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Hedgefonds FRM : Vorsicht bei Schwellenländern

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Bild: FRM

FRM gehört zur bekannten Hedgefonds-Gruppe Man, dem größten börsennotierten Anbieter alternativer Investments weltweit. Hans Hurschler, ist Leiter des Portfolio Managements von FRM.

          3 Min.

          Welche Anlageklasse ist 2014 am empfehlenswertesten?

          Grundsätzlich erwarte ich eine Fortsetzung der bisherigen, expansiven Notenbankpolitik. In der Folge sollten die Zinsen im kurz- und mittelfristigen Bereich weiter tief bleiben. Inflation dürfte es kaum geben, eher sehe ich eine Tendenz zur Deflation. In einem solchen Umfeld dürften Aktien nach wie vor die empfehlenswerteste Anlageklasse bleiben. Allerdings bin ich für die Aktienmärkte nicht ganz so bullish wie im vergangenen Jahr. Wir werden hier vermutlich 2014 mehr Volatilität und tiefere Renditen sehen.

          Wie werden sich Aktien 2014 entwickeln?

          Trotz der deutlichen Kursgewinne an den weltweiten Aktienmärkten im vergangenen Jahr scheint derzeit viel für einen weiteren Anstieg 2014 zu sprechen. Die Aktientrends sind weiterhin positiv. Die Märkte können in den kommenden Monaten aller Wahrscheinlichkeit nach von anhaltend hoher Liquidität profitieren. Zugleich scheinen makroökonomische Risiken noch nicht zu zählen. Getrieben wird der positive Ausblick vor allem von den weiterhin massiven Stützungsmaßnahmen der Notenbanken, insbesondere der Federal Reserve (Fed) in den Vereinigten Staaten.

          Allerdings gibt es Risiken: Seit dem Tiefpunkt 2009 hat der S&P-500-Aktienindex bereits rund 170 Prozent an Wert gewonnen. In vielen Regionen kann man kaum noch von günstigen Aktienbewertungen sprechen. Aber in dem stark liquiditätsgetriebenen Umfeld könnten die Kurse dennoch kräftig weiter klettern, bevor wir eine Trendwende erleben.

          Wie sehen Sie Dividendenaktien?

          Aktien mit hoher Dividendenrendite sind zweifelsohne nach wie vor sehr attraktiv einzuschätzen und gerade in diesem Umfeld zweifelsohne zumeist interessanter als Aktien, die weniger hohe Ausschüttungen bieten.

          Wie werden sich Anleihen guter Bonität entwickeln?

          Bei Anleihen guter Bonität dürften wir 2014 eine solide Entwicklung sehen. Hier wirken sich die am langen Ende stark gestiegen Zinsen positiv aus. Ich würde aber persönlich eher auf Anleihen aus entwickelten Märkten setzen und Schwellenländer meiden.

          Muss zur Erzielung zufriedenstellender Erträge das Risiko erhöht werden?

          Auch wenn derzeit die Märkte vergleichsweise positiv gestimmt sind, existieren weiter signifikante fundamentale Risiken, etwa mit Blick auf das weitere globale Wachstum und anhaltend hohe Verschuldung vieler Regionen. Vor diesem Hintergrund würde ich das Risiko nicht erhöhen, zumal die voraussichtlich zunehmende Volatilität an den Märkten ohnehin bereits zu einer extern getriebenen Erhöhung des Risikos führen kann. Ich denke, hier sollte man eher liquide bleiben und das Liquiditätsprofil des Portfolios womöglich gar erhöhen. Auch das spricht im Übrigen für Aktien – sie verfügen in der Regel über eine hohe Liquidität.

          Welche Anlagen eignen sich zur defensiven Positionierung bzw. Risikosteuerung eines gemischten Portfolios?

          Hedgefonds-Strategien können hier grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung sein. Als Beispiele würde ich etwa Global-Macro-Strategien oder defensive Long-Short-Strategien nennen.

          Sind Anlagen in Schwellenländern noch empfehlenswert?

          Meines Erachtens ist hier große Vorsicht geboten. Die Schwellenländer werden voraussichtlich am stärksten unter dem so genannten Tapering der amerikanischen Notenbank leiden, also dem schrittweisen Zurückfahren der sehr expansiven Geldpolitik. Hinzu kommen in einigen Schwellenländern strukturelle Probleme, wie zum Beispiel die hohe Abhängigkeit von ausländischen Finanzierungsquellen.

          Welche Regionen der Industrieländer sind als Anlageregion am attraktivsten?

          Mit Blick auf das bestehende Reflationsszenario würde ich hier sicherlich Japan nennen. Auch Europa erscheint mir derzeit günstig als Anlageregion. Voraussetzung ist hier natürlich, dass es nicht zu unerwarteten, großen Verwerfungen kommt.

          Was ist ihr Worst-Case-Szenario für 2014?

          Hier würde ich sicherlich eine überraschend stark steigende Inflation nennen. In der Folge wären die Notenbanken gezwungen, die Zinsen deutlich anzuheben. Das würde die positive Entwicklung der Weltkonjunktur mit hoher Wahrscheinlichkeit drücken. Zugleich ist davon auszugehen, dass die Aktienkurse fallen würden. Insgesamt müssten wir mit größeren Verwerfungen rechnen. Ich halte ein solches Szenario aber für unwahrscheinlich. Derzeit zeigt sich nur in wenigen Ländern Druck auf die Löhne. Zudem ist die Kreditvergabe der Banken derzeit weiter sehr zurückhaltend.

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