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Im Gespräch: Christopher Whalen, IRA : „Larry Summers ist mitschuldig an der Finanzkrise“

  • Aktualisiert am

Christopher Whalen, The Institutional Risk Analyst Bild: Privat

Präsident Barack Obama plant den umfassenden Umbau der amerikanischen Finanzaufsicht, heißt es. Tatsächlich wollten die Politiker den Status Quo jedoch gar nicht ändern, erklärt Christopher Whalen von Institutional Risk Analytics in New York.

          5 Min.

          Präsident Barack Obama plant einen Umbau der amerikanischen Finanzaufsicht. Sein Plan sei der umfassendste seit den Reformen, die auf die Große Depression folgten, heißt es allgemein.

          Manche sehen das anders. Zum Beispiel Christopher Whalen, Managing Director des Risikospezialisten Institutional Risk Analytics. Es handele sich um Augenwischerei, erklärt er. Die Politik wolle den Status Quo in Wirklichkeit gar nicht ändern. Personen wie Finanzminister Timothy Geithner oder Obamas Wirtschaftsberater Larry Summers seien mitschuldig an den Problemen. Wie könne man also Reformvorschläge von ihrer Seite ernst nehmen?

          Im Kern müsse man die Kreditversicherungen (Credit Default Swaps) verbieten - und schon habe man die systemischen Risiken gelöst, erklärt er.

          Was halten Sie von den Vorschlägen zur strengeren Regulierung der Finanzmärkte?

          In meinen Augen sind sie weitgehend Augenwischerei. Die Probleme sind allerdings so dringend und offensichtlich geworden, dass die Wertpapierhändler und das amerikanische Finanzministerium gezwungen sind, öffentlich über sie zu debattieren, obwohl sie das gerne vermieden hätten.

          Was unterstellen sie da?

          Die Politiker bemühen sich intensiv, den Eindruck zu erwecken, proaktiv zu agieren - ohne den Status Quo allerdings wirklich zu verändern.

          Wie sieht der aus?

          Das Grundproblem ist, dass die großen Banken wie JP Morgan, Goldman Sachs und andere nicht überleben können ohne die Subventionen, die sie vom Over-The-Counter-Markt erhalten. Dort sind die Renditen höher als in allen anderen Marktsegmenten. Sollten wir wirklich ernst machen wollen mit Reformen, so müsste es bei diesen Banken zu Veränderungen kommen - sie müssten kleiner werden.

          Was heißt das, „sie können nicht überleben“?

          Im Kern zahlen alle amerikanischen Finanzmarktteilnehmer eine Subvention an diese Banken, um sie liquide zu halten. Diese sehen nominal betrachtet zwar optisch profitabel aus, auf risikoadjustierter Basis jedoch verlieren sie Geld. Tatsächlich sind das parasitäre Unternehmen.

          Sowohl der Kongress als auch die Obama-Administration wollen aussehen, als ob sie agierten. Es gibt jedoch keine Möglichkeit, die Probleme zu lösen ohne die großen Banken zu restrukturieren und kleiner zu machen.

          Wieso?

          Die Aufgaben, die sich im Regulierungsbereich stellen, sind das Resultat der Geschäftsmodelle dieser Banken - und nicht umgekehrt.

          Lassen sie sich lösen?

          Das ist nicht einfach, denn die amerikanische Zentralbank Fed und die OCC (Office of the Comptroller of the Currency) befinden sich vollständig in den Händen der großen Banken. Sie haben kaum etwas maßgebliches zu sagen. Personen wie Timothy Geithner oder Larry Summers sind mitschuldig an den Problemen. Summers war vor zwölf Jahren unmittelbar mit für die Entscheidung verantwortlich, die außerbörslichen Derivatemärkte nicht zu regulieren. Wie kann man Reformvorschläge von seiner Seite ernst nehmen?

          Was bedeutet das für die Wirtschafts- und Finanzkrise?

          Die „Party“ hat erst angefangen. Die erste Phase bestand in der Wahrnehmung der „wahren Werte“. Das hat unter anderem dazu geführt, dass die Häuserpreis in den Vereinigten Staaten inzwischen 20 bis 25 Prozent gefallen sind. Dieser Prozess wird sich später im Jahresverlauf wiederholen. Dann werden alle Immobilien, die inzwischen wegen der Zahlungsunfähigkeit bisheriger Besitzer von den Banken übernommen worden sind, zu Liquidationspreisen auf den Markt geworfen werden. Das wird und muss die Preise weiter unter Druck setzen. Wenn man sich die Immobilienmärkte heute anschaut, so sind fünf bis zehn Prozent aller Verkäufe das Resultat von Zwangsversteigerungen. Dieser Anteil wird steigen auf 30 bis 40 Prozent zum Ende des Jahres. Banken werden übernommene Immobilien um jeden Preis verkaufen wollen. Denn die Kosten, um sie zu halten und zu verwalten sind zu hoch. Die Preise im Jumbobereich, also bei Häusern über 500.000 Dollar, waren 40 Prozent zu hoch. Gerade dieses Segment wird noch gewaltig unter die Räder kommen, denn es gibt so gut wie keine Finanzierungen dafür im Moment.

          Immer öfter hört man , wir hätten das Tief der Krise gesehen. Glauben Sie nicht daran?

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