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Hedge-Fonds-Manager : „Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen“

  • Aktualisiert am

Max von Bismarck ist Partner bei Skybridge Capital Bild: privat

Nach rund 20 Jahren ist die Hausse am Anleihemarkt zu Ende. Davon können Aktien profitieren, aber auch alternative Anlagen. Dazu gehören Hedgefonds, die aber sehr unterschiedlich abschneiden.

          Herr von Bismarck, wie sind die Anbieter alternativer Anlagen durch die Krise gekommen?

          Wir sehen eine Konsolidierung in der Branche. Dass sich die Spreu vom Weizen trennt, ist auch für die Kunden eine gute Nachricht.

          Wie entwickelt sich das Interesse der Kunden an alternativen Anlagen?

          Ich bin davon überzeugt, dass alternative Anlagen einen größeren Platz in vielen Portfolios erhalten werden. Viele Kunden erkennen, dass das Chance-Risiko-Verhältnis klassischer Fixed Income Investitionen, zum Beispiel Staatsanleihen, heute unattraktiv geworden ist. In diesem Umfeld sollte das Interesse an alternativen Anlagen und somit auch an Hedgefonds wachsen.

          Warum gerade an Hedgefonds?

          Weil Hedgefonds einen größeren Werkzeugkasten haben als normale Investmentfonds, um mit den stetigen Schwankungen in den Märkten umzugehen.

          Diesen Werkzeugkasten muss man aber auch richtig nutzen können.

          Das ist richtig. Viele Kunden schauen auf Indizes, die den Durchschnitt der Performance von Hedgefonds zeigen. Das ist aber keine angemessene Betrachtung, weil Hedgefonds eigentlich keine eigenständige Anlageklasse sind. Vielmehr verstecken sich hinter der Bezeichnung Hedgefonds sehr unterschiedliche Anlagestrategien, die wenig gemein haben. Auch ist nicht jede Strategie in jedem Marktumfeld gleichermaßen opportun.

          Viele Kunden finden den Markt für Hedgefonds zu intransparent und investieren in Dachfonds, die in Hedgefonds investieren. Sie arbeiten für einen Dachfonds. Was können Sie bieten?

          Man kann hier drei Phasen unterscheiden. In der ersten Phase hat die Dienstleistung der Dachfonds vor allem darin bestanden, Anlegern einen Zugang zum Hedgefonds-Universum zu verschaffen. Dies alleine macht die Dachfonds heute nicht mehr sehr attraktiv. In der zweiten Phase haben die Dachfonds dafür geworben, für den Kunden mehr oder weniger einen Index abzubilden. Dafür haben sie in eine möglichst große Zahl von Fonds und Strategien investiert. Dies wird heute von vielen Kunden auch nicht mehr als ausreichender Mehrwert angesehen. Wir verstehen uns als Dachfonds der dritten Generation: Wir investieren viel in Research und versuchen, durch eine aktive und themenbasierte Auswahl von Fonds dem Kunden eine Rendite zu bieten, die über dem Durchschnitt liegt („Alpha“).

          Viele deutsche Anleger waren lange Zeit zögerlich gegenüber alternativen Anlagen. Ändert sich das?

          Ja. Wir stehen mit Anlegern in Kontakt, die ihre Quoten für alternative Anlagen erhöhen. Das betrifft dann nicht nur Hedgefonds, sondern zum Beispiel auch Beteiligungskapital (Private Equity) und Infrastruktur. Natürlich sind die Quoten oft noch gering, aber auch in Deutschland nehmen die Anleger zur Kenntnis, dass sich die Hausse am Anleihemarkt nach zwei Jahrzehnten Dauer dem Ende zuneigt.

          Erwarten Sie in absehbarer Zeit steigende Zinsen?

          Ja. Der Prozess wird langsam vonstatten gehen, aber das Verhältnis von Chancen und Risiken am Anleihemarkt ist schon heute unattraktiv. Davon dürften nach unserer Ansicht nicht nur alternative Anlagen profitieren, sondern auch Aktien.

          Dennoch sind viele Anleger kaum in Aktien engagiert.

          Zum einen dürfen viele Anleger, die traditionell stark in Anleihen engagiert sind, gar nicht so viele Aktien kaufen. Außerdem hält die Furcht vor großer Volatilität viele Anleger von Aktienkäufen ab. Das ist ein Grund, warum die Nachfrage nach alternativen Anlagen zunimmt.

          Aber hat das Image gerade der Hedgefonds in der Krise nicht auch in Deutschland gelitten?

          In der Krise hat das Image vieler Anlageklassen gelitten. Das gilt natürlich auch für Hedgefonds. Das Volumen der in Hedgefonds anlegten Gelder hatte sich in der Krise halbiert. Heute ist mehr Geld in Hedgefonds als vor der Krise. Die Hedgefonds haben lernen müssen, Transparenz groß zu schreiben und besser über ihre Tätigkeit zu kommunizieren.

          Die Strategien von Hedgefonds unterscheiden sich sehr stark voneinander. Welche Strategien laufen derzeit gut und welche nicht?

          Nicht sehr gut sind in jüngster Zeit unter anderem zwei Strategien gelaufen, die sehr stark in den Indizes vertreten sind: Das sind Long/Short-Equity, bei der ein Fonds gleichzeitig Aktien kauft und verkauft, sowie Global Macro. Das ist eine Strategie, bei der ein Fonds von erwarteten Änderungen der gesamtwirtschaftlichen Lage profitieren will.

          Und was läuft gut?

          Wir sind in der jüngeren Vergangenheit sehr stark in Fonds investiert gewesen, deren Strategie die Erzielung möglichst hoher Cash-Flows war. In diesem Jahr haben wir sogenannte „Event Driven“- Strategien übergewichtet. Das sind zum Beispiel Fonds, die vom Anstieg an Firmenfusionen und Übernahmen profitieren. Weiterhin sehen wir Opportunitäten rund um die durch Basel 3 notwendig gewordene Rekapitalisierung vieler Banken.

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