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Verluste in Milliardenhöhe : Athen treibt Hedgefondsmanager in den Wahnsinn

  • -Aktualisiert am

Nichts mehr zu holen: Hedgefondsmanager haben sich an Griechenlands Unternehmen beteiligt – auch an der griechischen Piraeus Bank. Bild: Frank Röth

Hedgefondsmanager sind für ihre teils riskanten Anlagen berüchtigt. Draufgänger haben sogar auf Griechenland gesetzt – etwa 10 Milliarden. Ihr Geld sehen sie wohl nie wieder.

          Hedgefondsmanager sind in der Regel bekannt für starke Nerven und kühne Wetten. Der sich abzeichnende Staatsbankrott von Griechenland testet aber offenbar auch die Chuzpe der größten Draufgänger in der Branche. „Die Leute drehen durch“, sagte der Athener Wirtschaftsjurist und Fondsberater Nicholas Papapolitis gegenüber der „New York Times“.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Die haben ein paar richtig große Wetten auf Griechenland abgeschlossen.“ Insgesamt haben die Hedgefondsmanager, darunter Branchenstars wie David Einhorn und John Paulson, mehr als 10 Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen, Bankaktien und eine Reihe anderer Anlagen investiert.

          Ohne eine Einigung mit den europäischen Gläubigern wird es zum Zahlungsausfall des Landes kommen. Die Kurse griechischer Aktien und Anleihen dürften purzeln, sobald die derzeit geschlossene Börse wieder aufmacht. Bisher hatten Hedgefondsmanager die politische Lage meist richtig interpretiert.

          Milliardär durch Verfall

          Noch vor zweieinhalb Jahren fuhren britische und amerikanische Hedgefonds deswegen hohe Gewinne ein. Die Fonds hatten sich zu einem Zeitpunkt, als Skeptiker das Auseinanderfallen der Währungsunion predigten und ein Ende des Euro prophezeiten, günstig mit Griechenland-Anleihen eingedeckt.

          Der bekannte Hedgefondsmanager Dan Loeb, Gründer der New Yorker Gesellschaft Third Point, hatte damals seinen Einsatz von 500 Millionen Dollar verdoppelt, als Griechenland die Staatspapiere zu einem höheren Preis zurückkaufte. Diesmal sieht es aber so aus, als ginge die Wette nicht auf. Das meiste Geld der Hedgefonds steckt in griechischen Staatsanleihen.

          David Einhorn, Gründer von Greenlight Capital, und Paulson, Gründer von Paulson & Co., sind an der Piraeus Bank beteiligt. Einhorn ist in der Branche bekannt, weil er vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 auf fallende Aktienkurse der Investmentbank gesetzt hatte. Paulson wurde mehrfacher Milliardär, weil er im Vorfeld der Finanzkrise massiv auf fallende Häuserpreise in Amerika gewettet hatte.

          Behörden zahlen kein Geld

          Der für notleidende Anlagen bekannte Investor Wilbur Ross und der kanadische Versicherer Fairfax Financial halten einen großen Anteil an der griechischen Eurobank. Auch an griechischen Unternehmensanleihen sind ausländische Investoren beteiligt. Fortress Capital erwarb festverzinsliche Papiere der Fährgesellschaft Attica Holdings im Wert von 100 Millionen Dollar. Die Beteiligungsgesellschaft Blackstone hält 10 Prozent am Immobilienentwickler Lamda Development. Loebs Third Point legte sogar einen Fonds für Anlagen in griechische Aktien im Volumen von 750 Millionen Dollar auf.

          „Third Point“ -Gründer Daniel Loeb: Die Einlagen von 500 Millionen Euro noch einmal verdoppelt.

          Diese Anlagen stammten aus den Jahren 2013 und 2014, als griechische Wertpapiere vor dem Hintergrund allgemein niedriger Zinsen attraktiv wirkten – allerdings immer unter der Voraussetzung, dass die vereinbarten Reformen auch eines Tages einmal umgesetzt würden.

          John Paulson hält seit vergangenem Jahr auch 10 Prozent am Athener Wasserversorger EYDAP. Die Anteile waren damals rund 137 Millionen Dollar wert. Das Unternehmen war kaum verschuldet und sollte privatisiert werden. Der Privatisierungprozess liegt jetzt allerdings auf Eis, und EYDAP hat Schwierigkeiten, Gelder von Behörden einzutreiben, die nahezu pleite sind.

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