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Hedgefonds : SEC warnt mit Tricks im Internet vor Betrug bei Hedgefonds

  • Aktualisiert am

Hedgefonds werden bisher nur wenig überwacht. Die US-Börsenaufsicht SEC macht sich deswegen Sorgen. Denn mit der Ausdehnung des Angebots auch auf weniger vermögende Kunden befürchtet sie Betrugsfälle. Eine fingierte Internetadresse soll für die Gefahren sensibilisieren.

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          Die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde SEC greift zu ungewöhnlichen Mitteln, um unerfahrene Anleger vor der Gefahr zu warnen, bei einer Anlage in Hedgefonds Betrügern aufzusitzen. Die SEC hat dazu eine Website ins Netz gestellt, die vorgibt, eine Anlagemöglichkeit in einem Hedgefonds namens GRDI Select LP zu bieten.

          Die SEC nimmt damit die 500 Milliarden Dollar schwere Hedgefondsbranche, die bislang kaum Regelungen unterliegt, aufs Korn. Die SEC überprüft die Branche seit einigen Monaten und erwägt, ihren Zuständigkeitsbereich auch auf Hedgefonds auszudehnen. In den vergangenen fünf Jahren hat die SEC 26 Untersuchungen gegen Hedgefonds eingeleitet.

          Wenig reguliertes Feld

          Hedgefonds unterliegen bislang wenigen Vorschriften, weil sie sich an vermögende Anleger wenden, bei denen man davon ausgeht, dass sie sich mit den Risiken dieser Investments auskennen. "Jetzt, wo der Markt so am Boden ist, sind Hedgefonds sehr attraktiv", erläutert Susan Wyderko, Leiterin des Bereichs Anlegerinformation bei der SEC. "Die Anleger denken, dass Hedgefonds Gewinne erwirtschaften, auch wenn traditionelle Anlageprodukte das nicht schaffen."

          Ein Hedgefonds ist ein privater Fonds, der beispielsweise spekulative Investments in Aktien und Optionen tätigt und gleichzeitig andere Aktien leerverkauft und damit auf fallende Kurse bei diesen Unternehmen setzt.

          Fingiertes Webangebot

          Die getürkte Investmentgesellschaft der SEC firmiert unter dem Namen Guaranteed Returns Diversified Inc. Der Text auf der Website stimme mit dem von Anbietern überein, die von der SEC wegen Betrugs verklagt wurden, erklärte Wyderko.

          Ruft ein potentieller Anleger die Homepage des GRDI- Hedgefonds - die Abkürzung ähnelt nicht zufällig dem englischen Wort "greedy" (gierig) - auf, wird er sogleich darauf hingewiesen, dass der Fonds nur 99 Investoren annehmen kann und 72 bereits eingestiegen seien. Der Hedgefonds behauptet, er halte sein Kapital auf Offshore-Konten und rechne mit einem Wertzuwachs von 22 Prozent in den ersten drei Monaten nach Auflegung. Will der interessierte Anleger sich dann online registrieren lassen, springt eine Seite auf mit der Warnung: "Wenn Sie auf solche Investmentangebote reagieren, könnten Sie auf einen Betrug hereinfallen!".

          Branche sucht nach neuen Kunden

          Der Kandidat für den Chefposten bei SEC, der ehemalige Investmentbanker William Donaldson, verwies in einer Anhörung zu seiner Berufung vor dem Bankenausschuss des US-Senats auf "eine beunruhigende Tendenz", Hedgefonds auch für weniger vermögende Anleger zugänglich zu machen. "Ich denke, wir müssen mehr über die Funktionsweise der Hedgefonds wissen", betonte Donaldson. "Ich glaube, dass die SEC dies bereits näher untersucht, und ich würde diese Untersuchungen fördern."

          Der scheidende SEC-Chef Harvey Pitt kündigte im letzten Mai an, dass die SEC Hedgefonds genauer unter die Lupe nehmen werde. Als besondere Ziele der Untersuchung nannte er Betrug bei Hedgefonds, potentielle Interessenskonflikte bei Anbietern, die sowohl normale Investmentfonds als auch Hedgefonds verwalten, und die Vermarktung von Hedgefonds an Privatanleger. Dazu hat die SEC Hedgefondsmanager, Berater und Aufsichtsbehörden in anderen Ländern befragt. Die Studie steht kurz vor dem Abschluss und soll Donaldson nach seiner Amtseinführung vorgelegt werden.

          Dach-Hedgefonds als neues Instrument

          Neben der falschen Hedgefondsseite bietet die SEC auch ein Informationsblatt zu Hedgefonds an. Darin erklärt die Behörde, was Hedgefonds sind und gibt den Investoren Fragen an die Hand, die sie vor einem Investment in einen Hedgefonds stellen sollten.

          Besonderes Augenmerk richtet die SEC derzeit auf das neue Instrument der "Dach-Hedgefonds", die in mehrere Hedgefonds investieren, erklärt Wyderko. Bei diesen Dachfonds liegt die Mindestanlagesumme oft nur bei 25.000 Dollar, während Hedgefonds im allgemeinen mindestens 250.000 Dollar fordern. "Ich glaube, dass mehr und mehr Leute über Hedgefonds als Investmentmöglichkeit nachdenken. Ich mache mir Sorgen, ob sie die Risiken genau so gut verstehen wie die potentiellen Gewinnmöglichkeiten", betont Wyderko.

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