieren uns auf große, dividendenstarke Aktien aus Europa. Bilfinger-Berger und die Liechtensteiner VP-Bank sind unsere größten Aktienpositionen.

          Aber zusammen haben Sie eben nur acht Prozent Aktien. Wie soll denn Ihr Fonds da eine ordentliche Rendite erzielen?

          Zum einen wollen die Anleger nicht immer nur die höchstmögliche Rendite. Sie wollen auch niedrige Kursschwankungen. Aber je größer der Aktienanteil im Depot ist, desto stärker schwankt auch der Preis unseres Fonds. Zum anderen ist es ein Trugschluss, dass man mit Aktien reich wird. Schauen Sie sich mal die vergangenen zehn Jahre an, da haben Sie nichts verdient, wenn Sie auf den Dax gesetzt haben. Mit Anleihen haben Sie hingegen eine schöne Wertentwicklung erzielt.

          Dann kaufen Sie doch einfach gar keine Aktien!

          Das wäre ja auch wieder zu einseitig. Es gibt ja ein paar wenige Unternehmen, deren Kurse stetig steigen, wie zum Beispiel die BASF. Ich halte nur nichts davon, ständig nach der Aktie zu suchen, die mal für ein Jahr erfolgreich sein wird. Da liegen Sie eben schnell falsch.

          Vergangenes Jahr hätten Sie mit fast jeder Aktie Geld gemacht.

          Stimmt. Aber ich habe auch mit Staats- und Unternehmensanleihen gut verdient. Zehn Prozent für eine Anleihe im Jahr - wann gab es das schon? Und garantiert für die nächsten Jahre. Bei viel kalkulierbarerem Risiko als bei Aktien. Warum soll ich da die Gefahren des Aktienmarktes eingehen?

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