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Anlagestrategie : Hohe Inflation ist eine Last für die Börsen der Schwellenländer

  • Aktualisiert am

Bild: Standard&Poors

Das verschollen geglaubte Inflationsgespenst hat sich speziell in den Schwellenländern wieder zurückgemeldet. Für die Börsen der betroffenen Länder ist das eine ernste Bürde.

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          Derzeit wird unter Anlegern und Volkswirten viel darüber diskutiert, wie sich die Kreditkrise auf die konjunkturelle Entwicklung der Schwellenländer auswirken wird. Und natürlich ist dies ein sehr wichtiger Einflussfaktor.

          Weil das Denken und Handeln derzeit aber viel vom schlagzeilenträchtigen Thema Kreditkrise überlagert, findet ein anderes Problem nicht so viel Beachtung, wie es eigentlich sollte. Gemeint ist damit die Inflation, die sich speziell in zahlreichen aufstrebenden Ländern eindeutig zurückgemeldet hat. So belief sich die Teuerungsrate in der Ukraine zuletzt auf gut 26 Prozent, in Sri Lanka auf 25 Prozent, in Lettland um fast 17 Prozent und in Russland auf gut 13 Prozent. Und von Merrill Lynch wird die Teuerungsrate für dieses Jahr im Schnitt für alle Schwellenländer auf 6,7 Prozent nach 5,3 Prozent im Vorjahr veranschlagt, was kein Pappenstiel ist.

          Etliche Notenbanken reagierten bereits mit Zinserhöhungen

          Noch wird in Expertenkreisen zwar heftig darüber gestritten, ob sich das Inflationsgespenst nur temporär anwesend ist oder künftig ein dauerhafter Gast auf den Finanzmärkten sein wird. Aber weil die Rohstoff- und Agrarrohstoffpreise vermutlich hoch bleiben werden, besteht die Gefahr eines länger anhaltenden Inflationsproblems. Vor allem die gestiegenen Lebensmittelpreise treffen dabei die Schwellenländer besonders hart. Denn je geringer die Einkommen sind (im Schnitt beläuft sich das Einkommen pro Kopf in den Emerging Markets auf rund 3.000 Dollar im Jahr), umso höher ist der Anteil der Ausgaben für Essen und Trinken. Wie gravierend das teilweise bereits zu Buche schlägt, lässt sich an den Unruhen und Revolten ablesen, zu denen es wegen zu hoher Lebensmittelpreise jüngst bereits gekommen ist.

          Während die amerikanische Notenbank in Reaktion auf die Kreditkrise eifrig ihre Leitzinsen senkt, sahen sich etliche Schwellenländer wie China, Indien, Russland, Brasilien öder Südafrika wegen der geschilderten Problematik bereits dazu gezwungen, ihre Leitzinsen zu erhöhen. Eine restriktivere Geldpolitik ist in der Regel aber kein gutes Umfeld für steigende Aktienkurse. Deshalb muss eindeutig konstatiert werden, dass wegen der gestiegenen Inflation die Aussichten der Schwellenländerbörsen deutlich zurückhaltender als zuvor eingestuft werden müssen. Dazu passt übrigens auch die Beobachtung, dass viele der in diesem Jahr besonders schlecht laufenden Börsen aus Ländern mit einer hohen Teuerungsrate kommen.

          Bewertungsexpansion dürfte zunächst vorbei sein

          Alec Young, Analyst beim amerikanischen Finanzdienstleister Standard & Poor´s befürchtet wegen der hohen Inflation auch weiterhin Bremsspuren an den von dieser Thematik betroffenen Aktienmärkten. Nach seinem Verständnis hat ein sehr vorteilhaftes Umfeld mit einem starken Wachstum und fallenden Inflationsraten zu einer Expansion der Bewertungen geführt. Im November, als der Index der Emerging Markets sein Rekordhoch erreichte, führte dieser Effekt bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,5 zu einer fast ähnlichen hohen Bewertung wie an den Börsen der entwickelten Ländern. Doch das Inflationsproblem könnte nun dazu führen, dass sich wieder ein Bewertungsabschlag etablieren wird.

          Das von Analysten erwartete Gewinnplus von gut 13 Prozent in diesem Jahr ist bei einer derzeit ähnlich hohen KGV-Bewertung zwar eine gewisse Stütze. Deswegen sollten auch jetzt nicht alle Schwellenländer automatisch ignoriert werden. Aber die Inflation ist sicherlich ein neuer Aspekt, der in den Jahren zuvor noch kaum eine Rolle spielte, den Investoren bei ihren Anlageentscheidungen jetzt unbedingt mit einbeziehen müssen.´

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