https://www.faz.net/-gv6-3hz8

Im Gespräch: Eric Hunsader, Experte für Kursdaten : „Der Flash-Crash war wie ein Hackerangriff auf die Börse“

  • Aktualisiert am

Eric Hunsader Bild: Privat

Am 6. Mai verlor der Dow Jones innerhalb von Minuten fast 1000 Punkte, bevor er sich erholte. Tatsächlich wurde die Börse von Handelsaufträgen überflutet und konnte sie nicht mehr verarbeiten. Möglicherweise sogar absichtlich.

          Am 6. Mai verlor der Dow Jones innerhalb von Minuten fast 1000 Punkte, bevor er sich erholte. Tatsächlich wurde die Börse von Handelsaufträgen überflutet und konnte sie nicht mehr verarbeiten.

          Es ist nicht ausgeschlossen, dass sogar eine Strategie dahinter steckt. Denn Wertpapierhändler mit schnellen, automatisierten Handelssystem und direktem Zugang zur Börse haben im Vergleich mit anderen Vorteile. Es entspräche nur der menschlichen Natur, wenn sie sie auch nutzten, erklärt Eric Scott Hunsader, Experte für Kursdaten von Nanex.

          Was ging am sechsten Mai an der amerikanischen Börse vor sich?

          Die New Yorker Börse NYSE lieferte so genannte CQS-Daten, wie sie von 99 Prozent der Kursdatenempfänger bezogen werden, mit einer Verzögerung von bis zu 24 Sekunden aus. Da die mitgelieferten Zeitmarken jedoch etwas anderes zeigten, war das in dieser Form nicht zu entdecken.

          Mit welcher Konsequenz?

          Einige der so genannten „Hochgeschwindigkeitshändler“ mit direktem Zugang zur Börse zogen ihre Handelssysteme aus dem Markt zurück. Dagegen kauften die anderen Anleger immer mehr Wertpapiere anderswo, um sie an der langsamer fallenden New Yorker Börse mit Gewinn zu verkaufen. So entstand an der New Yorker Börse zunächst starker Verkaufsdruck.

          Was war der eigentliche Grund, ein technisches Problem etwa?

          Wir denken, das System der New Yorker Börse war überlastet. Es wurden einfach zu viele Aufträge an das System gesandt, storniert und wieder aufgegeben, als dass das System sie schnell genug verarbeiten konnte.

          Wie kommt das?

          Einige „Hochgeschwindigkeitshändler“ haben Algorithmen programmiert, die Tausende von Wertpapierhandelsaufträge pro Sekunde für einzelne Aktie generieren und an die Börse senden. Das hat dazu geführt, dass die Handelsvolumina in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugenommen haben.

          Sie beobachteten bis zu 1.500 Handelsaufträge pro Sekunde für eine Aktie. Sind das ungewöhnlich viele?

          Der Punkt ist der: Was wir anhand der CQS-Daten sehen, ist nur die Spitze der Wertpapierhandelsaufträge, die ganz oben im Orderbuch der Börse stehen. Sichtbar werden sie nur, wenn sie zum höchsten Geld- oder zum tiefsten Briefkurs führen. Im Hintergrund jedoch kann vieles ablaufen, worüber man überhaupt nichts weiß.

          Wie konnte die NYSE von so etwas überrascht werden?

          Die Börse wusste nicht einmal, dass ihre Kurse verzögert ausgeliefert wurden. Ihre Repräsentanten haben das öffentlich bezeugt.

          Das heißt, der Flash-Crash könnte sich jederzeit wiederholen?

          Man muss schon sehen, dass es eine gewisse Verkettung von kritischen Faktoren gab. Erstens war der Markt an sich schon schwach, bevor es zum kurzzeitigen Ausverkauf kam. Zweitens wissen die Hochfrequenzhändler nun, dass so etwas passieren kann. Sie werden sich wahrscheinlich nicht mehr so schnell aus dem Markt zurückziehen. Drittens dürfte die NYSE ihre Systeme auf Vordermann bringen oder sie zumindest noch genauer als bisher überwachen.

          Ist eine striktere Regulierung des Handels nötig?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.