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Im Gespräch: Asoka Wöhrmann, DWS : „Die Sparer werden zugunsten der Schuldner leiden“

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Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der DWS Bild: Schmitt, Felix

Manipulierte Märkte für Staatsanleihen und negative reale Renditen: Asoka Wöhrmann sieht viele Anleger auf diese Situation schlecht vorbereitet.

          Herr Wöhrmann, immer häufiger fällt in der Krise der Begriff Finanzrepression (“financial repression“). Was ist das?

          Zunächst einmal kann ich Ihnen sagen, dass der Begriff wirklich erschreckt - auch wenn Sie darüber vor Finanzvertrieben reden. Finanzrepression beschreibt zunächst einmal ganz allgemein einen Zustand, in dem das reale Zinsniveau in einer Volkswirtschaft für eine lange Zeit negativ ist, also zum Beispiel die Verzinsung von Staatsanleihen nicht ausreicht, um wenigstens den Geldwertverlust durch Inflation auszugleichen.

          Das gleicht einer Besteuerung der Ersparnis durch die Hintertür?

          So ist es. Finanzrepression charakterisiert sich aber nicht nur durch ein Umfeld negativer Realzinsen. Sie wird auch durch die Kombination einer sehr expansiven Geldpolitik mit Leitzinssätzen nahe null Prozent umgesetzt, einer stärkeren Regulierung des Finanzsektors und auch der Kapitalströme.

          Kommt das auf uns zu?

          Davon gehe ich aus. Vielfach befinden wir uns bereits in dieser Situation.

          Wieso?

          Kurz gesagt ist das eine der Folgen der weltweiten Finanzkrise. Überall dort, wo eine Preisblase geplatzt ist, haben die privaten Haushalte und auch die Unternehmen angefangen, massiv zu sparen, während der öffentliche Sektor spiegelbildlich dazu entsparte. Dieser Entschuldungsprozess oder diese Bilanzrezession, also das Schrumpfen der Bilanzen des privaten Sektors, kann nur durch ein sehr niedriges Zinsniveau ermöglicht werden. Er schafft, weil sich dahinter ja ein substantieller Nachfragerückgang des privaten Sektors verbirgt, eine rezessive wirtschaftliche Umgebung. Tendenziell drohen Deflation und Depression.

          Warum muss das Zinsniveau niedrig sein, damit die Schulden sinken?

          Gewöhnlich sind in einer Volkswirtschaft die Unternehmen und der Staat hoch verschuldet. Sie zahlen wesentliche Teile ihrer Schulden regelmäßig dadurch zurück, dass sie neue Schulden aufnehmen, indem sie also ihre Schuldenlast rollen. Ein bewährter und nicht sehr ruckartiger Mechanismus, mit dem sie ihre Schuldenlast über die Zeit verringern können, besteht nun darin, dass sie zu niedrigeren Verzinsungen rollen. So ein Prozess braucht Zeit, wirkt aber. Heute sind viele Staaten in einer prekären Finanzlage. Ab einer Verschuldung von 90 Prozent zum BIP wird es kritisch. Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff haben nachgewiesen, dass dann das Wachstum um mindestens einen Prozentpunkt sinkt.

          Steckt die Welt in einer Bilanzrezession?

          Japan seit mehr als 20 Jahren, nach den geplatzten Immobilienpreisblasen mittlerweile auch die Vereinigten Staaten und Spanien und wegen des problembehafteten Finanzsektors auch Großbritannien. Ein typisches Zeichen sind beispielsweise die steigenden Kreditausfallraten in Spanien, die zeigen, dass am Immobilienmarkt die Preise eigentlich weiter runter müssen. Bisher sind sie von der Spitze um rund 25 Prozent gefallen. In einigen Regionen wird am Ende mehr als das Doppelte gemessen werden können. Im Grunde steckt nahezu die gesamte westliche Welt in einer Bilanzrezession. Eine der wenigen Ausnahmen dabei ist übrigens Deutschland.

          Wir hatten keinen Immobilienboom.

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