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Renditeerwartung : Hochvermögende sind bescheidener geworden

Stabilität statt Risiko: Superreiche sind bei Geldanlagen bescheiden geworden Bild: dpa

Laut Umfragen unter Family Offices investieren deren sehr reiche Kunden vor allem in vertraute Branchen. An erster Stelle steht für sie der Erhalt ihres Kapitals. Das sah vor fünf Jahren noch anders aus.

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          Hochvermögende Personen reden nicht gerne über Geld. Aber wenn sie oder ihre Honorarberater aus den Family Offices es tun, kommen teilweise unerwartete Ergebnisse zutage. So ist, wie aktuelle Umfragen nahelegen, die Risikoneigung der Multimillionäre und Milliardäre im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Wie die Family Offices, die sich um die Vermögensverwaltung, Anlageberatung und nicht selten auch um das Investment-Controlling kümmern, in Befragungen bekundeten, gehe es ihren Kunden mittlerweile weniger darum, eine hohe Rendite zu erzielen, sondern vor allem um den Erhalt des Kapitals.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Bei der Renditeerwartung sind sie im Vergleich zu 2010 bescheidener geworden“, sagte Professor Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanz Zentrum (BFZ), der gemeinsam mit dem Finanzunternehmen Complementa zum vierten Mal Family Offices zu Anlageverhalten und -strategie im Auftrag ihrer Kunden befragte.

          Family Offices werden zunehmend beliebter

          Zwar betonten weiterhin zwei Drittel von 92 Gesellschaften, die sich um das Vermögen einer Familie oder von mehreren Familien kümmern, dass der Kapitalerhalt an oberster Stelle stehe. Doch 64 Prozent hätten inzwischen eine Renditeerwartung von 0 bis 5 Prozent über die nächsten ein bis drei Jahre. 2010 hatten sich nur 38 Prozent derart genügsam gezeigt. Mehr als die Hälfte der zum damaligen Zeitpunkt befragten Family Offices erwartete eine Rendite von 5 bis 10 Prozent.

          Family Offices werden bei hochvermögenden Familien zunehmend beliebter, weil sie die Kapitalanlage individuell vornehmen, in der Regel unabhängig agieren von Banken und anderen Finanzinstituten und damit nicht so stark der Regulierung unterliegen. Single Family Offices oder Multi Family Offices, deren genaue Zahl hierzulande unbekannt ist, seien „eine verschworene Gemeinschaft“, sagte Complementa-Vorstandschef Heinz Rothacher. „Wir versuchen, diese dunkle Ecke des Finanzmarkts auszuleuchten.“ Die Ergebnisse, die das BFZ und Complementa zutage förderten, ähneln den Resultaten einer Umfrage der European Business School. Der zufolge behaupteten 48 Prozent der Family Offices, dass ihre Kunden risikoaverser geworden seien und dass 38 Prozent der Vermögenden am meisten Wert auf den Kapitalerhalt legten. Die Business School schätzt das Gesamtvolumen in dieser Sparte auf 180 Milliarden Euro.

          Laut der Umfrage von BFZ und Complementa würden Family Offices bei der Geldanlage vorsichtiger vorgehen als vor fünf Jahren. Hatten sich damals noch 39 Prozent als risikofreudig bezeichnet, so waren es diesmal nur noch 4 Prozent. 73 Prozent der Single Family Offices – vormals 31 Prozent – schätzen ihre sehr reichen Kunden als risikoneutral ein. „Das heißt aber nicht, dass sie riskantere Projekte scheuen“, sagte Banken-Professor Gerke. Sie wollen Liquidität und Anleihen weiter reduzieren, Anlagen in Aktien und Private Equity dagegen erhöhen. Derartige Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen – gerne auch gemeinsam mit weiteren Investoren – legen sie überwiegend über drei und mehr Jahre an. Besonders experimentierfreudig zeigen sich die Vermögenden bei den Unternehmen ihrer Wahl nicht. Start-ups sind deutlich weniger gefragt als solide Unternehmen oder welche mit klaren Wachstumschancen. Obendrein investiert fast die Hälfte der Befragten am liebsten in eine vertraute Branche auf dem heimischen Markt. „Family Offices nutzen den Diversifikationsgrad der Welt nicht aus“, sagte Gerke.

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