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Im Gespräch: Asoka Wöhrmann, DWS : „Die Sparer werden zugunsten der Schuldner leiden“

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Ja, da konnte einfach gesagt nichts platzen. Deutschland ist damit aber auch unter den großen OECD-Ländern wirklich die Ausnahme. Der Unternehmenssektor befindet sich in Deutschland in einem Finanzdefizit, wie das nach dem Lehrbuch sein sollte. Das liegt auch daran, dass die deutschen Unternehmen eine große internationale Basis haben für ihr Geschäft und trotz der Krise in Europa eben weiter investieren. Im Durchschnitt ist die Staatsverschuldung in den OECD-Ländern infolge der Finanzkrise 2007/2008 mittlerweile allerdings eben auf ein Niveau von mehr als 100 Prozent. Davon müssen diese Länder runter, und jetzt kommen wir von der Bilanzrezession zur Finanzrepression, die eine der wichtigen Möglichkeiten ist, um das erreichen zu können.

Was sind die Alternativen?

Wenn Sie die Geschichte betrachten, dann gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten, wie sie von einem hohen Schuldenberg runterkommen können: Die erste ist die der Konsolidierung. Sie führt immer zur Rezession, und da kommen wir natürlich in das Dilemma, dass eine Rezession niemand will. Weder die Politiker, die wie wir ja sehen können, überall da, wo Rezession herrscht, abgewählt werden, auch nicht die Bevölkerung, zumindest nicht diejenigen, die beispielsweise von hoher Arbeitslosigkeit betroffen sind. Und die Teilnehmer an den Finanzmärkten schließlich auch nicht, es gibt sogar Handelsmodelle, die automatisch auf fallende Aktienkurse setzen, sobald technisch eine Rezession festgestellt wird.

Wie sehen die anderen Möglichkeiten aus?

Die zweite Option ist der Schuldenschnitt. Die wurde in Griechenland durchgeführt, und wir haben auch in diesem Fall gesehen, welchen Stress es nicht nur an den Finanzmärkten im Vorfeld dazu gegeben hat. Außerdem erleben wir, was passiert, wenn einem Land ein solcher Schuldenschnitt erlaubt wird (ein Bond mit dem Nominalwert von ehemals 100 ist dadurch etwa 20 wert): Nicht nur kommen die angekündigten Privatisierungen in Griechenland nicht voran. Den größten Protest gegen diese Umschuldung gibt es in Griechenland selbst. Die Sparer Griechenlands sind enteignet worden. Für mich zeigt dieser ganze Prozess, dass sich das nicht wiederholen darf und für andere Länder des Euroraums auch nicht debattiert werden sollte.

Ohne Konsolidierung und Schuldenschnitt bleibt nur Finanzrepression?

Ja. Ich denke, dass dieses Mittel gewählt werden wird und auch schon im Einsatz ist. Zum Beispiel kreieren die großen Zentralbanken wie etwa die Federal Reserve negative Realzinsen, indem sie nahezu die gesamte Zinskurve manipulieren über Anleihekaufprogramme und niedrige Leitzinssätze. Ein weiterer Weg besteht in der Monetarisierung der Staatsschulden: Der Republikaner Ron Paul hat beispielsweise ein Gesetzesvorschlag eingebracht, die von der Fed gehaltenen Treasuries einfach zu streichen, das ist eine bemerkenswert ehrliche Form der Monetarisierung der Staatsschuld.

Wir haben mehr Regulierungen.

Genau. Auch hier können wir in den Vereinigten Staaten bleiben, wo durch die Volcker-Rule der Eigenhandel der Banken auf amerikanische Staatsanleihen und keine fremden Staatsanleihen mehr beschränkt wurde.

Gibt es in Europa Finanzrepression?

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