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Hoher Goldpreis : Opas Goldring verkauft sich nur mit Verlust

Wieviel gibt's für den goldenen Ring? Bild: REUTERS

Der Goldpreis ist hoch wie nie. Verständlich, dass der ein oder andere auf die Idee kommt, Goldschmuck zu Geld zu machen. Ist das wirklich lukrativ? Philip Eppelsheim hat einige Edelmetallhändler besucht und sich erkundigt, wieviel sie für den geerbten Ring seines Großvaters bieten.

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          Gold ist so teuer wie nie. Also müsste sich doch auch der geerbte Ring von Opa zu Geld machen lassen. Zumal Opa damals gesagt hat: „Pass gut darauf auf. Der ist eine Menge wert.“ Zugegeben: Er hat auch gesagt, dass der Ring in der Familie bleiben soll. Aber ehrlich gesagt ist das gute Stück nicht gerade schön, und noch nie war die Gelegenheit so günstig. „Goldankauf“ verkündet ein Schild gegenüber dem Frankfurter Hauptbahnhof und verweist in den Innenraum von „Dubai Gold“. Und schon ist der Ring dem prüfenden Blick von Saleh Younis ausgesetzt. „585er“, murmelt er, die Waage zeigt 4,5 Gramm. „Aber der Stein wiegt mindestens ein Gramm.“

          Philip Eppelsheim
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Also 3,5 Gramm Gold. Na, das muss doch etwas bringen, zumal ein Zettel hinter Younis die gestiegenen Goldpreise verkündet: „Liebe Kunden, der Verkaufspreis ist aufgrund des erhöhten Goldpreises 15 Prozent höher als auf den Etiketten angegeben.“ Aber das gilt leider nur für Schmuck. „30 Euro“, sagt er. Mehr sei nicht drin. Er bezahle in der Regel den halben Preis des Verkaufswerts. Opas Ring ist nur 60 Euro wert? „Wir zahlen nur nach Goldgewicht. Die Verarbeitung und der Hersteller sind egal.“

          30 Euro und dann einfach einschmelzen?

          Immer mehr Menschen verkaufen ihren Familienschmuck. 2007 habe er 30 Prozent mehr Gold angekauft als 2006, sagt Younis. Und im Januar und Februar seien es wieder 16 Prozent mehr gewesen als im Vorjahr. Im Schaufenster landet allerdings keines der angekauften Schmuckstücke. „Das wäre peinlich, wenn jemand vor einer halben Stunde seinen Schmuck verkauft hat und dann sieht, dass wir ihn für das Doppelte verkaufen.“ Deshalb werden die angekauften Goldstücke eingeschmolzen.

          Aber soll Opas Ring so enden: 30 Euro und dann einfach eingeschmolzen? Da muss doch mehr drin sein. Also weiter. Nach 500 Metern das nächste Schild: Goldankauf. Wieder liegt Opas Ring auf einer kleinen Schale. Elmali Vedat, der sich hinter „Pascha Juwelier“ verbirgt, behauptet, dass es nirgends so viel Geld für Altgold gebe wie bei ihm. „Erst letzte Woche war ein Polizist aus Marburg da. Ich habe ihm 220 Euro geboten, in Marburg wollten sie ihm nur 129 Euro geben.“ Der Grund sei die hohe Konkurrenz. Überall im Bahnhofsviertel wollten Geschäftsleute mit Goldankauf ihr Geld verdienen, das hebe den Preis. „Die springen angesichts der steigenden Goldpreise alle auf den fahrenden Zug auf.“ Er selbst sei seit 1990 im Bahnhofsviertel ansässig. „Hm, portugiesisches Gold“, sagt er. „Woher haben Sie das?“ - „Spielt das eine Rolle?“ - Nein, aber er brauche den Personalausweis und die schriftliche Bestätigung, dass es kein Diebesgut sei.

          „Liebhaber zahlen mehr“

          Wieder zeigt die Waage 4,5 Gramm, wieder wird der Stein auf ein Gramm geschätzt. „35 Euro“, sagt Vedat. Allerdings müsse der Ring zersägt werden, um sicher zu gehen, dass er aus Gold sei, denn auf Stempel könne man sich heutzutage nicht verlassen. „Viele Leute versuchen zu betrügen. Gerade aus Osteuropa kommen viele gefälschte Stücke.“ Dabei gehe es den Juwelieren sowieso schlecht. Die Schmerzgrenze sei erreicht, Gold sei zu teuer. Niemand wolle kaufen. „Sehen Sie diese Uhr. Die habe ich vor drei Jahren gekauft. Jetzt lasse ich sie einschmelzen.“

          Trotz des Rekordpreises am Goldmarkt ist der Verkauf von Schmuck kein gutes Geschäft. Der Preis, den man einst bezahlt habe, lässt sich nicht erzielen. Fertigungskosten, Marken - das interessiert Goldankäufer nicht. Er gebe immer zwei bis drei Euro pro Gramm weniger als der Marktwert sei, sagt Vedat. Schließlich müsse er an seinen Profit denken. Es sei oft sinnvoller, Schmuck - gerade wenn er aufwendig verarbeitet ist - privat zu verkaufen. „Liebhaber zahlen mehr“, weiß Vedat. Wie er so den Ring anschaut, ist das in diesem Fall wohl nicht so. „Für 90 Euro würde ich den wohl verkaufen“, sagt Vedat. Ein Ehepaar betritt das Geschäft, bietet goldene Armreife an. Zeit für Vedat, das Gespräch zu wechseln. „Die meisten Leute, die Gold verkaufen, machen es, weil sie es müssen“, sagt er noch.

          Für Opas Ring muss doch mehr drin sein. Ein Juwelier neben einem Luxushotel in der Frankfurter Innenstadt bietet mehr. „50 Euro“, sagt der Juwelier nach der üblichen Prozedur. Mit Schmuck sei es wie mit Autos, erzählt der Mann. Ein Neuwagen sei schließlich mehr wert als ein Gebrauchtwagen, und dieser Ring definitiv Letzteres. Wenn Opa das wüsste.

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