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Illegaler Insiderhandel : Hedgefonds-Star Cohen bekommt neuen Ärger

  • -Aktualisiert am

In Bedrängnis: SAC Capital-Gründer Steven Cohen Bild: REUTERS

Die Staatsanwaltschaft wirft einem engen Vertrauten von SAC Capital-Gründer Steven Cohen illegalen Insiderhandel vor. Seine Ex-Frau hält die Machenschaften des amerikanischen Hedgefonds für „kriminell“.

          2 Min.

          Steven Cohen, der Gründer des Hedgefonds SAC Capital und einer der größten Stars der Branche, verbringt keine gute Woche. Die Staatsanwaltschaft kreist ihn wegen des seit Jahren schwelenden Verdachts auf Insiderhandel immer stärker ein. Dazu hat ein New Yorker Berufungsgericht eine schon abgewiesene Millionenklage seiner ehemaligen Frau wieder zugelassen. Ihre Vorwürfe richten sich auch gegen seinen Fonds. Sie bezeichnet SAC Capital in der Klageschrift als ein Produkt „krimineller Geschäfte“ von Insiderhandel über Bankbetrug bis zur Geldwäsche.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

              Dabei hatte es Mitte März noch so ausgesehen, als könnte Cohen den Druck der Behörden auf seinen Hedgefonds, der bereits zur Flucht nervös gewordener Kunden geführt hatte, etwas lindern. SAC Capital hatte sich wegen der Insidervorwürfe mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC erstmals auf einen außergerichtlichen Vergleich von insgesamt 616 Millionen Dollar geeinigt.

              Der Fonds SAC Capital, der mehr als 13 Milliarden Dollar verwaltet, legte mit dieser Rekordstrafe gleich zwei zivilrechtliche Klagen bei. Die Börsenaufsichtsbehörde SEC hatte einer Tochtergesellschaft des Hedgefonds vorgeworfen, aufgrund vertraulicher Informationen über Ergebnisse eines Arzneimitteltests auf illegale Weise einen Gewinn von 276 Millionen Dollar erzielt zu haben. Die Tochtergesellschaft, CR Intrinsic Investors, verkaufte Aktien der Pharmakonzerne Elan und Wyeth, nachdem ein Arzt einen Fondsmanager über Schwierigkeiten mit einem Alzheimer-Medikament der Unternehmen informiert hatte. Im zweiten Fall ging es um den Verdacht auf illegalen Handel mit Technologieaktien, darunter Aktien des Computerherstellers Dell. Im Rahmen des Abkommens musste SAC Capital allerdings keine Schuld anerkennen. Damit fallen die Erfolgschancen von weiteren Anlegerklagen.

              Weniger als zwei Wochen nach dem Vergleich wurde bekannt, dass Cohen dem Kasino-Mogul Stephen Wynn das Picasso-Gemälde „Le Rêve“ für einen dreistelligen Millionenbetrag abgekauft hatte. Um den naheliegenden Eindruck zu vermeiden, dass Cohen die Strafe der SEC nicht kümmert, stellte sein Kunstberater Sandy Heller jetzt in der „New York Times“ klar, dass der Kauf schon im November vereinbart worden sei. Das Bild solle zudem nicht 155 Millionen Dollar, wie zunächst kolportiert, sondern „nur“ 150 Millionen Dollar gekostet haben. Der 56 Jahre alte Cohen, dessen Vermögen auf rund 9 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist als Kunstsammler bekannt. Nicht korrigiert wurden Meldungen, dass Cohen sich im März für 60 Millionen Dollar ein neues Anwesen in East Hampton gekauft hat, der beliebten Sommerfrische reicher New Yorker.

              Seitdem reißen die schlechten Nachrichten für Cohen nicht ab. Ein Richter weigerte sich Ende März, einen Teil des Vergleichs mit der SEC abzusegnen. Der zuständige Bundesrichter Victor Marrero fand es „ungereimt und nicht eingängig“, dass SAC die Klage der Börsenaufsicht mit 600 Millionen Dollar beerdigen darf, ohne sich schuldig zu bekennen. Marrero will die Angelegenheit überprüfen. Kurz darauf führten Agenten der Bundespolizei FBI den langjährigen SAC-Fondsmanager Michael Steinberg in Handschellen aus seiner Wohnung an der feinen Park Avenue in New York ab. Steinberg wird ebenfalls Insiderhandel mit Aktien von Dell vorgeworfen. Der Vertraute von Cohen, ist der bisher höchstrangige SAC-Händler, der in den Fall verwickelt ist. Er beteuert seine Unschuld. Seit 2009 haben sich aber schon sechs ehemalige Mitarbeiter von SAC Capital des Insiderhandels schuldig bekannt oder sind verurteilt worden. Die Behörden versuchen, die Verdächtigen gegen Aussicht auf Strafmilderung zur Kooperation zu bewegen. Ein ehemaliger Analyst von SAC, der direkt an Steinberg berichtete, hatte sich schuldig bekannt, illegal erworbene Informationen für den Handel mit Dell-Aktien genutzt zu haben - und Steinberg danach belastet.

              Nach Medienberichten haben SAC-Kunden wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte schon insgesamt 1,7 Milliarden Dollar abgezogen. Mit dem restlichen Geld geht SAC Capital seinen normalen Geschäften nach. In dieser Woche hat der Hedgefonds bekanntgegeben, auf fallende Aktienkurse der deutschen Commerzbank zu wetten.

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