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Investmentfonds : Hohe Mittelabflüsse aus Hedgefonds

Hedgefonds-Manager wie John Paulson sind selten beliebt - derzeit auch nicht mehr so sehr bei den Anlegern. Bild: dpa

15 Milliarden Dollar wurden im ersten Quartal aus Hedgefonds abgezogen. Hauptgrund ist wohl das Missverhältnis zwischen hohen Gebühren und schwacher Wertentwicklung.

          Hedgefonds sind derzeit unter Investoren wenig gefragt. Insgesamt 15,1 Milliarden Dollar wurden nach Daten des Forschungsinstituts Hedge Funds Research im ersten Quartal aus dieser sehr heterogenen Anlageklasse abgezogen. Dies waren nicht nur die höchsten Abflüsse seit sieben Jahren, sondern auch das erste Mal seit dem Jahr 2009, dass in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen netto Geld abgezogen wurde. Im vierten Quartal 2015 waren die Abflüsse mit 1,52 Milliarden Dollar noch deutlich geringer gewesen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn 15 Milliarden Dollar viel Geld sind, so entspricht dies nur 0,5 Prozent des von Hedgefonds verwalteten Vermögen von 2,9 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Aus deutschen Hybridfonds, die überwiegend in Wandelanleihen und Genussscheine investieren, wurden im Januar und Februar netto 600 Millionen Euro abgezogen. Das waren knapp 9 Prozent des dort investierten Vermögens.

          New York lässt Hedgefonds-Investments fallen

          Nichtsdestoweniger zeigen sich Hedgefonds-Anleger nicht zufrieden. Das könne sie auch nicht sein, vor allem nicht angesichts des selbst gesteckten Anspruchs der Anlageklasse, in jeder Marktphase Gewinne erwirtschaften zu können. Im Durchschnitt verloren Hedgefonds im vergangenen Jahr 2015 rund 3,6 Prozent an Wert, nachdem sie schon 2014 mit einem Minus von 0,6 Prozent abgeschlossen hatten. Ebenso hoch war das Minus des ersten Quartals.

          Hinzu kommen die hohen Gebühren, die an der bescheidener als erhofft ausgefallenen Rendite zusätzlich nagen: So hat der Pensionsfonds der Stadt New York City in der vergangenen Woche beschlossen, sein 1,5 Milliarden Dollar umfassendes Hedgefonds-Portfolio aufzulösen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Rendite rechtfertige die hohen Gebühren nicht. Üblicherweise beträgt die Managementgebühr rund 2 Prozent. Hinzu kommt häufig eine Gewinnbeteiligung von 20 Prozent.

          Für die Ohren deutscher Fonds-Anleger mag das nicht nach allzu viel mehr klingen als das, was konventionelle Investmentfonds verlangen. Doch wenn man von einem kleinen Brötchen mehr behalten kann, so macht das doch eher satt.

          Die Manager sollten lieber ihre Sommerhäuser und Privatflieger verkaufen und den Anlegern die Gebühren zurückerstatten, sagte eine Sprecherin des Pensionsfonds der „Financial Times“. Einige Hedgefonds wie Michael Platt’s Blue Crest Capital, einer der größten europäischen Anbieter, haben auch erklärt, dies in die Tat umsetzen zu wollen.

          Paulson & Co. leiden am stärksten

          Es sind vor allem die großen Namen, die zu leiden haben. John Paulson, der dadurch berühmt wurde, dass er im Vorfeld der Finanzkrise gegen den Immobilienmarkt gewettet hatte, verlor mit seinen Fonds, die mit Unternehmen in Sondersituationen Geld verdienen sollen, im ersten Quartal 15 Prozent an Wert. Ray Dalios Pure Alpha Fonds verlor 6,7 Prozent und Bill Ackmans aktivistischer Pershing Square Capital Management Fund, der Renditen aus der Einmischung in die Unternehmensführung erwirtschaften soll, sogar 25,6 Prozent.

          Große Fonds weisen naturgemäß auch die höchsten Mittelabflüsse auf. Zwei Drittel der Mittelabflüsse entfielen auf Firmen, die mehr als 5 Milliarden Dollar an Vermögen verwalten. Die vom Milliardär Paul Tudor Jones gegründete Tudor Investment musste Abflüsse von einer Milliarde Dollar verkraften, ebenso wie Och-Ziff, das größte Hedgefonds-Unternehmen an der Börse.

          Dagegen schenken die Investoren kleinen Investmentboutiquen mehr Vertrauen. Diese verbuchten einen Nettozufluss an Mitteln in Höhe von 730 Millionen Dollar. Und es waren auch nicht alle Fonds dieser heterogenen Anlageklasse gleich betroffen. So wurde das meiste Geld aus charttechnisch orientierten, aktivistischen und auf Sondersituationen setzenden Fonds abgezogen. Dagegen flossen auf Fusionen spezialisierten Fonds ebenso Mittel zu wie Multi-Strategie-Rentenfonds.

          Dabei folgen die Mittelabflüsse nicht immer der Wertentwicklung, wenn sich auch grob sagen lässt, dass die Flüsse meist aus besonders schlecht gelaufenen Anlageklassen in solche gingen, die sich besser entwickelt haben. Doch sehr mutig agieren die Anleger dabei nicht. Denn die beste Entwicklung verzeichneten mit Russland- und Lateinamerika-Fonds diejenigen Investoren, die in Märkten angelegt haben, die als Krisenregionen gelten.

          Letztlich müssen Hedgefonds ihrem, zum Teil selbst kreierten Mythos Tribut zollen: Sie können erstens eben nicht in jeder Marktphase Gewinne erwirtschaften. Das dürfte besonders dann gelten, wenn die Märkte verunsichert sind und es an klaren, längerfristigen Investmentthemen fehlt, auf die man setzen oder gegen die man spekulieren kann.

          Zweitens sind sie auch letztlich nur Investmentfonds. Das bedeutet, dass sie an strategische Vorgaben gebunden sind. Wenn eine Strategie schlecht läuft, weil sie nicht in das Marktumfeld passt, kann auch ein Hedgefonds-Manager nicht einfach etwas anderes tun, als das, wofür die Investoren ihm Geld gegeben haben.

          Drittens können auch Hedgefonds-Manager nicht übers Wasser gehen. Hinter der durchschnittlich schwachen Wertentwicklung verbergen sich Wertverluste von mehr als 20 Prozent in einem und Wertzuwächse von mehr als 50 Prozent im anderen Fonds. Vielmehr machen auch Hedgefonds-Manager Fehler, halten zu lange an einst erfolgreichen Strategien, macht sie der Erfolg überheblich oder Misserfolg unsicher.

          Viertens sind auch Hedgefonds-Investoren nicht weniger kurzatmig als Investoren in klassischen Investmentfonds, von denen auch viele auch einigen verlustbringenden Monaten nervös werden und sich mit Vorliebe auf Fonds stürzen, die sich zuletzt gut entwickelt haben – obwohl das nichts über die Zukunft aussagt. Tatsächlich hat sich der Trend auch im März schon wieder umgekehrt. Nach Daten des Technologie-Unternehmens SS&C sind die Zuflüsse im Februar und März gestiegen. Gleichzeitig gewannen Hedgefonds im März wieder 2 Prozent an Wert.

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