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Im Gespräch: Felix Zulauf : Warten auf das historische Tief

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Felix Zulauf, Manager eines konservativen Hedge-Fonds Bild: Privat

Die Stimmung an den Börsen hat sich verbessert. Das sollte man aber nicht überbewerten, erklärt Hedge-Fonds-Manager Felix Zulauf. Die Börsen dürften noch tiefer gehen. Danach komme eine „historische Kauf- und Investitionsgelegenheit“.

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          Die Stimmung an den Börsen hat sich in den vergangenen Tagen etwas verbessert. Die Kurse sind zumindest in der vergangenen Woche in der optimistischen Hoffnung auf die positive Wirkung von Stabilisierungs- und Stimulationsmaßnahmen gestiegen.

          Das sollte man allerdings nicht überbewerten, erklärt Felix Zulauf. Der Hedge-Fondsmanager betrachtet die wirtschaftliche Entwicklung weltweit kritisch. Er rechnet über längere Zeit mit unterdurchschnittlichem Wachstum.

          Anleger sollten in nächster Zeit vor allem auf den Kapitalerhalt achten. Die Börsen dürften noch tiefer gehen, danach komme für langfristig orientierte Anleger eine „historische Kauf- und Investitionsgelegenheit“. Noch sei es aber nicht soweit.

          Wie würden Sie die gesamtwirtschaftliche Lage beschreiben?

          Wir reden über eine Situation, die historisch einmalig ist. Es ist das erste Mal seit mindestens 70 Jahren, dass sich beinahe alle Volkswirtschaften weltweit synchron in einem Abschwung befinden. Es gab im vergangenen Jahrhundert zwar die große Depression, die sich global bemerkbar gemacht hatte. Allerdings nicht überall gleichzeitig. Daneben sahen wir regional begrenzte Krisen in Japan und in Lateinamerika.

          Was ist der Kern der Krise?

          Das Grundproblem sind zu hohe Schulden. Wir haben große Kreditpyramiden, insbesondere in den Industriestaaten. Die Pyramiden stehen auf einem Bankensystem, welches völlig unterkapitalisiert ist. Aufgrund der Deflation von Vermögenswerten sind die Banken nicht in Lage, Abschreibungen in der notwendigen Dimension vorzunehmen, die notwendig wären, um wieder auf soliden Beinen zu stehen.

          Wir haben verschiedene Probleme. Das erste ist ein marodes Bankensystem, das rekapitalisiert werden muss. Das zweite sind die noch anstehenden Abschreibungen auf Kredite, die nicht mehr bedient werden können. Drittens müssen verschiedene Schuldnerschichten saniert werden. Ich denke dabei an die privaten Haushalte in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Irland, Spanien, Griechenland und so weiter. Schließlich haben wir eine Konjunktur, die weltweit simultan so stark oder noch heftiger einbricht, wie zuletzt in der Asienkrise.

          Ist das ein normaler konjunktureller Abschwung?

          Nein. Die jetzige Entwicklung ist in ihrer Dimension nicht vergleichbar mit einer normalen Rezession, in welcher üblicherweise temporäre Lagerüberhänge abgebaut werden und wonach sich die Wirtschaft wieder rasch erholen kann. Die aktuellen Probleme werden uns Jahre lang beschäftigen.

          Wieso?

          Die Weltwirtschaft wurde in den vergangenen 15 bis 20 Jahren immer globalisierter. Man kann sich das vorstellen wie ein Räderwerk, bei dem ein Zahnrad in das andere eingreift. Der Antriebsmotor und Dynamo war der amerikanische Konsument.

          Inzwischen befinden sich die amerikanischen Verbraucher jedoch in einer schwierigen Situation. Nachdem die Hauspreise in den vergangenen Monaten stark gefallen sind, hat die Hälfte aller Hausbesitzer, die eine Hypothek besitzen - das sind 55 Prozent aller Hausbesitzer und 70 Prozent aller Amerikaner sind Hausbesitzer - kein Eigenkapital mehr oder gar negatives Eigenkapital. Sie haben also keine Kaufkraft mehr. Dazu kommt der Verlust von mehr als 20 Prozent ihrer Vermögen. In den vergangenen Rezessionen lag der durchschnittliche Vermögensverlust bei maximal fünf Prozent im Jahresvergleich.

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