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Im Gespräch: Eliot Spitzer : „Die Realwirtschaft gleicht einer Wüste“

  • Aktualisiert am

Eliot Spitzer Bild: dpa

Die Börse boomt, aber „Green Shoots“, Sprößlinge wirtschaftlicher Erholung, sind in Amerika noch nicht zu sehen, sagt Eliot Spitzer, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaats New York. Die Politik solle die reale Wirtschaft fördern statt die Spekulationen der Banken, sagt er im FAZ.NET-Gespräch.

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          Die Börse boomt, aber „Green Shoots“ sind in Amerika nicht zu sehen. Die Politik sollte die reale Wirtschaft fördern, statt die Spekulationen der Banken erklärt Eliot Spitzer im Gespräch. Er ist ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates New York.

          Die amerikanischen Börsen erleben eine Kursrally, alleine der S&P-500-Index hat in den vergangenen vier Monaten etwas mehr als 40 Prozent zugelegt. Ist die amerikanische Krise vorbei?

          Nein. Was wir sehen ist eine Rally, die die Erleichterung über die Lösung der unmittelbaren Sorgen über die faktische Zahlungsfähigkeit des Finanzsektors widerspiegelt. Es bleiben jedoch ernorme Sorgen über die grundlegende Verfassung unserer Wirtschaft. In den Vereinigten Staaten sind im Rahmen der Rezession bisher mehr als sieben Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Weitere werden abgebaut, vor allem im Produktionssektor. Diese Krise wird erst vorbei sein, sobald wieder neue Jobs geschaffen werden.

          Die Anleger scheinen das anders zu sehen. Immerhin haben sie sich von den zum Teil riesigen Gewinnen inspirieren, die Banken wie Goldman Sachs und andere jüngst vorgelegt haben.

          Man darf den Zustand der Finanzwerte nicht mit dem der Wirtschaft an sich verwechseln. Es ist eine Sache, ob eine Investmentbank riesige Summen verdient, indem sie quasi als Hedge-Fonds an den Märkten Volatilitäten und Fehlbewertungen ausnutzt und eine andere, reale Werte und Jobs zu schaffen. In meinen Augen konzentriert sich die amerikanische Wirtschaftspolitik gegenwärtig viel zu stark auf die Rettung der Finanzindustrie, statt die Realwirtschaft voranzubringen, die den wahren Mehrwert produziert.

          Die Wirtschaftspolitik ist falsch - habe ich das richtig verstanden?

          Ja, sie ist zu stark darauf ausgerichtet, die Zahlungsfähigkeit weniger Banken zu sichern, statt dafür zu sorgen, dass unsere Kernwirtschaft auf kompetitivem Niveau produzieren kann.

          Was sollte denn getan werden?

          Wir hätten die Finanzwirtschaft viel stärker restrukturieren müssen, als wir das getan haben.

          Das heißt konkret?

          Wir haben noch viel zu viele Unternehmen, die zu groß sind, um sie einfach untergehen zu lassen. Angefangen von Goldman Sachs, über JPMorgan Chase bis hin zur Bank of America. Wir machen dieselben Fehler wie in der Vergangenheit, indem wir sie mit Unterstützung der Steuerzahler an den Märkten spekulieren lassen. Wertpapierhandel schön und gut, aber er sollte nicht durch Steuermittel subventioniert werden. Ich habe nichts gegen die Ausnutzung von Skalenerträgen und Größe an sich. Wenn das aber letztlich dazu führt, dass Gewinne privatisiert werden und Verluste vom Staat getragen werden müssen, so ist diese Asymmetrie schlecht.

          Auf der anderen Seite versorgen wir jene Bereiche mit zu wenig Kapital, die langfristig wirkliche Werte schaffen. Seien es Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen im Automobilbereich, die Transformation hin zu neuen Energien, die Förderung der Biotechnologie bis hin zur Veränderung der Kostenstrukturen im Gesundheitswesen, die uns bisher soviel an Wettbewerbsfähigkeit gekostet haben. Wir fordern die Banken nicht einmal auf, Kredite zu vergeben, obwohl sie enorme Summen an öffentlichen Geldern erhalten haben.

          Viele Probleme waren das Resultat zu hoher Schulden in Verbindung mit stark aber intransparent wachsenden Derivatemärkten. Können und werden sie reguliert werden?

          Ich denke schon. Wir Amerikaner wiederholen dieselben Fehler nur selten. Wir machen vielleicht neue Fehler, aber wir erkennen das Offensichtliche. In diesem Fall waren es die geringen Eigenkapitaldecken, die man von den Banken verlangt hatte und die astronomischen oder gar verrückten Summen, die mit Derivaten umgesetzt wurden, die wesentlich zum wirtschaftlichen Kollaps der vergangenen Monate beigetragen haben. Diese Fehler werden mit Sicherheit nicht wieder vorkommen.

          Ja, aber bisher redet man primär über die straffere Regulierung der Futures-Märkte und weniger über die so genannten OTC-Kontrakte.

          Ich denke, letztlich wird es auch dort eine Art von Regulierung geben. Sie wird vielleicht nicht perfekt sein, aber sie wird den Umständen genügen.

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