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Hedge Fonds : SEC fordert stärkere Überwachung der Hedge Fonds

  • Aktualisiert am

Die US-Börsenaufsicht SEC setzt sich weiter für schärfere Vorschriften bei Hedge Fonds ein. Wie eine Anhörung zeigte, findet der SEC-Vorsitzende William Donaldson im Senat Unterstützung für sein Vorhaben.

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          Die US-Börsenaufsicht SEC ist der Meinung, dass Hedge Fonds stärker von den Aufsichtsbehörden überwacht werden sollten, um weniger versierte Anleger zu schützen. Das sagte der SEC-Vorsitzende William Donaldson bei einer Anhörung vor dem US-Senat, der die 600 Milliarden Dollar schwere Branche unter die Lupe nehmen will.

          Ursprünglich für sehr vermögende Investoren konzipiert, interessieren sich zunehmend Anleger mit mittlerem Einkommen für die Hedge Fonds. Daher sieht die SEC Bedarf, die bisher unregulierte Branche stärker zu überwachen. „Ich persönlich bin der Meinung, dass wir hier mehr Licht brauchen," erklärte Donaldson gegenüber Journalisten nach der Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats.

          Senat meldet ebenfalls Bedenken an

          Die Senatoren stimmten ihm zu. „Wenn die Hedge Fonds über Investmentfonds weniger versierten Anlegern angeboten werden, stellt sich die Frage, ob und wie die Anleger geschützt werden sollten," erklärte der Ausschussvorsitzende Richard Shelby.

          Senator Jon Corzine, ein Demokrat aus New Jersey und früherer Co-Chairman von Goldman, Sachs & Co. sagte, er sei „überzeugt, dass das gegenwärtige System zur Regulierung der Hedge Fonds nicht mit den Veränderungen in dieser Branche Schritt gehalten hat." Senator Paul Sarbanes drängte Donaldson, die gesetzlichen Ausnahmen einzuschränken, mit denen die Hedge Fonds Publizitätspflichten vermeiden können, die für die Investmentfonds und börsennotierte Unternehmen gelten.

          Der Demokrat hat die Befürchtung, dass einige Hedge Fondsmanager die aufsichtsrechtlichen Schlupflöcher ausnutzen. „Das hinterlässt bei uns das unangenehme Gefühl, dass dort Zeitbomben ticken," warnte Sarbanes. „Wir müssen diesen Ausnahmen einen Riegel vorschieben." Ein Hedge Fonds ist eine private Investmentbeteiligung, die auch spekulative Anlagen in Aktien und Optionen sowie Leerverkäufe umfasst.

          Informationswünsche größer als Regulierungsdrang

          Donaldson sagte vor dem Senatsausschuss, er zöge es vor, dass Hedge Fonds mehr Informationen veröffentlichen müssen, als sie zu stark zu reglementieren. Dann bestände die Gefahr, dass sie aus dem Geschäft vertrieben werden oder ins Ausland abwandern. „Es gibt einen Markt für Leute, die bereit sind, höhere Risiken einzugehen um höhere Gewinne zu machen," erklärte der SEC-Vorsitzende. „Wir müssen sehr vorsichtig sein, dass wir nicht bei einem Gesetz enden, das haargenau vorschreibt, wie ein Fonds auszusehen hat."

          Er bemängelte, dass die SEC derzeit nicht die Macht habe, grundlegende Informationen von den Hedge Fonds zu fordern, weil diese von der Aufsicht ausgenommen sind. „Wir können keine Prüfung bei den Hedgefonds durchführen, außer wenn wir Anlagebetrug nachweisen können."

          Laut Donaldson erwägt die SEC, die Mindestanlagevorschriften für Anlagen in Hedge Fonds zu erhöhen. Die Hedge Fonds sind zunehmend bei Investoren beliebt, die ein Jahresgehalt von 200.000 Dollar, die Einstiegsvoraussetzung für Hedge Fonds, vorweisen können. Dieses Minimum ist seit 1982 nicht geändert worden, berichtet Donaldson. „Mittlerweile erfüllen eine ganze Menge Leute diese Voraussetzungen."

          Investmentfonds bieten neue Produkte, so genannte Dachfonds an. Mit diesen können Investoren Geld in verschiedene Hedge Fonds stecken. Der Mindestanlagebetrag liegt bei nur 25.000 Dollar. Wenn Hedge Fonds eine derartige "Massenware" werden, liegt es auf der Hand, dass Bedarf für mehr Anlegerschutz besteht, so der SEC-Vorsitzende.

          Seit Monaten laufen Überprüfungen

          Er berichtete außerdem, dass die SEC seit zehn Monaten die Hedge Fondsbranche untersuche. Sie prüfe die Handelspraktiken der Hedge Fonds, insbesondere die Leerverkäufe. Einigen Hedge Fonds wurde vorgeworfen, die Märkte manipuliert zu haben, indem sie irreführende Studien über Unternehmen veröffentlicht haben, deren Aktien sie leer verkauften.

          „Es ist nichts Anrüchiges an den Handelsstrategien der Hedge Fonds, auch nicht bei den Leerverkäufen," erklärte Donaldson. „Jedoch können sie den Markt oder bestimmte Werte überproportional bewegen." Der SEC-Vorsitzende äußerte sich besorgt über Interessenkonflikte bei Fondsmanagern, die sowohl Investmentfonds als auch Hedge Fonds verwalten. Auch einige Betrugsfälle machten Schlagzeilen. Beispielsweise verheimlichte Fondsmanager Michael Berger 400 Millionen Dollar an Verlusten vier Jahre lang vor den Anlegern.

          Die SEC hat im Juni letzten Jahres mit einer Prüfung der Hedge Fonds begonnen, 67 Hedge Fondsmanager wurden befragt, die mehr als 650 unterschiedliche Fonds mit einem Anlagekapital von etwa 162 Milliarden Dollar repräsentieren. Sechzig Hedge Fonds haben sich freiwillig bei der SEC registrieren lassen, damit verpflichteten sie sich zu strengeren Publizitätsanforderungen, berichtete Donaldson.

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