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Hochfrequenzhandel : Millionen in Millisekunden

Für den Wert der Optionen war wichtig, ob die Ladung sicher den Hafen erreicht. „Es gab kleine schnelle Schiffe, deren Kapitäne sich den Zustand der großen, langsamen Lastkähne genau ansahen“, erzählt der niederländische Historiker Lodewijk Petram. Die Informationen erreichten privilegierte Händler in Amsterdam – lange bevor die Kompanie-Schiffe tatsächlich im Hafen ankamen. So gab es faktisch Hochfrequenzhändler schon vor 400 Jahren. Nur ging es damals nicht um Millisekunden, sondern um Stunden.

Harter Kampf um die besten Köpfe

Und anders als früher ist heute der Computer allgegenwärtig. Aber er ist nichts ohne den Menschen. Erst die schlaue Programmierung macht ihn zur Geldmaschine. Jeden Tag arbeiten die Jungs von Optiver an der Verbesserung der Technik, oder wie sie sagen, des Algorithmus. Ständig analysieren sie Kursverläufe, um daraus Auffälligkeiten und neue Strategien zu entwickeln, mit denen sie die Rechner füttern. Je ausgefeilter die Taktik, desto höher der Gewinn.

Um die Computer fit zu halten, braucht es die schlauen Mitarbeiter, nach denen Optiver und die Konkurrenten suchen. Gefragt sind vor allem Physiker, Mathematiker und Informatiker. Die Folge: Die Branche ist sehr männerlastig. Betriebswirte oder reine Finanzexperten sind in der Minderheit.

Büros im futuristischen Design: Bei Hochfrequenzhändlern sieht es aus wie bei Google oder Facebook

Es ist ein harter Kampf um die besten Köpfe. Auf den Jobmessen der Eliteuniversitäten der Welt buhlen die Hochfrequenzhändler um die Absolventen. Sie locken mit Gehältern von weit mehr als 100.000 Euro im Jahr. Zu den Fixgehältern von mindestens 50.000 Euro kommt eine Gewinnbeteiligung, die in guten Jahren das Acht- bis Zehnfache ausmachen kann. Und sie werben mit flachen Hierarchien, legeren Kleidungsvorschriften und eben ein paar Extras.

„Wir engagieren unsere Mitarbeiter oft direkt von der Hochschule und bilden sie selbst aus. Dadurch sind sie nicht durch andere Arbeitgeber vorgeprägt“, sagt Hilgers. Nicht überraschend liegt das Durchschnittsalter daher bei Optiver und in der Branche zwischen 25 und 35 Jahren.

Mit 45 Jahren gehört Hilgers daher schon zu den Älteren und als früherer Student der Betriebswirtschaft auch zu den Exoten. Aber er sitzt ja auch nicht mehr im Handelsraum. Hilgers ist Deutscher. Er stammt aus Krefeld und hat zuletzt neun Jahre in Sydney für die niederländische Firma gearbeitet.

Das ist überhaupt nicht ungewöhnlich für Hochfrequenzhändler. Multinationalität ist normal angesichts der weltweiten Suche nach Spezialisten und sogar erwünscht. Bei Optiver arbeiten global Leute aus mehr als 30 Ländern, darunter auch Exoten aus Chile, Kasachstan oder der Mongolei. Deutsche gibt es wenige. Selbst in Amsterdam sind nur ein Drittel Niederländer, der Rest kommt vor allem aus Großbritannien oder Indien. Alltagssprache ist Englisch.

Respekt vor der Macht der Maschinen

Und diese Typen und ihre Computer sollen nun die Bösen, die Dämonen sein, die die Finanzmärkte von einem Crash zum nächsten führen? Die ständig nur tricksen und manipulieren zum Schaden der Mehrheit der Anleger. Was ist dran an solchen Vorwürfen?

Selbst die Hochfrequenzhändler haben gehörigen Respekt vor der Macht der Maschinen. „Als größtes Risiko sehen wir die Abhängigkeit von der Technik“, gibt Optiver-Chef Hilgers zu. Doppelt und dreifach installierte Schutzmechanismen sollen Pannen verhindern.

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