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Im Gespräch: Edmund Phelps : „Die großen Banken sind unkontrollierbar geworden“

  • Aktualisiert am
Edmund S. Phelps
          7 Min.

          Viele Anleger blicken voller Hoffnung auf die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken sowie auf die Garantie- und Ausgabenprogramme der Regierungen. Sie hoffen auf steigende Kurse an den Börsen. Auch Politiker versuchen, den Optimismus zu fördern.

          Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps sieht das anders. Die Anleger wollten noch nicht erkennen, wie groß die Unsicherheit sei. Gerade die Amerikaner seien noch zu optimistisch. Die großen Banken seien unkontrollierbar geworden, erklärt er weiter und geht davon aus, dass sie in gegenwärtiger Form nicht mehr lange bestehen werden. Er hält sogar eine Verstaatlichung für möglich. In diesem Falle würden sich Aktionäre und Anleihegläubiger die Finger verbrennen.

          Präsident Barrack Obama und Notenbankchef Ben Bernanke versuchten in ihren jüngsten Reden, Optimismus auszustrahlen. Sind sie auch optimistisch?

          Es ist schwierig, so vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken wie sie es tun. Ich glaube nicht, dass wir in diesem Lande zu wenig Vertrauen haben. Im Gegenteil. Amerikas bekannter Optimismus war zwar wichtig für den ökonomischen Erfolg, den wir in den vergangenen Jahrzehnten hatten. Faktisch geht er jedoch manchmal zu weit. Das zeigte sich zum Beispiel daran, dass, egal wie hoch die Hauspreise auch waren, kaum jemand daran denken wollte, dass sie einmal fallen könnten. Das überzogene Vertrauen in die Zukunft macht unsere Wirtschaft sehr anfällig für spekulative Exzesse.

          Mit entsprechenden Folgen ...

          Ja, wir tragen gerade sehr unübliche Konsequenzen einer solchen Übertreibung. Selbst mitten im wirtschaftlichen Abschwung jedoch scheinen die Leute Monat für Monat überrascht zu werden, dass die Arbeitslosigkeit zunimmt und die Häuser immer weniger wert werden. Insgesamt kann man im Moment nicht sagen, dass die Amerikaner zu wenig Vertrauen hätten. Sondern es gibt Anzeichen dafür, dass sie noch zuviel davon haben.

          Heißt das, die amerikanischen Bürger müssen erst einmal ihre Erwartungen herunterschrauben auf ein normales Niveau?

          Ich hoffe nicht, dass sie ihren gesamten Optimismus verlieren werden. Aber sie müssen realistischer werden. Sie sollten nicht davon träumen, politische Eingriffe könnten die Hauspreise wieder auf das Niveau bringen, auf dem sie vor einem oder zwei Jahren noch waren. So etwas ist krank. Sie sollten auch nicht erwarten, Investitionen in alternative Energien oder die Ausweitung der Gesundheitsfürsorge könne für Wohlstand sorgen. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen diesen Dingen.

          Wie sieht der wirtschaftliche Status Quo aus und wo gehen wir hin von hier?

          Im Grunde genommen kann man nichts ausschließen. Möglicherweise zeigen sich in den kommenden ein, zwei Jahren zufälligerweise völlig neue Kräfte, die die Konjunktur antreiben könnten. Grundsätzlich deutet jedoch vieles schon länger darauf hin, dass die amerikanische Wirtschaft langsam aber sicher ihre Dynamik verliert. Es scheint immer weniger wirkliche Unternehmer zu geben oder sie finden keine Geldgeber.

          Die offiziellen Regierungsprogramme versuchen, den Konsum wieder zu beleben. Hatten wir in den vergangenen Jahren nicht zuviel davon - und sind sie deswegen überhaupt sinnvoll?

          Ganz genau, wir Amerikaner haben überkonsumiert. Wir wollen gar nicht zurück auf dieses hohe Verbrauchsniveau. Steuersenkungen, die das Ziel haben, den Konsum zu beflügeln, sind alles andere nur nicht sinnvoll. Sie können sogar kontraproduktiv werden. Sie treiben die Konsumgüterpreise nach oben, statt gegen die Preisschwäche im Investitionsgüterbereich zu wirken. Wenn wir überhaupt Ausgabenprogramme bräuchten, so müssten sie die Preise der Kapitalgüter treiben.

          Gehen die Infrastrukturinvestitionen nicht in die richtige Richtung?

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