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Hexensabbat : Die geheimnisvollen Börsentage

Hexensabbat im Harz: Eine Hexe feiert die Walpurgisnacht. Bild: picture-alliance/ dpa

Am Hexensabbat verfallen etliche Futures und Optionen. Hier entscheidet sich für viele Marktteilnehmer, ob sie Geld gewonnen oder verloren haben. Die Terminmärkte haben erheblich an Bedeutung gewonnen.

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          Wenn sich Hexen mit dem Teufel des Nachts an einem geheimen Ort treffen, dann ist Hexensabbat. Die Börsianer entlehnen diesen Festtag aus der Hexentheorie für die an den Terminbörsen wichtigsten Handelstage im Jahr. Zwar halten sie sich nicht an die vier unter Hexen üblichen Termine am Vorabend von Maria Lichtmess, in der Walpurgisnacht zum 1. Mai, am Lammas-Abend vor dem 1. August und schließlich an Halloween, dem Vorabend zu Allerheiligen, sondern haben ihren Hexensabbat immer am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Auch die Örtlichkeit ist eine andere. Nicht auf bekannten Hexentanzplätzen wie dem auch als Blocksberg bezeichneten Brocken im Harz werden sie begangen, sondern in den Handelsräumen rund um den Globus. Und sie befassen sich zudem weniger mit dunklen Ritualen als mit Terminkontrakten wie Futures und Optionen, die an diesem Tag in großer Zahl fällig werden.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Parallelen zum Namensvorbild ergeben sich jedoch durch das Geheimnisvolle dieses Börsentages. „Das ist für jeden Börsianer ein spannender Termin, weil vorher nie so klar ist, wie turbulent es tatsächlich wird“, sagt Heiko Weyand von der Bank HSBC Trinkaus. Am Hexensabbat werden die tatsächlichen Ausübungspreise etlicher Terminkontrakte auf Aktien- und Indexoptionen sowie Indexfutures festgestellt. Daher sprechen Börsianer auch vom dreifachen Verfallstag. An der größten europäischen Terminbörse Eurex findet dazu zwischen 11.50 und 12.00 Uhr eine Auktion der Stoxx-Indizes statt, ab 13 Uhr folgen die Dax-Indizes und schließlich in der Schlussauktion ab 17.30 Uhr die Einzelaktien. „Alle Käufer und Verkäufer stellen ihre Gebote ein und ermitteln so den Ausübungspreis“, sagt Weyand. „Das bringt durchaus Überraschungen mit sich, da die Auktionsteilnehmer mit ihren jeweiligen Indikationen verschiedene Absichten verfolgen.“

          Termingeschäfte dienen der Absicherung und Spekulation

          Terminkontrakte haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten an den Börsen erheblich an Bedeutung gewonnen. Ursprünglich kommen sie aus der Landwirtschaft und wurden dort schon im alten Griechenland eingesetzt. Der Landwirt vereinbart mit einem Käufer weit vor der Lieferung der Ware die Konditionen des Geschäfts, legt also Preis, Menge, Qualität und Liefertermin fest. Das gibt allen Beteiligten Planungssicherheit. In der Folge kamen etliche solcher Terminkontrakte hinzu, und zwar nicht mehr nur physischer Natur, wie Öl, Weizen oder andere Rohstoffe, sondern auch Finanzkontrakte. So konnten sich große Exportunternehmen mittels Terminkontrakten bestimmte Wechselkurse sichern und minderten so die Risiken ihres Geschäfts.

          Terminhandel

          Längst ist neben diesen Absicherungscharakter von Termingeschäften jedoch ein spekulativer Gedanke getreten. Mit der Veränderung von Rohstoffpreisen oder Wechselkursen gewinnt oder verliert auch der vereinbarte Terminkontrakt an Wert. Sieht der Vertrag eine Lieferung zu 100 Dollar je Barrel Öl im Juni vor, der aktuelle Preis ist jedoch auf 120 Dollar gestiegen, so gewinnt der Kontrakt für einen Ölkäufer an Wert.

          Futures können Indizes einfach und günstig abbilden

          Die meisten solcher Termingeschäfte werden außerhalb von Börsen getätigt. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) betrug das nominal ausstehende Kontraktvolumen im Juni 2011 mehr als 700 Billionen Dollar (530 Billionen Euro) und damit mehr als das Zehnfache der jährlichen Weltwirtschaftsleistung. An den Börsen wird nach BIZ-Angaben ein ausstehendes Volumen von gut 58 Billionen Dollar gehandelt.

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