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Im Gespräch: Asoka Wöhrmann, DWS : „Wir machen unsere Rentenfonds krisenfester“

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Asoka Wöhrmann, Mitglied der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft DWS Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Auch vermeintlich sichere Rentenfonds haben in der Finanzkrise gelitten. Der neue Anleihen-Chef von Deutschlands führender Fondsgesellschaft sagt erstmals, welche Lehren er aus der Krise zieht. Ein Gespräch mit Asoka Wöhrmann.

          Auch vermeintlich sichere Rentenfonds haben in der Finanzkrise gelitten. Der neue Anleihen-Chef von Deutschlands führender Fondsgesellschaft sagt erstmals, welche Lehren er aus der Krise zieht. Ein Gespräch mit Asoka Wöhrmann, Mitglied der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft DWS.

          Herr Wöhrmann, Anleger kaufen Rentenfonds, weil sie Sicherheit und verlässliche Renditen wollen. Dennoch hat die Finanzkrise 2008 viele Rentenfonds voll getroffen. Was sagen Sie den Anlegern?

          2008 ist mit der Lehman-Pleite der Kreislauf der Finanzwelt kollabiert. Wir reden von einer Krise, aber dieses Ereignis war ein Schock, nicht nur für unsere Branche. Im Oktober haben wir mehr als 10 Milliarden Euro Abflüsse aus Rentenfonds und Geldmarktfonds verdauen müssen. Das sind 19 Prozent unseres Gesamtvermögens in diesen Anlagenklassen gewesen. Alle Anlageformen haben massive Wertverluste in kurzer Zeit erfahren.

          Wie gehen Sie mit dem Misserfolg um?

          Wir stellten bei unseren Kunden eine große Enttäuschung fest. Der Kunde sagte sich: Ich bin der Sicherheit wegen in Renten gegangen, und Renten haben mich nicht vor dieser Finanzkrise geschützt. Das Verrückte in dieser Krise war: Der Anleger verlangt von einem Fondsmanager ein geringes Risiko und somit eine breite Diversifikation. Doch einzig und allein eine Monokultur mit deutschen Staatsanleihen hätte den Anleger vor Verlusten bewahrt, wenn er während der Finanzkrise verkauft hätte. Der geduldige Anleger aber profitiert heute wieder vom Nutzen der Diversifikation.

          Warum sollten sich die Anleger auf Rentenfonds einlassen und nicht direkt in Bundesanleihen investieren?

          Sicher kann man direkt investieren. Aber dazu muss man Zeit haben und ein guter Analyst sein. Wer uns vertraut hat, ist aus heutiger Sicht nicht enttäuscht: Nach dem unbestritten miserablen Jahr 2008 erreichten viele unserer großen Rentenfonds in diesem Jahr neue Allzeithochs und liegen deutlicher vor ihren Referenzindizes. Der Euro Bonds (Premium), der Eurorenta, der Euro Strategie (Renten), Dollarrenta, Euro-Gov Bonds - alle haben sie nur zehn Monate nach der Krise neue Rekordhochs erreicht.

          Eine Krise, die keine Verlierer kennt? Das ist schwer zu glauben.

          Am Ende haben die Anleger verloren, die im Februar 2009 verkauft haben.

          Würden Sie Ihren Freunden weiter Rentenfonds empfehlen?

          Aber sicher. Ich würde immer 50 bis 60 Prozent in Renten sparen. Einer meiner Lieblingsfonds ist der Euro Strategie (Renten), in dem ich einen Teil meines eigenen Vermögens angelegt habe. Den verfolge ich, seitdem ich bei der DWS bin, seit 1998 also. Seit 1996 hat der Fonds rund 90 Prozent an Wert gewonnen. Nennen Sie mir ein Investmentprodukt, das bei einer Schwankungsbreite von gerade mal 3,6 Prozent ein Plus von 90 Prozent geschafft hat, 5 Prozent jährlich.

          Gegen einen gewissen Anleihenanteil im Depot hat niemand etwas. Die Erfahrung jedoch zeigt, dass Rentenfonds vor Verlusten nicht immer schützen.

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