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Hoher Bonus für Citigroup-Händler : Gehaltsdebatte an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Soll amerikanischen Managern künftig zeigen, wo es gehaltsmäßig langgeht: Kenneth Feinberg Bild: ASSOCIATED PRESS

Obwohl die Citigroup Staatshilfen über 45 Milliarden Dollar erhalten hat, will sie einem Händler einen Bonus über 100 Millionen Dollar zahlen. Der Fall wird nun zum ersten Test für den „Gehälter-Zar“ Kenneth Feinberg.

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          An der Wall Street gewinnt die Debatte um Gehälter von hochrangigen Bankangestellten wieder an Fahrt. Ins Zentrum der Diskussion ist der 58 Jahre alte Chef der Energiehandelssparte Phibro bei der Großbank Citigroup gerückt. Andrew Hall, der unter anderem auf den Ölpreis wettet, hatte im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Dollar verdient. Auch in diesem Jahr sollen die Geschäfte bei Phibro gut laufen, berichtet das „Wall Street Journal“. Der Vertrag von Hall, der eine Beteiligung am Gewinn vorsieht, könnte ihm also auch in diesem Jahr eine ähnlich hohe Vergütung bringen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Vor ein paar Jahren hätte Hall das einen Platz auf der Rangliste der Spitzenverdiener an der Wall Street garantiert, die das Fachblatt „Trader Monthly“ einmal im Jahr veröffentlichte. Es wäre in Händlerkreisen mit Bewunderung zur Kenntnis genommen worden und hätte sonst kaum jemanden interessiert. In diesem Jahr dürfte das anders werden, obwohl „Trader Monthly“ ein Opfer der Finanzkrise wurde und deswegen keine Listen mehr verbreitet. Das Gehalt von Hall könnte beispielhaft für den Umgang mit der Vergütung bei den Banken werden, die staatliche Hilfen bekommen. Die Citigroup hatte im vergangenen Jahr 45 Milliarden Dollar erhalten. Die Regierung wird bald ein Drittel des Aktienkapitals halten.

          Anleihefachmann mit sechs Millionen Dollar gelockt

          Halls Gehalt wird auch ein erster Test für den „Gehälter-Zar“ Kenneth Feinberg werden. Der Anwalt war im vergangenen Monat von Finanzminister Timothy Geithner mit der Festlegung von Gehältern und Bonuszahlungen für Vorstände und ranghohe Mitarbeiter bei sieben Banken und Unternehmen betraut worden, die ihre staatlichen Hilfen noch nicht zurückgezahlt haben. Finanzielle Anreize für kurzfristige Gewinne hatten zur nachlässigen Bewertung von Risiken geführt und so einen Beitrag zur Finanzkrise geleistet. Die sieben Konzerne, darunter auch der Versicherer AIG und die Autohersteller General Motors und Chrysler, müssen bis Mitte August Vorschläge für Gehaltspakete unterbreiten. Geplante Boni von 165 Millionen Dollar für Manager von AIG hatten kürzlich zu einem öffentlichen Aufschrei geführt.

          Hall ist nicht der einzige Händler, der bei staatlich gestützten Banken Millionen verdient. Die Bank of America lockte jüngst einen Anleihefachmann mit einem garantierten Zweijahresvertrag. Im ersten Jahr soll er rund 6 Millionen Dollar in Aktien und bar erhalten. Die Citigroup bot fast 2 Millionen Dollar beim Versuch, einen Manager für ihre Prime-Brokerage-Sparte von der Deutschen Bank abzuwerben. Die Sparte kümmert sich um Finanzierung und Handel mit großen Hedge-Fonds. Der Mann blieb schließlich aber bei der Deutschen Bank, offenbar weil die Zukunft der Citigroup und das garantierte Gehalt zu unsicher schien.

          Wer teure Hobbys hat, will nicht verzichten

          Im Fall des Energiehändlers Andrew Hall gerät die Citigroup nun in eine Zwickmühle. Hall drohte mit der Kündigung, falls die Bank seinen Vertrag auf Druck der Regierung verändern will. Es drohen in diesem Fall zudem rechtliche Konsequenzen. Belässt die Bank den Vertrag in der jetzigen Form, könnte allerdings der politische und öffentliche Druck auf die Citigroup zunehmen. Zudem könnte die Bank bei einem Rückzug von Hall die oft hohen Gewinne von Phibro nicht mehr verbuchen. Hall scheint nicht der Typ zu sein, der sich auf einen Kompromiss einlässt. Er führt seinen Bereich seit langem unabhängig.

          Ende 2007 wehrte er sich mit Erfolg gegen einen Plan der Citigroup, Phibro mit dem Rest ihrer Vermögensverwaltung zu fusionieren. Das hätte das Ausmaß seiner Wetten begrenzt. Ein Gehaltsverzicht kommt für Hall wohl auch nicht in Frage. Dazu pflegt der gebürtige Brite zu teure Hobbys. Er gehört zu den bekanntesten Sammlern zeitgenössischer deutscher Kunst. Erst vor drei Jahren hat Hall das Schloss Derneburg bei Hildesheim vom deutschen Maler Georg Baselitz gekauft - samt Inhalt.

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