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Hedge-Fonds : Manager verdienen weiter Milliarden

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Managergehälter waren in der Öffentlichkeit zuletzt ein heiß diskutiertes Thema. Noch wenig beachtet sind die Manager von Hedge-Fonds. Dabei gehören sie zu den Spitzenverdienern der Branche.

          2 Min.

          Die aktuelle Debatte um die Höhe von Bonuszahlungen in der strauchelnden amerikanischen Finanzbranche lässt die Spitzenverdiener bei Hedge-Fonds kalt. Vier amerikanische Hedge-Fonds-Manager haben im - von Turbulenzen geprägten - vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Dollar verdient. Das berichtet das Branchenfachblatt „Alpha“. Der Abschwung der Märkte und die Rezession machte sich zwar auch in der lange erfolgsverwöhnten Branche dieser Fonds für reiche Privatanleger und Institutionen bemerkbar. Insgesamt haben deren 25 Spitzenverdiener mit 11,6 Milliarden Dollar nur rund halb so viel eingestrichen wie im Jahr davor.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Aber 2008 war immer noch das drittbeste Jahr seit Anfang des Jahrzehnts. „Das sollte aber nicht auf den Messgeräten für Geldgier auftauchen. Die haben Geld verdient“, sagte Robert Sloan von S3 Partners, einer auf Risikomanagement für Hedge-Fonds spezialisierten Firma. Allerdings scheint sich Erfahrung in der einst von Wunderkindern geprägten Branche, in der zwei Drittel aller Fonds im Jahr 2008 Verluste gemacht haben, besonders auszuzahlen. Nur einer unter den besten acht Fondsmanager ist jünger als 50 Jahre. Gleich zwei, darunter Branchen-Grandseigneur George Soros, sind bereits im Pensionsalter.

          Gewinne mit der Finanzkrise

          Spitzenreiter auf der Alpha-Liste ist mit einem Verdienst von 2,5 Milliarden Dollar der 70 Jahre alte James Simons, der Gründer von Renaissance Technologies. Der preisgekrönte Mathematiker macht keine konkreten Angaben zu seiner Handelsstrategie. Nur so viel: Sie basiert auf Computerprogrammen, die mit häufigen Transaktionen Preisanomalien in den verschiedensten Märkten ausnutzen. Sein Hauptfonds Medallion hat im Jahr 2008 einen Nettogewinn von 80 Prozent ausgewiesen - nach einer Managementgebühr von 5 Prozent und einer Leistungsprämie von 44 Prozent. Neben diesen Gebühren fließen in den geschätzten Gesamtverdienst der Fondsmanager auch die Gewinne ihres selbst investierten Kapitals ein.

          James Simons, Renaissance Technologies

          An zweiter Stelle steht mit einem Einkommen von 2 Milliarden Dollar John Paulson, der die Rangliste vor einem Jahr mit 3,7 Milliarden Dollar angeführt hatte. Paulson war damals an der Wall Street berühmt geworden, weil er frühzeitig auf fallende Preise im amerikanischen Immobilienmarkt gewettet hatte. Anfang 2008 heuerte der 53 Jahre alte Paulson den ehemaligen Notenbankchef Alan Greenspan als Berater an. Greenspan wird vorgeworfen, durch eine Niedrigzinspolitik die später geplatzte spekulative Blase im Häusermarkt und die daraus resultierende Finanzkrise mit verursacht zu haben. Im vergangenen Jahr profitierte Paulson von Wetten auf fallende Aktienkurse bei Banken, die wegen notleidender Kredite und Hypothekenanleihen unter Druck geraten waren. Gleichzeitig setzte er auf Aktien aus Branchen, die in einer Rezession traditionell widerstandsfähig sind. Dazu gehören Stromversorger, Unternehmen im Gesundheitswesen sowie nicht konjunkturzyklische Konsumwerte wie etwa Hersteller von Babywindeln.

          „Wir danken Gott für die Regierung“

          Nummer drei auf der Liste ist der Energiehändler John Arnold, Gründer des Hedge-Fonds Centaurus Energy. Arnold war einst ein Star beim Konzern Enron, der vor sieben Jahren wegen Bilanzbetrugs zusammengebrochen war. Er handelt überwiegend mit Terminkontrakten auf Erdgas und verdiente damit 1,5 Milliarden Dollar. Arnold diversifiziert auch in Kraftwerke und Lagereinrichtungen. Mit 34 Jahren ist Arnold das einzige Wunderkind unter den vier Milliardären.

          Der Vierte in diesem Club ist der 78 Jahre alte George Soros, der als Philanthrop bekannt und mit Spekulationen gegen das britische Pfund in den neunziger Jahren berühmt geworden war. Soros verlor im vergangenen Jahr Geld, bis er korrekt auf den Fall des amerikanischen Dollar setzte. Sein Quantum-Fonds profitierte auch von einer Wette auf den Rückgang kurzfristiger Zinsen in Großbritannien.

          Ohne die staatlichen Hilfsprogramme für die Finanzbranche hätten aber auch die besten Hedge-Fonds-Manager nicht so viel verdient. „Wir danken Gott für die Regierung, weil wir ohne deren Eingriff niemanden mehr hätten, mit dem wir handeln könnten“, sagte Hedge-Fonds-Manager John Taylor der „New York Times“. Der mit dem Fonds FX Concepts auf Devisenmärkte spezialisierte Taylor steht gemeinsam mit zwei Konkurrenten auf Platz neun der Alpha-Liste. Sein Verdienst: 250 Millionen Dollar.

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