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Vermögensverwaltung : Illiquide Anlagen sind Trumpf

Wer vor hundert Jahren in einen amerikanischen Aktienindex investierte, wird es heute nicht bereuen. Illiquide Kapitalanlagen sollten man darüber aber nicht vergessen Bild: AFP

Verwalter von Privatvermögen haben es in Zeiten des Niedrigzinses nicht leicht. HQ Trust aus Bad Homburg setzt bereits seit Jahrzehnten auf Private Equity und Immobilien. Von Anleihen rät er ab.

          3 Min.

          Die sehr niedrigen Zinsen stellen viele Vermögensverwalter vor Herausforderungen. Das gilt auch für die Verwalter großer Familienvermögen, vor allem dann, wenn die Maxime nicht nur Kapitalerhalt, sondern Kapitalwachstum heißt. Bei HQ Trust in Bad Homburg setzt man auf eine Strategie, die dort schon seit drei Jahrzehnten verfolgt wird. „Aus strategischer Sicht sind illiquide Kapitalanlagen wie Private Equity und Immobilien unerlässlich“, sagt Geschäftsführer Reinhard Panse. Als die meisten deutschen Vermögensverwalter noch vorwiegend auf Wertpapiere schauten, investierten die Verwalter des Vermögens der Erben des Industriellen Harald Quandt bereits in Beteiligungskapital („Private Equity“). An dieser Präferenz hat sich nach den Worten Panses bis heute nichts geändert: „Auf Aktien und Private Equity sollten mehr als 50 Prozent des Vermögens entfallen. Dabei sollte mehr Geld in Private Equity als in Aktien angelegt werden.“

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Panse hat eindrucksvolle Zahlen zur Hand. Wer vor 100 Jahren in den Vereinigten Staaten 100 Dollar in einen Aktienindex anlegte, besitzt heute unter der Annahme einer Wiederanlage von Ausschüttungen und ohne die Berücksichtigung von Steuern und Gebühren der Kapitalanlage knapp 1,3 Millionen Dollar. Wer im Jahre 1914 dagegen 100 Dollar in Wohnimmobilien anlegte, kommt heute auf ein Vermögen von 80.000 Dollar. Und wer vor 100 Jahren Anleihen bevorzugte, besitzt heute lediglich 12.800 Dollar. Aktien haben, und das gilt nicht nur für die Vereinigten Staaten, über einen längeren Zeitraum fast immer Anleihen geschlagen.

          Keine extremen Überbewertungen am Aktienmarkt

          Beteiligungskapital war in den vergangenen Jahrzehnten aber noch besser als Aktien. Der Grund ist einfach: In einem Unternehmen, dessen Vorstand von Private-Equity-Firmen kontrolliert wird, kann vom Vorstand eher eine eigentümerfreundlichere Geschäftspolitik erwartet werden als in einer Aktiengesellschaft, in der keine großen Investoren den Vorstand beeinflussen können. In der Vergangenheit lieferte Beteiligungskapital daher im Durchschnitt 6 bis 7 Prozent höhere Renditen im Jahr als Aktien.

          So hoch dürfte die Überrendite in den kommenden Jahren nicht mehr ausfallen, da viel Geld in Beteiligungskapital fließt, aber interessante Anlageobjekte nicht leicht zu finden sind. Aber um rund 3 Prozent im Jahr könnte Beteiligungskapital gegenüber Aktien immer noch besser abschneiden.

          Aktien bleiben weiterhin eine vielversprechende Anlage, aber sind sie aktuell nicht zu hoch bewertet? „Am Aktienmarkt liegen bisher keine extremen Überbewertungen vor“, sagt Panse. „Amerikanische Aktien sind zwar recht teuer, aber dies reflektiert die bessere Krisenpolitik, die gesunkenen Schulden vieler Unternehmen und die hohe Qualität der Unternehmensbilanzen.“ In Europa dürfte die weltweit lockere Geldpolitik die bisher durch die Euro-Krise belasteten Unternehmensgewinne zumindest bis zum Jahr 2016 unterstützen.

          Anleihen sind unattraktiv

          Aktien sind nach dieser Lesart sogar etwas attraktiver als Immobilien, die man in Bad Homburg aber grundsätzlich auch als Bestandteil einer sinnvollen langfristigen Anlagestrategie betrachtet. So boten deutsche Immobilien an guten Standorten seit dem Jahr 1975 einen soliden Schutz gegen Inflation sowie wachsende Erträge, und auch in den Vereinigten Staaten waren Wohnimmobilien als Inflationsschutz geeignet. Die Preissteigerungen der jüngeren Vergangenheit wecken hier und da Sorgen um eine spekulative Blase, die Panse allerdings derzeit nicht erkennen kann: „Die Preise für erstklassige Immobilien sind stark gestiegen. Dennoch sehen wir am Immobilienmarkt derzeit keine Spekulationsblase.“

          Gar nicht empfehlen kann man bei HQ Trust allerdings den Rentenmarkt. „Anleihen sind aus unserer Sicht sehr unattraktiv, da angesichts der hohen Schulden in vielen Ländern die Renditen noch lange Zeit niedrig bleiben müssen“, sagt Panse. „Dafür wird die Geldpolitik sorgen. Der Zusammenhang, dass hohe Risiken mit hohen Renditen einhergehen, wird damit außer Kraft gesetzt.“ Denn nicht nur die Renditen von Anleihen mit sehr guter Bonität sind stark gesunken, auch die sogenannten Hochzinsanleihen von Schuldnern minder guter Bonität bringen nicht viel. „Sowohl bonitätsstarke Anleihen als auch Hochzinsanleihen sind wesentlich unattraktiver als Aktien“, findet Panse.

          Andererseits bevorzugen Anlagevorschriften für Großanleger den Erwerb von Staatsanleihen. Das führt dann dazu, dass die Aktienquote deutscher Lebensversicherer in einem Umfeld, das für Aktien und gegen Anleihen spricht, mit nur noch 3 Prozent einen Tiefpunkt erreicht hat.

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