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Hedge Fonds : Marktneutrale Hedge Fonds-Strategien schlagen sich gut

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Hedge Fonds erzielen im Durchschnitt attraktive Renditen. Dachfonds dürften allerdings nur dann interessant richtig sein, wenn sie effizient konstruiert, vermarktet und optimal in ein Portfolio integriert werden.

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          Es grenzt beinahe an eine Wunder, aber seit kurzem sind Hedge Fonds in Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Damit sind die lange Zeit verschrieenen Anlagevehikel salonfähig geworden. Zumindest in der rudimentären Form so genannter Dachfonds. Auf diese Art und Weise möchte der Gesetzgeber wohl verhindern, daß sich weniger mündige Anleger die Finger verbrennen.

          Denn Dachfonds sind gezwungen, die eingesammelten Gelder ihrerseits unter verschiedene Hedge Fonds zu streuen. Wenn einer davon dann unseriös sein und pleite machen sollte, wäre es nicht ganz so tragisch, wie wenn der Anleger diesem alle Ersparnisse anvertraut hätte. Auf der anderen Seite sind Dachfonds relativ teuer, da gleich mehrere Unternehmen und möglicherweise eine zusätzliche Vertriebsstruktur von den eingesammelten und verwalteten Geldern leben wollen und müssen.

          „Alternativität“ macht Hedge Fonds interessant

          Diese Phänomen dürfte die Attraktivität in Deutschland auf den Markt kommender Hedge Fonds-Produkte deutlich schmälern. Sollte der Markt in nächster Zeit mit Prospekten überschwemmt werden, die wundersame Renditen bei gleichzeitig großer Sicherheit versprechen, so ist eine Portion Skepsis angebracht. Denn das Interessante an Hedge Fonds ist nicht etwa die Tatsache, daß sie höhere Renditen erwirtschaften als normale Fonds, sondern die Tatsache, daß sie sich in unterschiedlichen Marktphasen zum Teil völlig anders verhalten als der Markt. Deswegen werden sie als „alternative Investments“ bezeichnet.

          Aus diesem Grund kann es interessant sein, ein bestehendes Wertpapierdepot mit Hedge Fonds zu ergänzen. Allerdings muß das zielgerichtet geschehen. Intuition hilft dabei nur bedingt weiter, nämlich in Verbindung mit mathematischen Modellen. Und selbst dann kann man schnell an Grenzen stoßen, wenn in turbulenten Phasen die Parameter der Modelle aus den Fugen geraten. Genau das ist - neben der schieren Größe - dem berüchtigten LCTM-Fonds in den neunziger Jahren zum Verhängnis geworden.

          Dachfonds müssen Einzelstrategien gezielt einsetzen

          Wenn beispielsweise damit zu rechnen ist, daß die Börsen in absehbarer Zeit abtauchen werden, dann kann es sich lohnen, so genannten „Short-Sellern“ mehr Geld anzuvertrauen als sonst üblich. Verdienen sie in fallenden Märkten gutes Geld, so sind sie unter normalen Umständen nicht sonderlich lukrativ (siehe Tabelle). Denn die risikobereinigte Rendite in Form der Sharpe Ratio ist langfristig betrachtet deutlich geringer, als die einer normalen Aktienanlage.

          Blickt man als Anleger nicht nur auf die reine Rendite, sondern auch auf das mit einer Anlage verbundene Risiko in Form der Volatilität, so schnitten die Rentenmärkte zumindest in der Vergangenheit erstaunlich gut ab. Mit 1,5 lag die Sharpe Ratio des Lehman Brothers Aggregate Bond Index zumindest zwischen den Jahren 1988 und 2002 deutlich höher als beispielsweise die des S&P 500-Index. Es gab auch nur sehr wenige Hedgefondsstrategien, die diesen Wert langfristig übertreffen konnten. Das hängt damit zusammen, daß zwar die reine Rendite von Rentenanlagen nicht so sonderlich hoch sein mag. Auf der anderen Seite ist ihr Risiko deutlich geringer als bei Aktienanlagen. Auf „risikobereinigter“ Basis waren damit Rentenpapiere in den vergangenen Jahren entgegen der Intuition recht attraktiv.

          Marktneutrale Strategien besonders interessant

          Es ist allerdings eine andere Frage, ob das so bleiben wird. Denn aufgrund fallender Zinsen konnten Rentenpapiere in den vergangenen Jahren neben den Kupons auch satte Kursgewinne abwerfen. Nun, da allerdings die Renditen historisch betrachtet ziemlich tief sind, dürfte das Klima für Anleihen frostiger werden. Die Kupons sind nicht nur vergleichsweise tief, sondern künftig wird es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch zu Kursverlusten kommen. Aus diesem Grund wird künftig sehr wahrscheinlich nicht nur die Rendite geringer ausfallen, zudem dürfte die Volatilität zunehmen. Die Sharpe Ratio der Festverzinslichen könnte also zurückgehen.

          Viele rechnen gleichzeitig mit einer zunehmenden Volatilität an den Börsen. Damit könnte das Umfeld künftig ideal sein, für die indexunabhängigen und flexiblen Hedge Fonds. Insbesondere jene, die schon in der Vergangenheit in der Lage waren, die Märkte zu schlagen. Dazu dürften insbesondere die marktneutralen Strategien gehören.

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