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Hedge Fonds : Schwere Zeiten für Quadriga

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Die Finanzaufsicht hat dem Hedge-Fonds-Anbieter Quadriga den weiteren Vertrieb seiner Genußrechtprodukte untersagt. Als Reaktion darauf hat Quadriga schon bald neue Produkte angekündigt.

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          Einem der bekanntesten, aber auch umstrittensten Hedge-Fonds-Anbieter ist in Deutschland zumindest vorerst die Luft abgedreht: Quadriga, ein Anbieter alternativer Investments, wird auf Drängen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Vertrieb seiner Genußrechtprodukte, der sogenannten Super Funds, per Ende Juli in Deutschland einstellen (siehe F.A.Z. vom 29. Juli.).

          Die Bafin sieht in den von Quadriga angebotenen Genußscheinprodukten sogenannte Finanzkomissionsgeschäfte, die erlaubnispflichtig sind. Quadriga hingegen betont, daß man zu keinem Zeitpunkt gegen geltendes deutsches Recht verstoßen habe, und kündigt an, im Herbst mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen.

          Nicht der erste Fall

          Das Vorgehen der Bafin gegen Quadriga ist nicht der erste Fall, in dem einem Anbieter alternativer Investments das Geschäft untersagt wird: So hat die Bafin dem Finanzdienstleister Gamag den Verkauf seiner Hedge-Fonds-Zertifikate, sogenannter Master-Zertifikate, untersagt. Die Bafin sah auch in diesem Angebot unerlaubte Finanzkommissionsgeschäfte; die Gamag reagierte darauf mit einer Verlagerung der investierten Mittel auf die Bahamas (siehe F.A.Z. vom 22. Mai). Ein ähnliches Schicksal wie die Quadriga-Produkte ereilte die Genußscheine der K1 Global.

          Der vorläufige Vertriebsstopp für Quadriga kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Investment-Strategie der Quadriga-Produkte, sogenannter Managed Futures, hat in den derzeitigen Märkten hart zu kämpfen. Bei Managed-Futures-Fonds handelt es sich um Fonds mit einer trendbasierten Handelsstrategie: Computerprogramme untersuchen Zeitreihen und versuchen, aus diesen Zeitreihen Trends zu bestimmen. Im Anschluß daran generieren diese Computerprogramme in Erwartung dieser Trends automatische Kauf- und Verkaufssignale.

          Trendlose Zeit setzt Managed Futures zu

          In Zeiten ohne klare Kurstrends geht diesen Investment-Strategien allerdings rasch die Luft aus. Zum einen fehlt den Modellen dann ein klarer Trend, den sie ausnutzen können, zum anderen können die Modelle oft nicht rasch genug reagieren: In der Regel dauert es eine Weile, bis ein Modell ein Kaufsignal generiert - das kann dazu führen, daß man investiert, während der Trend bereits gedreht hat. In diese Falle sind etliche Hedge Fonds in den vergangenen Monaten am Anleihemarkt und an den Rohstoffmärkten gelaufen.

          Dies ist wohl nun auch offensichtlich den Quadriga-Produkten passiert: Ausweislich der Internet-Homepage des Unternehmens liegen alle drei "Superfunds-Produkte" seit Auflage zwischen 17 und 36 Prozent im Minus. In der Tendenz ähnliche Ergebnisse zeigt der CSFB Tremont Hedge Fund-Index: Für Hedge Fonds, die Managed-Futures-Strategien verfolgen, weist der entsprechende Teilindex ein Minus von 3,6 Prozent seit Jahresbeginn und auf Jahresfrist ein Minus von 0,5 Prozent aus. „Solche Phasen ohne klaren Trend sind nichts außergewöhnlich, in der Regel dauern sie aber nicht länger als vier Monate", sagt Thomas Della Casa von Man Investments, einem der größten Hedge-Fonds-Anbieter.

          Entscheidung setzt Quadriga unter Druck

          Quadriga muß hoffen, daß die Märkte rasch anziehen: Von den Super-Funds-Produkten gehen Gewinnbeteiligungen zwischen 25 und 35 Prozent an die Quadriga ab. Das zeigt, wie stark das Unternehmen vom Erfolg seiner Produkte abhängig ist. Die Aussicht auf vorerst ausbleibendes Neugeschäft bringt das Unternehmen nun zusätzlich unter Druck. Schon aus diesem Grund wird das Unternehmen versuchen, rasch mit einer Ersatzlösung wieder auf den deutschen Markt zurückzukehren - wobei sich dann allerdings die rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Umstände für Quadriga schwieriger gestalten dürften.

          Anleger hingegen sollten nicht darauf spekulieren, daß die Quadriga-Anteile angesichts der Kursverluste nun "billig" sind, wie man es oft für Aktien vermutet. Anteile auf Managed Futures haben keinen "fairen" Wert aufgrund fundamentaler Aspekte wie Aktien, sie sind reine Wetten auf einen Trend - fehlt der Trend oder hat man den Trend verpaßt, ist das Geld unwiderruflich verloren.

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