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Historische Finanzkrisen: Amerika 1987 : Der vollautomatische Börsenkrach

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Der Schock nach dem Börsenkrach vom 19. Oktober 1987 sitzt tief: Dieser Händler an der New Yorker Börse kann es kaum fassen Bild: AP

Der große Krach vom Oktober 1987 wurde wesentlich durch eine obskure Finanzstrategie ausgelöst. Mit viel zusätzlicher Liquidität gelang es der amerikanischen Notenbank, den Kursrutsch zu stoppen.

          Die Nervosität hatte sich über Wochen aufgebaut, am 19. Oktober 1987 entlud sie sich in einem ungeheuren Kursgewitter: An diesem "Schwarzen Montag" verlor der Dow-Jones-Index 22,6 Prozent - der mit Abstand größte Tagesverlust aller Zeiten. Nach den Erkenntnissen der amtlichen Untersuchungskommission unter dem ehemaligen Finanzminister Nicholas Brady trug zu dem Kurssturz vor allem ausgerechnet eine Finanzstrategie bei, die den Investoren eigentlich Schutz vor Einbußen hätte gewährleisten sollen, die sogenannte Portfolio Insurance.

          Das Konzept der Portfolio Insurance baut auf dem finanzmathematischen Modell zur Bewertung von Aktienoptionen auf, das die Ökonomen Fischer Black und Myron Scholes 1973 veröffentlicht haben. Demnach lässt sich ein Aktienportefeuille mit geringen Kosten so steuern, dass es an Kurssteigerungen teilnimmt, gleichzeitig aber gegen Einbußen abgesichert ist - ähnlich wie über den Erwerb einer normalen Verkaufsoption. Eine Konsequenz des Modells ist freilich, dass die Manager von "versicherten" Portefeuilles Aktien nach einer bestimmten Formel in größerem Stil verkaufen müssen, wenn die Kurse fallen. Die Steuerung des Portefeuilles wird weitgehend auf Computer übertragen, die die Börsenkurse fortlaufend überwachen und dann gegebenenfalls automatisch Kauf- oder Verkaufsaufträge auslösen und elektronisch an die Börsen weiterleiten.

          Die Aktienkurse in Amerika waren seit 1982 kontinuierlich gestiegen

          In den achtziger Jahren gingen einige Investmentbanken dazu über, das Konzept aggressiv zu vermarkten - und fanden damit bei institutionellen Anlegern Anklang. Denn zum einen waren die Aktienkurse in Amerika seit 1982 kontinuierlich gestiegen, angetrieben - ähnlich wie bis vor kurzem in diesem Jahrzehnt - von einer Übernahmewelle. Allein von Anfang 1987 bis zum August des Jahres gewann der Dow-Index mehr als 40 Prozent. Viele Anleger wollten diese Kursgewinne absichern, zumal es zu immer größeren Spannungen im internationalen Finanzsystem kam. Im Februar 1987 einigten sich die großen Industrienationen auf den "Louvre-Akkord". Er sollte den Dollar durch eine international abgestimmte Geld- und Fiskalpolitik stabilisieren.

          Doch die "Kollaboration" hielt nicht lange. Mit Blick auf die anschwellende Geldmenge und den sich aufbauenden Inflationsdruck sträubte sich die Bundesbank gegen den ihr zugedachten Part, Dollar in großem Stil anzukaufen. Sie hob im Oktober 1987 ihren Leitzins leicht an. Der damalige amerikanische Finanzminister James Baker kritisierte dies mehrfach in scharfer Form - was die Nervosität an den Finanzmärkten steigerte. Anders als die Deutschen gaben die Japaner dem amerikanischen Dringen auf eine lockere Geldpolitik nach. Sie sollten es teuer bezahlen: Zwar erlebten japanische Aktien und Immobilien Ende der achtziger Jahre eine fulminante Hausse. Doch als die Blase platzte, folgte eine desaströse Baisse und allgemeine Deflation - unter deren Folgen die japanische Wirtschaft bis heute leidet.

          Aufgrund der erhöhten Unsicherheit gerieten die Aktienkurse in Wall Street schon Anfang Oktober 1987 unter Verkaufsdruck, allein in der Woche vor dem Schwarzen Montag verloren sie rund 10 Prozent. Das ließ die automatisierten Handelsprogramme der Portfolio Insurance anspringen: Ihre Computer überfluteten vom 14. Oktober an sowohl die Aktienbörsen in New York als auch die Terminbörse in Chicago mit Verkaufsaufträgen. Das Wissen um die weite Verbreitung der Portfolio Insurance tat ein Übriges: Weil allgemein mit weiteren Verkäufen und entsprechendem Kursdruck gerechnet wurde, hielten sich die Käufer selbst auf dem ermäßigten Kursniveau zurück - der Markt trocknete teilweise aus.

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